Unsere 9 größten ENERGIERÄUBER (Teil 2)

Energieräuber-Cortisol-Adrenalin-Stress

Wenn wir uns ständig müde und ausgelaugt fühlen, sollten wir einen Blick darauf werfen, welche ENERGIERÄUBER sich in unserem Alltag – oft unbemerkt – breit gemacht haben. Sie sorgen dafür, dass unsere Belastbarkeit immer geringer wird und wir uns nicht ausreichend erholen können. Das ist ein bisschen, wie wenn wir ein Loch im Reifen haben: Wir verlieren andauernd Energie. Welche 9 typischen Energieräuber es gibt, darum soll es im heutigen Artikel gehen.

Warum wir uns müde und energielos fühlen

Während es heute um die ganz konkreten Energieräuber in unserem Alltag gehen soll, ist es wichtig, die dahinterliegenden Mechanismen zu verstehen. Diese werde ich nur kurz ansprechen, denn diesen habe ich einen kompletten Artikel gewidmet, der die Grundlage für das Verständnis der Energieräuber schafft. Vielleicht magst du mit dem Teil 1 dieser Serie beginnen und dann hier weiterlesen:


Unsere 9 Energieräuber

Die 9 Energieräuber, die ich heute vorstellen möchte, sorgen immer wieder für eine Aktivierung des Sympathikus, also des Teils unseres Nervensystems, der uns aktiv werden lässt (mehr dazu im Teil 1). Wenn unser Nervensystem in der gleichen Art und Weise immer wieder aktiviert wird, wir immer im Vorwärts-Modus unterwegs sind und externe Mittel suchen, um unseren bereits vorhandenen Energiemangel zu kompensieren, beginnt die „Wippe“ zu klemmen. Erholung, Heilung, Schlaf und Ruhe kommen nicht mehr zum Zuge, wir werden müder, schlapper, gereizter und können nicht mehr abschalten (die Mechanismen dahinter findest du hier).

Wir aktivieren uns immer wieder, mit Kaffee und vielen anderen Substanzen.
Photo Credit: Canva

Die folgenden 9 Punkte möchte ich so aufbauen, dass ich immer kläre, was ein bestimmter Aspekt mit uns macht und warum er uns eigentlich Energie raubt. Lösungen wird es dann im dritten Teil dieser Serie geben (HIER).

Energieräuber 1: Stress

Wenn wir Situationen als stressig empfinden, hat das – viel mehr als wir glauben – mit unserer eigenen Bewertung zu tun. Beispiel: Vor Menschen zu stehen und einen Vortrag zu halten, ist für den einen eine spannende Herausforderung, für den anderen hingegen purer Stress. Die gleiche Situation, kann also völlig unterschiedlich bewertet werden. Das hat weniger mit der Situation selbst oder unseren objektiven Fähigkeiten zu tun als unserer Bewertung der Situationen als Stress.

Stress hängt stark von unserer persönlichen Bewertung ab
Photo Credit: Canva

Was dabei passiert ist, dass wir mehr sympathisch aktiviert werden, wenn wir die Situation als Stress einordnen. Gleichzeitig bewerten wir die damit verbundenen Symptome, wie z.B. das Kribbeln im Bauch oder die schwitzigen Hände als negativ und bedrohlich. Das lähmt uns und verstärkt die Bedrohlichkeit der Situation.

Zugrunde liegt dieser Einordnung häufig das Gefühl (wohlgemerkt das Gefühl, nicht die Tatsache), einer Situation nicht gewachsen zu sein oder auch die übermäßige Sorge, was alles schief gehen könnte.

Im ersten Teil war ich bereits darauf eingegangen, was eine Sympathikusaktivierung bedeutet: Muskelanspannung, Fokus auf den Stressor, die Ausschüttung von Cortisol („Stresshormon“) und Adrenalin („Aktivierungshormon“).

Warum uns Stress Energie rauben kann

Kurzfristig ist diese sympathische Aktivierung wunderbar, denn sie macht uns konzentriert, fokussiert und wir schaffen etwas. Wenn wir uns aber dauerhaft stressen (lassen) oder langfristig intensivem Stress ausgesetzt sind, beginnt die Wippe in der aktivierten Position zu „klemmen“.

Energieräuber Dauerstress & sympathische Aktivierung
Photo Credit: Canva

Folge: Wir können nicht mehr abschalten, schlafen schlecht und haben damit keine Chance, die Anspannung zu neutralisieren und unsere Batterien wieder aufzuladen. Das kostet unglaublich viel Energie und macht uns langfristig schlapp und müde.

Energieräuber 2: Licht

Unser biologischer Rhythmus ist an den Wechsel von Hell- und Dunkel gebunden. Er stellt unsere innere Uhr für alle Organe und Prozesse im Körper. Viele von uns haben in ihrem Alltag jedoch wenig natürliches Licht und viel künstliches Licht, aber auch das falsche Licht zur falschen Zeit.


Einen ganzen Artikel zum Thema gibt es hier: Wenn die INNERE UHR falsch geht und was du dagegen tun kannst!


Das bringt unsere innere Uhr durcheinander, denn wir liefern quasi inkorrekte Informationen, wie unsere Zellen zur jeweiligen Zeit funktionieren sollen. Dieser scheinbar kleine Faktor hat weitreichende Konsequenzen (nicht nur) für unseren Hormonstatus, denn die Ausschüttung von Cortisol („Stresshormon“) und Melatonin („Schlafhormon“) verschieben sich.

Energieräuber Licht und Handybildschirme
Photo Credit: Canva

Wenn uns morgens das Sonnenlicht fehlt, läuft die notwendige Aktivierung schon am Morgen schief. Wenn der erforderliche Lichtimpuls fehlt, weiß unser Körper nicht, dass er jetzt das aktivierende Cortisol ausschütten sollte. In der Folge kommen wir morgens nur schwer aus dem Bett und fühlen uns schlapp. Da aber in unserem Körper alles zusammenhängt, bleibt es nicht dabei. Auch abends spüren wir die Konsequenzen, denn das Schlafhormon Melatonin wird nicht ausgeschüttet, wenn künstliches Licht (z. B. Bildschirme, Neonröhren) zu hell ist. Das Gehirn denkt, dass noch Tag ist und aktiviert uns. Also fühlen wir uns abends wach, gehen zu spät ins Bett, schlafen unruhig und sind morgens hundemüde, was sich häufig direkt in unserem Kaffeekonsum niederschlägt.

Energieräuber 3: Handy & Bildschirme

Handys, Computer und Fernseher tragen enorm dazu bei, dass wir zur falschen Tageszeit zu helles Licht sehen. Es aktiviert uns und behindert den Schlaf, wie gerade im vorigen Punkt beschrieben.


Hier gibt es einen ganzen Artikel zu Faktoren, die unseren Schlaf behindern: Die 5 größten “SCHLAFRÄUBER”


Aber die Bildschirme machen noch mehr, und zwar unabhängig vom Inhalt, dessen Bewertung (mit allen Konsequenzen) einen eigenen Vortrag oder Artikel füllen könnte. Hier möchte ich im Zusammenhang mit der Nutzung von Bildschirmen zwei Aspekte und deren Bedeutung besonders hervorheben.

Was machen die Bildschirme mit uns?

Erstens: Um auf einen Bildschirm zu schauen, müssen wir unsere Augen auf einen Punkt in der Nähe fokussieren.

Das damit verbundene Engstellen der Augen, ist Bestandteil der Sympathikus-Aktivierung, also der Stressreaktion. Dieser Fokus hilft uns bei Stress, schnell eine lebensrettende Entscheidung treffen zu können, ohne abgelenkt zu werden: Sollen wir weglaufen oder müssen wir kämpfen?

Nun verursacht aber dieser Fokus der Augen auf einen Bildschirm dauerhaft eine Stressreaktion. Wir sind also mehr gestresst, während wir Bildschirme nutzen als wenn wir nicht fokussiert auf einen Punkt schauen würden.

Das Engstellen der Augen erzeugt Stress.
Photo Credit: Canva

Zweitens: Die Bewegung des „scrollens“ (also das Bild auf dem Bildschirm nach oben zu schieben, um neue Inhalte zu sehen), gerade in Facebook, Instagram und Co., erfordert eine permanente Augenbewegung von unten nach oben. Diese Augenbewegung macht uns wach. Nicht umsonst geht unser Blick nach unten, wenn wir müde werden und ein dauerhafter Blick nach unten macht uns auch müde.

Wenn wir uns die Bedeutung dieser beiden Faktoren für unseren Alltag anschauen, wird deren Tragweite deutlich: Wann schauen wir oft in unser Telefon? Abends, bevor wir zubett gehen. Damit machen wir uns also noch einmal richtig wach und aktivieren das Gehirn. Dies täuscht darüber hinweg, dass wir eigentlich müde sind, wir gehen zu spät ins Bett, schlafen schlecht (weil aktiviert) und zu kurz (weil zu spät im Bett). Am nächsten Morgen sind wir müde und jeden Tag mehr erschöpft, weil die Regeneration fehlt.

Energieräuber 4: Kaffee

Kaffee macht uns wach, genau deswegen trinken wir ihn ja. Je nach Tageszeit (und Menge) ist das auch absolut in Ordnung. Dieser wachmachende Effekt wirkt primär über zwei verschiedene Mechanismen. Die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin aus den Nebennieren (mehr dazu im ersten Teil), macht wach, denn beide Hormone sind Teil der Stressreaktion (sympathische Aktivierung) [1].

Koffein kann ein Energieräuber sein, wenn wir uns immer wieder damit wachhalten, obwohl wir eigentlich erschöpft sind.
Photo Credit: Canva

Darüber hinaus belegt Koffein die „Parkplätze“ für das Signalmolekül Adenosin [2]. Adenosin macht uns müde und baut sich immer weiter auf, je länger wir wach sind. Es erzeugt einen so genannten „Schlafdruck„. Koffein verhindert damit, dass Adenosin wirken kann und wir haben das Gefühl, noch wach zu sein.

Warum kann uns Kaffee Energie rauben?

Wir bewegen uns mit dem Kaffeegenuss mehr nach rechts auf dem Schieberegler des Nervensystems (mehr dazu in Teil 1): mehr sympathische Aktivierung, mehr Cortisol und Adrenalin. Für gesunde Menschen, die gut erholt und ausgeschlafen sind, kann das völlig unproblematisch sein.

Erstens: Aber die lange Halbwertszeit von Koffein – ca. 6 Stunden – kann unseren Schlaf behindern, weil wir zu aktiviert sind. Eine Halbwertszeit von 6 Stunden bedeutet einfach, dass nach 6 Stunden noch die Hälfte des Koffeins im System ist. Übersetzt bedeutet das, dass ein Kaffee um 16 Uhr gleichbedeutend damit ist, um 22 Uhr eine halbe Tasse Kaffee zu trinken. Die durch das Koffein bewirkte Aktivierung verhindert, dass der Parasympathikus (der Teil des Nervensystems für Erholung, Heilung und Schlaf) zum Zuge kommt. Die sich immer weiter aufbauende Erschöpfung müssen wir mit immer mehr Koffein kompensieren.

Schlaflos durch zu viel Kaffee, erschöpft durch mangelnde Erholung.
Photo Credit: Canva

Zweitens: Insgesamt trinken wir auch mehr Kaffee, wenn wir gestresst sind. Wir addieren also Stress zum Stress, weil immer wieder zusätzlich Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden, die zentrale Merkmale der Stressreaktion sind.

Drittens: Indem der natürliche Prozess des Müdewerdens durch den Aufbau von Adenosin nicht stattfinden kann, gehen wir später zu Bett. Aber genau der Schlaf, der uns jetzt fehlt, könnte uns vermutlich helfen, uns vom Stress zu erholen. Ohne die Kenntnis dieser Faktoren stecken wir mitten im Teufelskreis.

Energieräuber 5: Alkohol

Alkohol wird von vielen Menschen genutzt, um am Abend entspannen zu können. Diese gängige Praxis hat aber einen Haken, oder besser noch: sie wirkt wie ein Boomerang.

Alkohol vergrößert unseren Stress anstatt ihn zu verringern.
Photo Credit: Canva

Alkohol erhöht unseren Stress

Selbst mäßiger Alkoholkonsum, das heißt 1-2 Gläser am Tag (oder nur am Wochenende), erhöht unseren Cortisolspiegel (also unseren Stresshormonspiegel) auch, wenn wir gerade nicht trinken [1]. Wir rutschen also in der Grundeinstellung auf dem Kontinuum zwischen Erholung und Stress weiter nach rechts. Wir sind also im Alltag mehr gestresst und weniger entspannt, also genau das, was wir mit dem Alkohol versuchen, zu vermeiden.

Das ist ein bisschen damit vergleichbar, wie wenn ihr bei eurem Auto dauerhaft – auch an der Kreuzung – den Fuß auf dem Gas lasst. Wir kommen also auch in Pausen nicht in den Leerlauf und das macht Alkohol auf dieser Ebene zum Energieräuber. Aber es geht noch weiter.

Alkohol stört den Schlaf

Alkohol beeinträchtigt unseren Schlaf, indem er ihn fragmentiert. Wir haben also mehr Unterbrechungen im Schlaf, wachen häufiger auf, oftmals ohne es zu merken. Gleichzeitig wird der REM Schlaf, also der Traumschlaf unterdrückt. Der Abbau von Alkohol triggert darüber hinaus eine Stressreaktion in unserem Körper, denn dieser muss auf Hochtouren arbeiten, um das Toxin loszuwerden und kann andere Aufgaben (Reparatur, Heilung etc.) nicht erledigen [3]. Und ja, selbst ein alkoholischer Drink am Abend hat eine messbar nachteilige Wirkung auf unseren Schlaf, auch wenn uns dies nicht gefällt [4].

Energieräuber Alkohol fördert die Sedierung, aber das ist nicht gleich Schlaf.

Vielleicht wunderst du dich über den vorigen Punkt, denn subjektiv scheint Alkohol beim Schlafen zu helfen. Was wir dabei übersehen ist, dass Sedierung (durch Alkohol) ein komplett anderes Muster ist als Schlaf, vergleichbar mit einer leichten Narkose. Wir können es in unserem Erleben jedoch nicht unterscheiden [4]. Wir fühlen uns also entspannter und müder nachdem wir Alkohol getrunken haben, schlafen aber dennoch schlechter.

Im dritten Teil des Artikels werde ich euch zu allen hier angesprochenen Energieräubern Ideen vorstellen, wie ihr dieses Wissen zu eurem Vorteil nutzen könnt.

Energieräuber 6: Junk Food

Ernährung mit „essbaren Substanzen“ statt echter Nahrung bezeichne ich hier in diesem Zusammenhang als „Junk“ (aus dem Englischen für Schrott, Ramsch oder Müll). Diese essbaren Designersubstanzen aus dem Labor liefern nicht die Nährstoffe, die wir brauchen, wie z. B. Vitamine, Ballastoffe, Enzyme, Antioxidantien oder hochwertige Fette.

Fast Food und hochverarbeitete Produkte erzeugen Stress.

Auch liefern sie kaum Baustoffe, die wir für Reparaturen, Heilung oder den Aufbau unserer Neurotransmitter brauchen, die beispielsweise dafür sorgen könnten, dass wir entspannt und ausgeglichen sind und gut schlafen. Statt dessen liefern sie massive Mengen an Kalorien, die wir in einem sitzenden Alltag nicht brauchen, zahlreiche Toxine, die unseren Stoffwechsel und die Art und Weise verändern, wie unser Gehirn arbeitet. Dazu zählen Zucker, Emulgatoren, Farbstoffe und entzündungsfördernde Fette.

Warum raubt uns Fast Food Energie?

Schlechte Nahrung verursacht für unseren Körper Stress, denn er muss Kompromisse machen, Prioritäten zu setzen (z. B. die Bildung von Stresshormonen priorisieren), notwendige Reparaturen vertagen und gleichzeitig Toxine entsorgen. Mit diesem zusätzlichen Stress sind wir noch weiter entfernt von der notwendigen Entspannung als vorher.

Der Körper muss Prioritäten setzen, Kompromisse finden und notwendige Prozesse vertagen, wenn Nährstoffe und Baumaterial fehlen.

Was zu kurz kommt sind Heilung, die Bildung von Neurotransmittern und Hormonen wie Testosteron und Östrogen (das betrifft Männer und Frauen), eine vernünftige Verdauung (also auch die Aufnahme von Nährstoffen), aber auch die Fettverbrennung. Unsere Darmflora, also das Mikrobiom verändern sich zu unserem Nachteil und das fördert Entzündungen, Heißhunger, negative Gedanken und impulsives Verhalten [6,8].

Energieräuber 7: Krankheit

Krankheit kann uns schlapp, müde und kraftlos machen. Ob es sich dabei um ein Virus oder ein Bakterium, eine Grippe, einen Magen-Darm Infekt oder eine andere Erkrankung handelt, ist für die Wirkung zunächst erst einmal nicht zentral.

Krankheit als Energieräuber

Krankheit stellt unseren Körper vor große Herausforderungen, denn die ursprüngliche Balance muss wieder hergestellt werden. Das mag bedeuten, dass unser Immunsystem Überstunden schieben muss, weil ein Eindringling unschädlich gemacht werden muss. Fieber ist dabei ein wichtiger Mechanismus, auch wenn wir es eher lästig finden. Oder unser Körper muss eine Verletzung heilen, z. B. einen Muskel oder Knochen.

Warum raubt uns Krankheit Energie?

Unser Körper braucht, wenn wir krank sind, besonders viel Energie, für eine erhöhte Körpertemperatur (um Keime abzutöten), die die Aktivierung des Immunsystems und, um die Baustoffe zu liefern, die für Heilung und Reparatur benötigt werden.

Damit unser Körper seine limitierten Ressourcen zielführend einsetzen kann, sorgt er dafür, dass wir müde sind, schlafen wollen und keine Lust haben, zusätzliche Energie zu verbrauchen. Wir sind also einfach schlapp, zu recht. Es unterstützt das Gesundwerden.

Krankheit raubt uns Energie, die der Körper braucht, um gesund zu werden.
Photo Credit: Canva

Was wir aber oft machen ist, einfach Medikamente zu schlucken, die uns wach machen, dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen, die Schmerzen und Fieber verschwinden lassen, um weiterzumachen wie bisher. Wir gönnen also unserem Körper die Ruhe nicht, die er gerade benötigt. Vergleichbar ist das damit, im Auto die Öllampe zu überkleben, wenn sie leuchtet. Wir ignorieren die Bedürfnisse des Körpers und wundern uns, warum uns dies nicht gut bekommt.

Energieräuber 8: Rastlosigkeit

Viele von uns sind getrieben auf der Suche nach Erfolg, Anerkennung oder dem Gefühl, endlich gut genug zu sein. Ob es die Karriere ist, der optimal durchorganisierte Haushalt, das ultimative Training oder das perfekte Äußere. Wir sind auf der Suche nach einem Leben, das von anderen bewundert (oder anerkannt) wird und sich nach unseren Maßstäben (die uns oft nicht einmal klar sind) „erfolgreich“ anfühlt.

Und so hetzten wir durch das Leben, konsumieren in jeder nur erdenklichen Form: Essen, Shoppen, Alkohol, Fernsehen, Nachrichten, soziale Medien, Parties, die ultimative Freizeitbeschäftigung, coole Hobbies, Plätze, die „man“ unbedingt besucht haben sollte. Die Suche gilt der ultimativen Erfüllung im Außen, dem Gefühl wirklich gut und erfolgreich und endlich zufrieden zu sein. Wir haben Angst, etwas zu verpassen, wofür sich inzwischen der Begriff FOMO etabliert hat: Fear Of Missing Out = die Angst etwas zu verpassen. Das ist für viele Menschen ein ernsthaftes Problem, das sie an den Rande eines Burnouts bringen kann.

Photo Credit: Canva

Gerade die Jüngeren unter uns fühlen sich zusätzlich oft noch gezwungen, eine optimierte Präsenz in den sozialen Medien zu erstellen, um das „super Leben“ auch zu dokumentieren und dafür entsprechende „Likes“ und“ Follower“ zu bekommen. Aber es ist nie genug, denn es gibt immer etwas zu tun, wir könnten immer noch besser, noch cooler, noch erfolgreicher, noch zufriedener sein oder mehr Follower haben [7].

Warum raubt uns Rastlosigkeit Energie?

Echte Pausen kommen bei diesem ständigen Streben oft zu kurz und dabei meine ich nicht, abends bewusstlos ins Bett zu fallen. Wenn wir ständig auf Hochtouren laufen, bleibt unser Nervensystem irgendwann in der Aktivierung des Sympathikus stecken, denkt an die Wippe, meinem Bild aus dem ersten Teil dieser Serie.

Dann beginnen wir, uns komisch zu fühlen wenn wir einmal nichts tun, ziehen bei jeder kleinen Pause, z. B. im Aufzug, in der Warteschlange oder an der Ampelkreuzung, das Handy aus der Tasche oder werden ungeduldig, weil alle anderen „so provozierend langsam“ sind. Auch, wenn wir manchmal ahnen, dass es so nicht gut sein kann, wir unter Rückenschmerzen, Migräne, Sodbrennen oder Schlafstörungen leiden. Das Hamsterrad tut uns nicht gut, ist aber so vertraut.

Das Hamsterrad tut uns nicht gut, ist aber so vertraut.

Wenn unsere Wippe feststeckt (Aktivierung des Sympathikus), lässt sich der Schieberegler kaum noch in Richtung „ausgeglichen“ oder „tiefenentspannt“ verschieben. Dann suchen wir nach externen Mitteln z. B. Alkohol oder Ablenkung, um abends „runterzukommen“. Aber diese Mechanismen setzen die Rastlosigkeit einfach auf einer anderen Ebene fort und sorgen nicht für einen parasympathischen Zustand, eine echte erholsame Entspannung.

Energieräuber 9: Schlafmangel

Schlaf ist einer der Hauptmechanismen, um unsere Grundeinstellung des Nervensystems – ihr erinnert euch an den Schieberegler aus Teil 1 – jeden Tag wieder aufs Neue wieder zurückzusetzen. Auch, wenn ein Tag stressig war, können wir mit einem guten und ausreichenden Schlaf in der Nacht, den Parasympathikus zum Zuge kommen lassen, um uns zu erholen und zu entspannen.

Warum raubt uns Schlafmangel Energie?

Wenn wir zu wenig oder zu schlecht schlafen, erholen wir uns nicht. Wir verarbeiten nicht das, was am Tag passiert ist, sind emotional labiler und reizbarer, weniger kreativ und leistungsfähig. Schlafmangel sorgt für Heißhunger und Gewichtszunahme. Am nächsten Tag sind wir noch mehr gestresst und zusätzlich auch noch müde. Alles ist uns zu viel und wir sind einfach nur eine gereizte Version unserer selbst.

Schlafmangel macht uns zur gereizten und müden Version unserer selbst.

Ursachen für schlechten Schlaf gibt es viele. Für Frauen spielen oft die Wechseljahre eine zentrale Rolle. Wenn die Hormone sich ändern, sind wir auf einmal unruhig und wandern nachts mehr durch die Wohnung als dass wir schlafen. Aber auch generell Stress, also die Aktivierung durch Cortisol und Adrenalin ist kontraproduktiv für einen guten Schlaf, denn dieser braucht Entspannung, Loslassen und Ruhe. Das ist genau das gegenteilige Ende des Schiebereglers unseres Nervensystems (siehe Teil 1).

Licht, soziale Medien, Kaffee, Alkohol und alle vorher genannten Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle, wenn guter Schlaf in weite Ferne zu rücken scheint. Lösungen und Tipps für einen besseren Schlaf werde ich im dritten Teil anbieten, der in ein oder zwei Wochen erscheinen wird.

Unsere 9 größten Energieräuber

Bei all den vielen Faktoren, die ihr in den letzten Minuten gelesen habt, ist eine Zusammenfassung sicherlich noch einmal gut.

Alle genannten Verhaltensweisen oder Substanzen sorgen dafür, dass wir mehr aktiviert und letztendlich mehr gestresst sind. Deswegen sind unsere Batterien einfach irgendwann leer. Es ist, als würde man aus einem Rennpferd immer wieder das letzte herausholen, bis es zusammenbricht.

Faktoren, die uns viel Energie rauben sind:

  • Stress
  • falsches Licht zur falschen Zeit
  • Handy & Bildschirme
  • Kaffee & Alkohol
  • Junk Food
  • Krankheit
  • Rastlosigkeit
  • Schlafmangel

Je mehr dieser Faktoren sich addieren, desto schwerer haben wir es, unseren Schieberegler in Richtung Parasympathikus zu verschieben. Das Ziel uns wirklich zu entspannen, zu schlafen, zu erholen und zu heilen rückt dann in weite Ferne.

Im dritten Teil wird es um die wichtigsten 10 Strategien gehen, die uns helfen können, den eigenen Akku endlich wieder aufzuladen.

Direkt zu den Lösungsstrategien geht es hier: ENERGIESPENDER: Die Kraft der richtigen Erholung (Teil 3)


Mehr zum Weiterlesen auf meiner Seite:


Ressourcen & Quellen:

2 Gedanken zu „Unsere 9 größten ENERGIERÄUBER (Teil 2)

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.