Wir machen uns Sorgen. Die momentane Situation rund um Corona oder auch die weltpolitische Lage hat keiner von uns je so erlebt, sie ist vollkommen neu. Das verunsichert viele Menschen und wir beginnen, uns Sorgen zu machen über das, was alles noch passieren könnte. Warum diese Sorgen uns nicht weiterhelfen, uns sogar krank machen und wie wir dieser Spirale entkommen können, darum soll es heute im Artikel gehen.
Ungewohnte Unsicherheit
Unser Gehirn liebt Sicherheit. Basierend auf bisherigen Erfahrungen versucht es, Ereignisse vorherzusagen, um unser Überleben zu sichern. Im „normalen“ Alltag ist das oft recht einfach, weicht doch unsere Routine vom einen auf den anderen Tag meistens nur wenig voneinander ab. Unser Gehirn atmet dann quasi erleichtert auf. Ob diese Routine uns gesundheitlich und langfristig gut tut, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.

Einschaltquoten & Auflagen
Nun treibt so ein kleiner unsichtbarer Virus sein Unwesen (was keine Aussage über dessen Gefährlichkeit ist). Die Zeitungen und Nachrichtensender überschlagen sich in ihren Schlagzeilen und Meldungen. Etwas Besseres kann für die Auflage einer Zeitung oder die Einschaltquoten eines Fernsehsenders nicht passieren. Damit verdienen diese Unternehmen ihr Geld. Das heißt nicht, dass Schutzmaßnahmen nicht wichtig sind. Sie sind sogar notwendig, um eine Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und einer Überlastung von Krankenhäusern vorzubeugen. Was ich damit sagen möchte ist, dass viel Geld damit verdient wird, Menschen in Angst zu versetzen und immer noch drastischere Schlagzeilen zu produzieren.

Kontrollverlust & Horrorszenarien
In unserem oftmals sehr organisierten Leben sind Viele von uns den Umgang mit Unsicherheit nicht gewöhnt. Diesen Mangel an Vorhersagbarkeit, den Kontrollverlust, versucht das Gehirn mit möglichen Szenarien auszugleichen: „Was wäre wenn…“ oder „was alles passieren könnte“. Unsere Tendenz ist es dabei, negative Szenarien zu konstruieren, den „worst case“. Das hat Jahrtausende unser Überleben gesichert, macht also durchaus Sinn. Wenn das dazu beiträgt, vernünftig zu sein und unnötige Risiken zu vermeiden, ist das hilfreich. Dieses Handeln ist konstruktiv und bewirkt etwas.
Das Reptiliengehirn übernimmt die Leitung
Viel häufiger führen diese Szenarian aber dazu, dass wir Panik bekommen, das rationale Denken ausgeschaltet wird und unser Reptiliengehirn die Leitung übernimmt. Das ist alles andere als rational, sondern instinktgeleitet. In akuten Bedrohungssituationen hift es uns, schnell zu kämpfen oder zu flüchten, ohne kostbare Zeit mit Nachdenken zu verlieren.

In einer unwirklichen Situation wie dieser, führt es aber zu Hamsterkäufen, Dauerstress, Aggressionen und Schlafstörungen. Wir sind gelähmt und machen uns pausenlos Sorgen. Das macht uns krank und anfällig für das, was wir eigentlich vermeiden wollen. Rationales Denken ist in diesem Zustand nicht verfügbar. Wir sind sachlicher Information nicht zugänglich, empfinden weniger Empathie (Mitgefühl), sehen schwarz und werden egoistischer.
Denkgewohnheiten bestimmen unsere Sorgen
Wir alle haben im Alltag nicht nur Gewohnheiten, z. B. wie wir unseren Kaffee trinken, sondern auch Denkgewohnheiten. Das ist uns weit weniger bewusst. Denkgewohnheiten etabliere stabile neuronale Verbindungen in unserem Gehirn. Je häufiger wir einen Gedanken haben, desto leichter wird es, in Zukunft diesen Gedanken wieder zu denken. Je nach unseren bisherigen Erfahrungen und Denkgewohnheiten (optimistisch vs. immer Fehler suchend vs. immer das Schlimmste erwartend), werden genau diese Denkpfade verwendet, um mit dieser Unsicherheit umzugehen. Verstärkt durch die Art der Informationen, die wir konsumieren (Schlagzeilen, Gespräche im Alltag, seriöse Infos oder Panikmache), machen wir uns dann möglicherweise dauerhaft Sorgen und kreieren Horrorszenarien, was alles passieren könnte.

Gedanken verursachen Stress
Nun ist es für unser Gehirn kein Unterschied, ob wir uns überlegen, was passieren könnte und es uns deswegen schlecht geht, oder ob es gerade WIRKLICH passiert. Beide Situationen verursachen den gleichen immensen Stress auf der körperlichen und psychischen Ebene. Täglich wird diese Angst weiter genährt mit Schlagzeilen und Szenarien. Der Präfrontale Kortext, zuständig für rationales Denken und zielgerichtete Planung (und mehr), bleibt ausgeschaltet. Die Konsequenz ist, wie in anderen Stresssituationen auch, Kampf, Flucht oder Erstarren.

Auf Dauer hat der Körper keine Chance diese, eigentlich nur für kurze Notfälle vorgesehene Stoffwechsellage, zu normalisieren. Heilung findet nicht statt, wir schlafen schlecht, das Immunsystem arbeitet nicht richtig, wir bekommen Heißhunger auf Zucker und Fett, der hohe Stresshormonspiegel bewirkt ein hormonelles Ungleichgewicht etc.

Lösungsansätze gegen Sorgen & Stress
Atemübung
Setze dich auf einen Stuhl, ohne dich anzulehnen. Der Rücken ist gerade, die Füße berühren den Boden. Lege die Hände auf die Knie oder in den Schoß. Schließe die Augen, lass die Schultern nach unten sinken und beginne, bewusst in den Bauch zu atmen. Der Bauch kann sich ein Stück nach vorn schieben, wenn du einatmest. Die Schultern und der Brustkorb bewegen sich nicht oder kaum. Atme nun 3-4 Sekunden ein, halte den Atem für 1 Sekunde an und atme doppelt so lange, also 6-8 Sekunden, wieder aus. Wähle einen Atemrhythmus, der für dich angenehm ist. Die Atmung sollte langsamer als deine normale Atmung sein. Atme mindestens 3-5 Minuten in dieser Art und Weise, gern auch länger, bis du spürst, dass du ruhiger wirst. Wenn deine Gedanken beginnen zu wanden (und das werden sie) lenke einfach deine Aufmerksamkeit zurück zur Atmung. Immer wieder.
Informationsquellen wählen
Entscheide dich bewusst, woher du deine Informationen beziehst. Unser Kopf mag große Schlagzeilen, selten sind sie aber gut recherchiert oder sie betonen nur den Aspekt, der für Aufmerksamkeit sorgt und uns Angst macht. Wenn du Nachrichten im Fernsehen sehen möchtest, versuche lieber, das am Vormittag oder Nachmittag zu tun und verzichte abends darauf, dir noch mehr beängstigende Meldungen anzusehen, die im Unterbewusstsein weiterarbeiten und den Schlaf beeinträchtigen. Vielleicht sind auch geschrieben Nachrichten ohne Bilder für dich eine gute Variante. Probiere aus, was gut für dich passt und womit es dir am besten geht.

Dankbarkeit als Focus
Negativen Gedanken müssen wir oft ganz bewusst etwas entgegenzusetzen. „Nicht“ an etwas zu denken funktioniert in etwa so gut, wie nicht an rosa Elefanten zu denken. Was macht der Kopf dabei? Schwupps, haben wir einen niedlichen rosa Elefanten vor unserem inneren Auge, egal wie sehr wir versuchen, das nicht zu denken.
Dankbarkeit kann eine tägliche Routine sein, aber auch als Akutstrategie wirken, wenn Sorgen uns gerade wieder überrollen. Wofür kannst du momentan dankbar sein? Hast du ein Dach über dem Kopf? Konntest du heute etwas essen? Scheint die Sonne? Haben wir Frieden in Deutschland? Hast du vielleicht Zeit, telefonischen Kontakt mit Freunden wieder aufzunehmen?
3 Dinge – jeden Tag
Vielleicht musst du etwas länger nachdenken, wofür du heute dankbar sein kannst, aber du wirst sicherlich 3 Dinge finden. Oft ist es für unser Gehirn ungewohnt, positive Dinge zu suchen. Negatives finden wir hingegen super schnell, das haben wir wunderbar gelernt.

Auch schöne Erlebnisse, an die wir gern zurückdenken, können helfen, Sorgen ihre Macht zu nehmen. Gibt es ein besonders tolles Urlaubserlebnis? Ein Musikstück, das du mit etwas Positivem verbindest? Nimm dir die Zeit, um die Sorgen in die Schranken zu weisen und stelle dir ein schönes Erlebnis in allen Einzelheiten vor. Nimm ganz bewusst wahr, wie gut sich das anfühlt. Schreibe drei Dinge jeden Tag auf. Ein Dankbarkeitstagebuch zu pflegen ist ein guter Weg, um diesen postivien Gedanken- und Wahrnehmungsfilter als Gewohnheit zu etablieren.
Sonnenschein
Sonnenschein und Natur sind ganz natürliche Stimmungsaufheller. Solange wir Spazieren gehen dürfen und auch Zeit dafür haben, sollten wir das nutzen. Genießt die Sonne, den Wald, atmet tief ein und aus und lasst einen Moment alle Gedanken beiseite. Bewegung, ob in Form eines Spaziergangs oder einer Joggingrunde, fördert die Produktion von Neurotransmittern, die Stimmung und Gesundheit verbessern.

Konstruktive Gedanken ja, Sorgen nein
Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass Sorgen uns nicht weiterbringen. Sie führen dazu, dass wir uns schlecht fühlen und keine guten Entscheidungen treffen. Bei aller Vorsicht und allen sinnvollen Maßnahmen sollten wir daher aufmerksam sein, Sorgenspiralen und Angst auszubremsen. Die genannten Strategien können dazu einen Anfang bieten, auch wenn es sicherlich noch viel mehr Möglichkeiten gibt. Wie wäre es damit, euer Haustier ausgiebig zu kuscheln, wild zu Musik zu tanzen, ein Workout zu Hause zu machen, zu meditieren, Freunde anzurufen oder endlich einmal das gute Buch weiterzulesen?

Nur zum Abschluss noch ein Gedanke: Unsere Gesundheit beeinflusst unser Denken und Handeln. Wenn wir uns nicht gut fühlen, versucht sich unser Gehirn daraus einen Reim zu machen und produziert dazu die passenden negativen Gedanken. Achtet in dieser Zeit daher ganz bewusst auf eure Gesundheit und die Ernährung, um ein optimales Funktionieren aller Prozesse im Körper und im Gehirn zu unterstützen.
Zum Weiterlesen:
5 Gedanken zu „Warum machen wir uns SORGEN? Und was dagegen hilft…“