Machen LIGHT-PRODUKTE wirklich schlank? | Ernährungsmythen

Light-Produkte-Schlank-Abnehmen

Ihr kennt sie sicherlich alle, die eine oder andere Werbung, in der suggeriert wird, wir könnten, ohne Reue und ohne auf die „schlanke Linie“ zu verzichten, Doughnuts, Süßigkeiten und Chips essen, wenn wir uns nur für LIGHT PRODUKTE entscheiden würden. Was ist dran an dieser Behauptung, was ist richtig und was ist womöglich daran falsch?

Was sind Light-Produkte?

Lasst uns zunächst klären, was Light Produkte sind, das könnte schon der erste Aha-Effekt sein.

Light-Produkte werden Produkte mit einem reduzierten Anteil von als ungesund angesehenen Bestandteilen wie Fett, Zucker, Ethanol oder Nikotin bezeichnet. Die Bezeichnung kann aber auch auf Produkte angewandt werden, die weniger Kohlensäure oder Koffein enthalten [1].

Was fällt euch bei dieser Definition auf?

Die Formulierung „als ungesund angesehenen“ umschreibt also, dass es eine Definitionsfrage dessen ist, was als „ungesund“ angesehen wird oder was ein „Werbetreibender“ so einordnen möchte. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Paradigmen verändert, wie z. B. die Sichtweise auf Fett („Fett macht fett„). Welche Definitionen von „ungesund“ werden dafür also herangezogen?

Light-Produkte-Gesund
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Was ist richtig?

Lasst uns jetzt einmal schauen, was an der Behauptung, „Light Produkte machen schlank“ richtig sein könnte. Dazu fällt mir eigentlich nur ein Aspekt ein: Weniger von „ungesunden“ Bestandteilen in der Nahrung zu haben, ist sicherlich ein guter Ansatz, um die Ernährung zu verbessern. Mehr Gutes zu essen und weniger Ungesundes ist die simple Grundlage einer guten Ernährung.

Was ist falsch?

Und was ist an dieser Behauptung falsch oder irreführend? Eine Menge! Ich fand das Bild dafür sehr  passend! Unterteilen werde ich diesen Teil in Werbung, Qualität und Abnehmen generell.

Light-Produkte_Irreführung-Werbung
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Irreführende Werbung für Light-Produkte

„Light“ ist, wie wir an der Definition gesehen haben, ein sehr vager Begriff. Als Verbraucher weiß man eigentlich nicht, oworan man is(s)t- wiegt sich (fälschlicherweise) in Sicherheit. Irreführende Werbeversprechen sind an der Tagesordnung: wie z.B. die „fettfreien“ Gummibärchen, die aber zu über 80% aus Zucker bestehen.

„Light“ ist kein Qualitätsmerkmal

„Light“ ist definitv kein Merkmal der Qualität eines Nahrungsmittels. Die Bezeichnung wird meistens für hochverarbeitete Nahrungsmittel vergeben, die industriell hergestellt werden und hochverarbeitet sind. Diese Produkte werden meistens auch dann nicht besser, wenn man bspw. Fette stark reduziert oder Zucker durch Süßstoffe ersetzt, um ein Produkt „besser“ oder gesünder erscheinen zu lassen. Heraus kommt dann bspw. ein Light-Schokoaufstrich mit weniger Fett, aber mehr Zucker und mehr Kalorien als Original. Dennoch darf dieses Produkt als „light“ bezeichnet werden. Ist das nicht skurril?

Schokolade-Light-Zucker-Fett
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Oft werden dann wieder künstliche Zutaten aus dem „Chemielabor“ zugesetzt, um Geschmack, Aussehen und Konsistenz zu erreichen, die verloren gegangen sind als eine „Hauptzutat“ herausgenommen wurde. Zugesetzt werden dann Aromen, Verdickungsmittel, Emulgatoren, Füllstoffe [2] , bei fettfreien Joghurts wird auch der Zuckeranteil (oder Süßstoff) oft erhöht, denn sonst schmeckt das Produkt schlicht und ergreifend nach nichts.

Schlank durch Light-Produkte?

Ich halte es für ein absolut irreführendes Konzept, dass man durch den Konsum von Light-Produkten abnehmen kann. Physische, also körperliche und psychische Korrekturmechanismen durchkreuzen schlicht und ergreifend unsere „mechanistische“ Sichtweise, denn so einfach sind wir nicht gestrickt. Lass mich kurz erläutern, welche Mechanismen das sind:

Wir essen mehr, denn es ist ja „light“!

Die Bezeichnung wiegt uns in falscher Sicherheit und so essen wir eben die ganze Tüte „light Chips“ (oder eben „light“ Kekse), statt einer deutlich geringeren Menge „normaler“ Chips oder Kekse. Vielleicht nehmen wir die „Diätmargarine“ ja auch extra dick aufs Brot, denn sie ist ja „light“. Die mögliche Fett oder Zuckerreduktion kompensieren wir damit ganz schnell und überschreiten vielleicht auch die Menge im Vergleich zum Konsum „normaler“ Produkte, bei denen wir wissen, dass es sich um einen fett- oder zuckerreichen Snack handelt.

„Light-Produkte“ machen Hunger

„Light-Produkte“ machen oftmals einfach mehr Hunger, weil viele Zusatzstoffe und kaum Nährstoffe enthalten sind. Unser Körper braucht aber zahlreiche verschiedene Nährstoffe und „wartet“ praktisch auf sie. Indem wir hungriger werden und weiter essen, könnte rein theoretisch die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die gebrauchten Nährstoffe noch aufgenommen werden. Mit nährstoffarmen und hochverarbeiteten „Light-Produkten“ wird das wohl aber kaum passieren.

Light-Produkte-Nährstoffe-Heißhunger
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Süßstoffe fördern Diabetes

In Light-Produkten enthaltene Süßstoffe können Diabetes fördern, indem sie den Anstieg des Insulinspiegels bewirken. Das passiert vor allem dann, wenn wir künstlich gesüßte Produkte mit „Light-Produkten“ kombinieren [3]. Die Rolle von Süßstoffen im Zusammenhang mit der Gesundheit unseres Mikrobioms (Darmflora) wirft ebenfalls ein schlechtes Licht auf chemische Süßstoffe.

Zahlreiche Zusatzstoffe, die in Light-Produkten verwendet werden, um Geschmack, Aussehen, Konsistenz und Geruch zu erreichen, sind oft „Fremdstoffe“, die unser Organismus gar nicht kennt. Sie sind vom Körper nicht nutzbar und einige schaden uns sogar.

Light Produkte sättigen schlecht

Light-Produkte sättigen oftmals schlechter vor allem dann, wenn Produkten Fett entzogen wird. Ein künstlich fettarmer oder fettfreier Joghurt oder ein Milchshake sind weit weniger befriedigend und so kommen wir zurück zum ersten Aspekt, wir essen oder trinken mehr, denn es ist ja „light“. Wenn dann noch extra Zucker enthalten ist, um die geschmacklichen Schwächen durch wenig Fett zu kompensieren, ist das ein Freibrief für Heißhunger und eine Blutzucker-Achterbahnfahrt.

Wie kann ich es BESSER machen?

Um all die genannten Nachteile von Light-Produkten zu vermeiden, müssen wir einen anderen Weg gehen. Sie machen nicht schlank, dafür aber hungrig. Das kann nicht die Lösung sein. Denkt daran, dass Lightprodukte meistens künstlich modifiziert und hoch verarbeitet sind. Den Marketingeffekt für ein Produkt, das meistens von deutlich geringerer Qualität ist, aber eine tolle Verpackung und Werbung hat, bezahlt ihr teuer, mit Geldbeutel und Gesundheit.

Ihr braucht die Light-Produkte nicht, schon gar nicht wenn ihr gesünder essen und vielleicht sogar abnehmen möchtet. Besser ist es, den Anteil natürlicher Nahrung spürbar, aber schrittweise zu steigern! Was meine ich damit?

Esst echtes Essen!

Lebensmittel, die wenig verarbeitet sind und überwiegend pflanzlich (am besten 50-80% der Nahrungsmittel). Das heißt nicht, dass ihr vegetarisch oder vegan essen sollt, aber tierische Produkte machen einen deutlich geringeren Anteil der Ernährung aus als das oftmals üblich ist. Die Gesundheit, der Planet und die Tiere werden es euch danken. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung hat in zahlreichen Studien gezeigt, die Basis für ein langes und gesundes Leben und die Besserung oder Heilung von zahlreichen chronischen Erkrankungen zu sein [4, 4a].

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Nicht immer können wir unverarbeitete Nahrungsmittel wählen. Wenn du dich dennoch für ein verarbeitetes Produkt entscheiden musst, wähle eine Variante, die möglichst naturbelassen ist und nur eine kurze Zutatenliste hat. Was ihr gewinnen könnt, sind eine bessere Sättigung, weniger Heißhunger, mehr Zufriedenheit, eine optimale Nährstoffversorgung und Gesundheit! Echte Nahrung ist der einfachste Weg, um gesund abzunehmen und schlank zu bleiben.

Warum dafür so wenig geworben wird? Weil man damit kein Geld verdienen kann, wenn ihr ganz viel buntes Gemüse, Salate, hochwertige Proteine, komplexe Kohlenhydrate und gute Fette esst und Fast-Food sowie Light-Produkte links liegen lasst!

Mehr Infos zu einzelnen Kategorien einer Ernährung, die uns wirklich gesund macht und der Treibstoff ist, den unser Körper braucht, findet ihr hier:


Ressourcen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Light-Produkt

[2] z. B. https://lays.de/produkte/lays-light

[3] Dalenberg et al. (2020): Short-Term Consumption of Sucralose with, but Not without, Carbohydrate Impairs Neural
and Metabolic Sensitivity to Sugar in Humans
. Cell Metabolism 31, 493-502

[4] Michael Greger MD (2015): How Not To Die. Discover the Foods Scientifically Proven to Prevent and Reverse Disease.

[4a] in Deutsch: Michael Greger MD (2016): How Not to Die: Entdecken Sie Nahrungsmittel, die Ihr Leben verlängern – und bewiesenermaßen Krankheiten vorbeugen und heilen.

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