Brot in allen Varianten ist eines der liebsten Lebensmittel in Deutschland. Aber gerade, wer sich mit gesunder Ernährung beschäftigt, ist irgendwann auch etwas verunsichert, ob Brot nun eigentlich gesund ist oder eher nicht. Diesen Artikel gibt es auf Wunsch einer einzelnen Dame (du weißt, wer du bist) und ich hoffe, dass sich auch andere die Frage schon gestellt haben, wie sich Brot mit einer gesunden Ernährung verträgt. Heute soll es darum gehen, was an Brot eher gut oder weniger gut ist, worauf man achten sollte und wie man gutes Brot erkennt.
Getreideanbau seit 12.000 Jahren
Lasst uns geschichtlich einen Schritt zurück machen. Der gezielte Anbau von Getreide ermöglichte es den Menschen vor etwa 12.000 Jahren [1] vom reinen Jagen und Sammeln für die Versorgung mit Nahrung auf ein mehr sesshaftes Lebensmodell umzusteigen. Das war natürlich ein enormer Gewinn an Lebensqualität. Es ermöglichte die Perfektionierung des Anbaus und der Verarbeitung von verschiedenen Pflanzen, Getreiden, aber auch die Tierhaltung, um eine stabile und verlässliche Nahrungsgrundlage zu haben.

Diese grundlegende Veränderung der Lebensform sorgte für immer größer werdende Ansiedlungen und ein enormes Bevölkerungswachstum von 5 Millionen Menschen vor 10.000 Jahren auf heute 8 Milliarden [1].
In dieser Zeit begannen Menschen auch, ganze Getreidekörner gezielt zu mahlen und mit Wasser und Salz zu verschiedenen nahrhaften Formen von Fladenbroten und Brot zu verarbeiten. In einigen Ländern wird Brot auch heute noch auf diesem sehr traditionellen und körperlich anstrengenden Weg hergestellt. Hier schon mal ein kleiner Teaser: Das, was wir heute oftmals als Brot essen, ist meistens meilenweit davon entfernt.
Wir sind Brotweltmeister
In Deutschland sind 3200 Brotspezialitäten registriert, so viel wie in keinem anderen Land [2]. Das deutsche Kulturgut Brot ist sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt [2]. Diese Vielfalt umfasst die Kombination von verschiedenen Getreidegrundlagen, wie Roggen oder Weizen in Kombination mit zahlreichen Zubereitungs- und „Lockerungsarten“ (Hefe, Sauerteig etc.). So kommen Kastenbrote, Knäckebrote, Brote mit Gewürzen und Kräutern, mit Früchten oder Gemüse, aus Steinbacköfen, Holzbacköfen oder Dampfkammern zustande.

Praktisch jeder Haushalt in Deutschland nutzt Brot als festen Bestandteil des Frühstücks, dann gern mit Marmelade und Honig, zum Mittagessen als Stulle oder für das klassische Abendbrot. Und was soll daran jetzt „schlecht“ sein? Ist das nicht einfach nur völlig übertriebenes Gesundheitsdenken?
Was könnte an Brot problematisch sein?
Falls du dir noch nie Gedanken darum gemacht hast, warum Brot eventuell nicht unhinterfragt unser Basislebensmittel sein sollte, dann möchte ich dir einige Anhaltspunkte liefern, über welche Aspekte wir uns Gedanken machen sollten.
Folgende 5 Aspekte werde ich heute für dich genauer unter die Lupe nehmen:
- Verarbeitungsgrad
- Zutaten
- Ballaststoffgehalt
- Blutzuckerwirkung
- Glutengehalt (ein bestimmtes Protein in Getreiden)
- Vielfalt
#1: Verarbeitungsgrad des Brotes
Jede einzelne Zutat eines Brotes (siehe dazu Punkt #2) kann unterschiedlich stark verarbeitet sein, bevor sie für ein Brot genutzt wird. Sehr häufig werden z. B. beim Getreide die verderblichen, aber eigentlich wertvollen Bestandteile entfernt, wie Fette und Proteine. Sie werden schneller ranzig. Übrig bleibt nur die Stärke des Getreidekorns, die im Körper wie Zucker wirkt, also das weiße Mehl.

Das macht aus einem eigentlich sättigenden und nahrhaften Lebensmittel ein ewig haltbares, trockenes und billiges Brot. Damit werden aber auch die Ballaststoffe entfernt, die in der Schale des Getreides sitzen. Sie sind Nahrung für unser Mikrobiom und wirken zusätzlich sättigend. Fette werden durch billige Fette oder Stoffe ersetzt, die auf der Zunge den Eindruck von Fett entstehen lassen. Enzyme beschleunigen den eigentlich zeitaufwändigen Prozess der Teigherstellung, der normalerweise ruhen und gehen muss. Zeit ist Geld, damit die Herstellung billig bleibt, muss sie irgendwie beschleunigt werden. Aber genau diese industrialisierte Herstellung verändert das Endprodukt Brot (bei gleicher Optik), so dass es häufig weniger gut vertragen wird.
Junk statt Nahrung
Das ist keine Nahrung mehr für unsere Zellen oder die Bakterien im Darm (Mikrobiom), das ist „Junk“, also Müll. Aber damit verdienen die Firmen mehr Geld als mit der traditionellen, zeitaufwändigen Brotherstellung, allerdings auf Kosten unseres Geldbeutels und unserer Gesundheit.

Egal, wie gesund ein Brot aus Massenherstellung aussieht oder mit welchen Versprechen es beworben wird, kannst du dir eines merken: Es ist ein hochverarbeitetes Fast-Food Produkt und sicherlich nicht gesund.
Besonders tückisch: Brote, die in Supermärkten hergestellt werden, enthalten keine Zutatenlisten. Egal, wie knusprig sie aussehen und wie gut sie riechen, du weißt nicht, welche Zusatzstoffe in diesen Broten enthalten sind und ob die Inhaltsstoffe das halten, was das leckere Aussehen verspricht. Oftmals wurden diese scheinbar so frischen Brote nur aufgetaut und fertig gebacken und vielleicht schon vor einem Jahr hergestellt [3].
#2: Zutaten im Brot
Hast du schon einmal Brot gebacken? Welche Zutaten brauchst du? Mehl (oder Schrot), Wasser, Salz, Hefe und vielleicht noch etwas Zucker. Das wars. Vielleicht verfeinerst du das Brot noch mit Nüssen, Kräutern oder getrockneten Tomaten. Lecker.
Wenn wir uns viele Brote im Supermarkt anschauen, die in Massenproduktion hergestellt sind, finden wir zahlreiche Zutaten auf der Liste, die eher nach Chemielabor als nach Backzutat klingen. Und das ist ein Problem, ich sage dir natürlich gleich auch, warum. Wie wäre es mit ein bisschen Säureregulator Natriumacetate, Emulgator Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Ackerbohnenmehl, Sorbinsäure , Amylase und Alkohol in deinem Brot, klingt das nicht appetitlich?

Das Ziel der industriellen Brotherstellung ist es nämlich, immer mehr echte Zutaten gegen billige Zusätze auszutauschen. Damit kann man ein Produkt herstellen, das wie Brot aussieht, schmeckt und riecht, aber schnell und billig herzustellen und auch noch lange haltbar ist.
Das Endergebnis ist ein billiges, fluffiges, brotähnliches Gebilde mit künstlichen Enzymen, Farbstoffen, damit es „gesund“ aussieht, Aromen für den Geschmack, Bindemitteln für die Konsistenz und noch ein paar Körnern für die Optik. Viel schneller hergestellt, billiger, ewig lange haltbar und die Menschen müssen mehr davon essen, weil es nicht satt macht und so wunderbar weich ist. Das ist für jeden Konzern, der jährlich mehr Umsatz machen möchte ein Gewinn (im wahrsten Sinne des Wortes).
#3: Ballaststoffgehalt
Wenn Brot gut für uns und vor allem unser Mikrobiom sein soll, braucht es Ballaststoffe. Sie sind die bevorzugte Nahrung für unsere Darmflora. Wir sind nur dann gesund, wenn unsere Bakterien im Darm glücklich sind. Ein gesundes Mikrobiom ist also keineswegs optionaler Luxus, sondern unbedingte Voraussetzung für körperliche und psychische Gesundheit. Unsere Bakterien ernähren sich von diesen Ballaststoffen und produzieren aus ihnen Chemikalien (z. B. kurzkettige Fettsäuren), die uns gesund erhalten, z. B. Immunsystem und Stoffwechsel [3].

Getreide oder Getreideschrot enthält natürlicherweise Ballaststoffe, solange sie nicht im Verarbeitungsprozess entfernt wurden. Mitunter werden diesen ballaststoffarmen Broten dann wieder künstlich irgendwelche Fasern hinzugefügt, um künstlich den Ballaststoffgehalt zu „schönen“. Gesundheit für uns und unser Mikrobiom ergibt sich aber nicht aus einzelnen Substanzen, die wie ein Baukasten genutzt werden, sondern aus der Komplexität ganzer, natürlicher Zutaten.
Ein typisches Toastbrot enthält Kohlenhydrate und Ballaststoffe etwa in einem Verhältnis von 15 : 1. Also 15 g Kohlenhydrate je Gramm Ballaststoffe. Da ist nicht viel Nahrung für unsere guten Bakterien enthalten. Die „bösen“ Bakterien gedeihen in dem Klima aber wunderbar, sie ernähren sich beispielsweise gern von Zucker. Ein normales Mischbrot ist mit einem Verhältnis von 8 : 1 zwar etwas besser, aber noch lange nicht gut.
#4: Blutzuckerwirkung
Das heutige Supermarktbrot ist in seiner Wirkung auf unseren Körper und Blutzucker mit einer zuckerhaltigen Limonade zu vergleichen [3]. Außen sieht es aus wie ein Brot, aber innen hält nicht das, was die sorgsam produzierte Optik verspricht. Über die bereits angesprochene Wirkung der Ballaststoffe auf die Darmflora hinaus, haben diese nämlich noch einen weiteren wichtigen Effekt: Sie verzögern die Wirkung der Kohlenhydrate, also die Geschwindigkeit des Anstiegs unseres Blutzuckers. Ein schnell ansteigender Blutzuckerspiegel ist aus verschiedenen Gründen nicht gut. Er überfordert den Körper mit der schieren Menge an Blutzucker umzugehen, kann die kleinen Gefäße schädigen und Gewebe verzuckern. Diese Folgen merken wir jedoch noch nicht so schnell. Was wir jedoch zeitnah merken, nachdem wir Industriebrot gegessen haben ist, Heißhunger und (oder) Appetit auf Süßigkeiten oder eben mehr von diesem Brot.

Ein hoher Blutzuckerspiegel nach dem Konsum von ballaststoffarmem Brot sorgt nämlich in absehbarer Zeit für einen stark abfallenden Blutzuckerspiegel. Was wir merken ist Schwäche, Müdigkeit, Probleme uns zu konzentrieren. Vielleicht fühlen wir uns auch zittrig und wir brauchen DRINGEND Energie, also Zucker oder Süßigkeiten. Aber eigentlich haben wir Energie genug, nur die Blutzuckerachterbahn gibt uns das Gefühl, dass es an Energie mangelt. Industriebrote sind häufige Ursachen für diese Blutzuckerentgleisung, schlimmer noch, wenn das Brot mit süßer Marmelade oder Orangensaft kombiniert wird. Was wir uns von einer Mahlzeit aber eigentlich wünschen ist, Energie zu haben, konzentriert und für einige Stunden auch satt zu sein. Pustekuchen, dafür sind die Billigbrote nicht gemacht.
Zuckerverträglichkeit
Im Prinzip hat jeder Mann und jede Frau mit einem „dicken Bauch“ (ausgenommen Schwangere) eine schlechtere Toleranz gegenüber vielen Kohlenhydraten in der Nahrung. Ja, das betrifft wirklich viele Menschen, wenn du dich einmal umschaust. Der Bauch zeigt an, dass der Körper es nicht schafft, den Zucker in der Nahrung zu nutzen, sondern als Fette speichert. Oftmals ist das leider auch mit einer Fettleber verbunden.
Aber auch Frauen ab Mitte 40, wenn die Wechseljahre sich langsam melden haben eine geringere Verträglichkeit für Zucker. Nach der gleichen Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel in dieser Zeit der hormonellen Veränderungen deutlich stärker an als vor den Wechseljahren. Die Ernährung clever anzupassen ist daher ein wichtiger Bestandteil einer gesunden zweiten Lebenshälfte. Mehr dazu lernst du in meinem Onlinekurs und Webinar.
#05: Gehalt an Gluten in Brot
Die Meinungen über Gluten gehen auseinander. Die einen sehen das Protein (= Gluten) aus Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen und anderen Getreideformen als eine Ursache für Schäden der Darmschleimhaut, die wiederum zu neuen Problemen führt. Andere sehen Glutenunverträglichkeiten (ausgenommen der schlimmen Form, der Zöliakie) eher als Symptom dafür, dass der Darm bereits angegriffen ist. So oder so ist unser Brot heute meistens Weizenbrot, das aus einer stark gezüchteten Weizensorte besteht, die mehr Stärke und mehr Gluten enthält, als das bestimmte Urgetreide tun.

Wer empfindlich auf Gluten reagiert oder bereits aus anderen Gründen eine angegriffene Darmschleimhaut hat (z. B. nach Antibiotika), kann mit zahlreichen Symptomen auf den Konsum von glutenhaltigem Brot reagieren. Nicht nur Bauchschmerzen und Blähungen können dazu gehören, sondern auch Kopfschmerzen, Migräne oder Hautprobleme. Die persönliche Reaktion auf Gluten zu beobachten sollte deine Aufgabe sein, wenn du den Verdacht hast, sensibel darauf zu reagieren. Schließlich ist Gluten in praktisch allen Backwaren, aber auch vielen verarbeiteten Produkten als „Kleber“ enthalten. Bei der Brotherstellung wird Gluten sogar oft erst entfernt und dann wieder hinzugefügt, um die Menge und damit das Endergebnis genau planen zu können: Ein festes, zähes, brotähnliches Gebilde, das immer exakt gleich ist [6]. Auch Saitan, oft genutzt als Fleischersatz, ist praktisch pures Gluten.
Traditionelle Herstellung reduziert den Glutengehalt
Während bei der traditionellen Brotherstellung Mehle und Hefe (oder Sauerteig) und Fette, Salz und Zucker im Gehprozess miteinander arbeiten und dabei Enzyme freigesetzt werden, die bspw. Gluten abbauen und das Getreide verträglicher machen, sieht das beim Massenbrot ganz anders aus. Hier muss es schnell gehen und mitunter wird Gluten extra noch hinzugefügt, um die Bindeeigenschaften zu verbessern.
Leider ist es ein bisschen kompliziert: Verträgst du Brot vom Biobäcker aber kein Supermarktbrot, muss das aber dennoch nicht am Gluten liegen, sondern kann auch eine Folge der zahlreichen Zusatzstoffe sein, die im billigen Brot enthalten sind. Aber dieser Test hilft dir schon einmal weiter, um in der Zukunft Brot zu vermeiden, dass dir Probleme bereitet.
#06 Vielfalt der Getreide
Die meisten Brot basieren heute einfach nur auf weißem Weizenmehl, Dinkel (weil es gesünder klingt) und einige auf Roggenmehl. Wir nutzen also von all der Getreidevielfalt, die uns die Natur zur Verfügung stellt, nur einen Bruchteil. Das geht auf Kosten unserer Gesundheit, denn wir brauchen eine Vielfalt von Zutaten. Jede Pflanze enthält ein individuelles Profil an Nährstoffen und Wirkstoffen, je mehr wir variieren, desto gesünder sind wir. Natürlich gilt das nicht ausschließlich für Getreide, sondern auch für Gemüse, Salate, Kräuter und Gewürze.

Wir könnten zum Backen eine unglaubliche Vielfalt an Getreiden nutzen, wie Einkorn, Khorasan (das hast du vermutlich noch nie gehört), schwarzer Emmer, Gelbmehlweizen, Rotkornweizen, Hafer, Gerste oder Waldstaudenroggen [4]. Sie sind deutlich reicher an verschiedenen wertvollen Nährstoffen, als der auf Ertrag, Stärkegehalt, Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Anspruchslosigkeit gezüchtete Weizen. Dieser wird mitunter sogar genmanipuliert, damit er das hochgiftige Glyphosat aushalten kann, das übrigens Gift für unsere Darmflora ist.
Totalherbizid Glyphosat
Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid und tötet jede grüne Pflanze auf dem Acker, außer dem genmanipulierten Saatgut, das dort wachsen soll. Das hat verheerende Folgen für die Umwelt, Insekten, Vögel, Fledermäuse aber auch für unsere Gesundheit. 2015 wurde dieses Gift durch die WHO als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft [5]. Es schädigt unser Nervensystem, kann vermutlich Parkinson begünstigen, das Hormonsystem schädigen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen [5]. Klingt nicht als sollten wir das in unserem Brot haben.

Bayer-Monsanto verdient mit Glyphosat weltweit fast 450 Millionen Dollar. Für 2030 wird ein weltweiter Umsatz von 10,6 MILLIARDEN US-Dollar prognostiziert [5]. In Deutschland wurden im Jahr 2021 allein 4.100 Tonnen dieses Gifts verkauft [5]. Daten, welche die „Ungefährlichkeit“ von Glyphosat bestätigen sollen, wurden – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – von Monsanto selbst (!) zur Verfügung gestellt. Lies nur einfach noch einmal die Zahl, des geplanten Umsatzes im Jahr 2030 und dann bilde dir deine eigene Meinung, ob es da nicht etwa einen Interessenskonflikt des Konzerns geben könnte…. Hier geht es um VIEL Geld für Monsanto und unsere Gesundheit (an der hat der Konzern aber kein Interesse)!
So kannst du gutes Brot erkennen
Ich hoffe, du bist beim Lesen jetzt noch nicht völlig verzweifelt, weil du schon überlegst, wie (oder ob) du ohne Brot überhaupt überleben könntest. Keine Sorge. Im folgenden Abschnitt zeige ich dir, welche Kriterien dir helfen, wirklich gutes und echtes Brot zu finden.

Brot-Tipp #1: Bio (Glyphosat vermeiden)
Eine der wichtigsten Entscheidungen, die du beim Kauf gleich zu Beginn treffen kannst ist es, dich für Bio-Brot zu entscheiden. Bei Bio-Produkten ist die Anwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden und der Einsatz genmanipulierter, glyphosat-resistenter Futtermittel verboten. Rückstände von Pestiziden können diese Produkte nur durch Kontamination aus der konventionellen Landwirtschaft enthalten und das ist – wenn überhaupt – deutlich weniger [5]. So hilfst du nicht nur, deine Gesundheit zu erhalten, sondern auch eine glyphosatfreie Umwelt zu gestalten.

Denk immer daran, die Nachfrage des Verbrauchers regelt letztendlich das Angebot. Wir können also sehr wohl dazu beitragen, dass wir nahrhafte Lebensmittel kaufen können und nicht bei hochverarbeiten Produkten, die aussehen die echte Lebensmittel, über den Tisch gezogen werden!
Übrigens: Bio-Sandwiches, die du fertig im Supermarktkühlschrank siehst, können durchaus hochverarbeitet sein und eine ellenlange Zutatenliste haben, egal, welche Gesundheitsversprechen auf der Packung zu lesen sind. Das Kriterium „bio“ ist also noch nicht ausreichend, um gutes Brot zu finden.
Brot-Tipp #2: Zutaten checken
Stell dir vor, du möchtest einen schönen Abend genießen und kaufst eine Flasche Wein. Du schaust auf das Etikett, die Sorte, die Herkunft etc., um den besten Wein für dich zu finden. Aber beim Brot ist dir das egal? Warum? Jetzt wird es Zeit für eine Veränderung deiner Einstellung. Brot sollte Nahrung sein und dabei solltest du mindestens so viel Energie bei der Auswahl aufbringen, wie für die Wahl eines guten Weines.
Beginne ab sofort die Zutaten des Brotes zu lesen, das du kaufst. Das ist anfangs etwas aufwändiger als irgendein Brot in den Korb zu werfen, aber nach einiger Zeit hast du Erfahrung gesammelt und kannst zielsicher nach „deinem“ Brot greifen. Achte dabei darauf, dass alle (!) Zutaten des Brotes aus deiner Küche stammen könnten. Denk an deinen Schrank mit den Backzutaten und wenn du keine Sorbinsäure oder den Säureregulator Natriumacetate in deinem Schrank hast, gehört das auch nicht in ein Brot hinein. Je kürzer die Zutatenliste ist, umso besser. Kräuter, Milch, Quark oder andere Lebensmittel dürfen natürlich enthalten sein.

Wenn du dein Brot beim Bäcker kaufst, kannst du ja auch mal nach den Zutaten fragen, meistens gibt es einsehbare Listen für die verschiedenen Brotsorten. Bäckerbrote haben den Vorteil, nicht in Plastik verpackt zu sein.
Brot-Tipp #3: Vollkorn
Auch ein Brot mit relativ wenigen Zutaten und Bio Zutaten kann für einen Blutzuckeranstieg sorgen, der mit dem Konsum von Limonade oder Süßigkeiten vergleichbar ist. Das lässt dich nach kurzer Zeit wieder hungrig, erschöpft und unruhig werden, auf der Suche nach einem Snack.
Der Geheimtipp ist hier: Vollkorn. Je grober das Vollkorn gemahlen ist, desto langsamer gehen die Kohlenhydrate ins Blut über. Ein Brot aus Vollkornschrot ist also besser für den Blutzuckerspiegel als eines aus extra fein gemahlenem Vollkornmehl. Auch der Zusatz von Saaten, wie Sonnenblumenkernen und Leinsamen oder Nüssen verlangsamt den Blutzuckeranstieg nach dem Essen, weil sie reichlich Fett und Ballaststoffe, aber auch Eiweiß enthalten.

In Deutschland darf übrigens nur Vollkorn auf einem Produkt stehen, das tatsächlich mindestens 90% Vollkorn enthält. In anderen Ländern sind die Regeln weit weniger strickt, da wird „Vollkorn“ auch schon mal vorgetäuscht.
Brot-Tipp #4: Ballaststoffgehalt
Wenn dein Brot gut sättigen, Heißhunger vermeiden und deine Darmbakterien glücklich machen soll, dann sollte es einen hohen Anteil an Ballaststoffen haben. Mit Vollkorngetreide und Getreideschrot als Hauptzutat geht meistens auch ein höherer Ballaststoffgehalt einher. Wenn dein Brot eine Zutatenliste hat, sollte nicht mehr als 4-5x so viele Kohlenhydrate wie Ballaststoffe haben [3]. Schau also auf den Kohlenhydratgehalt und teile ihn mit deinem Taschenrechner (hast du auch auf dem Handy) durch den Ballaststoffgehalt. Wenn dein Brot also 72 g Kohlenhydrate enthält und 6,4 g Ballaststoffe ist das 72 geteilt durch 6,4 = 11,25. Also zu viele Kohlenhydrate im Verhältnis zu den Ballaststoffen (Bsp. Roggenmisch-Schüttelbrot von Norma). Das sättigt nicht gut und du hast schnell wieder Heißhunger nach dem Essen, deine Darmbakterien müssen aber leider hungern und sind damit gar nicht zufrieden.

Wenn dein Bio-Sonnenblumenkernbrot (z. B. von Mestemacher) aber 33g Kohlenhydrate und 9,8 g Ballaststoffe (je 100g) enthält, ahnst du schon, dass die Berechnung günstiger ausfallen wird. 33 : 9,8 = 3,4. Dann wirf eben noch einen Blick auf die Zutatenliste. In diesem Fall siehst du dort: Getreide** [Roggenvollkornschrot**, Roggenvollkornmehl**], Wasser, Sonnenblumenkerne** (5 %), Meersalz, Hefe.
Was sagt dein Kennerblick? Gute und echte Zutaten! Das einzige Manko: Es ist in Plastik verpackt. Ein vergleichbares Produkt (aber leider auch in Plastik verpackt) ist „das Pure“ von Aldi Süd. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies nur für einen geringen Blutzuckeranstieg sorgt.
Brot-Tipp #5: Vielfalt der Getreide
Es ist gar nicht so einfach, Brot mit verschiedenen Getreidesorten zu kaufen, ist doch das „gemeine“ Weizenbrot absolut dominant im Brotregal. Aber wenn du weißt, dass Abwechslung gut für dich ist, kannst du auch beim Bio-Bäcker mal nach Alternativen fragen oder Brote bevorzugen, die mehrere verschiedene Getreidesorten enthalten. Vielleicht motiviert dich das Ganze ja aber auch dazu, mal selbst Brot zu backen. Das ist gar nicht so schwierig, wie es klingt.
Brot-Tipp #6: Selbst backen
Wenn du selbst backen möchtest, kannst du natürlich ganz traditionell mit reinen Zutaten beginnen und Rezepte suchen, die nicht so kompliziert sind. Aber es gibt inzwischen auch Backmischungen, die ohne nennenswerte Zusatzstoffe auskommen. Darauf solltest du immer einen Blick werfen, um sicher zu gehen.

Ich habe beispielsweise ein Probierset für Urkornbrote (Backmischungen) gefunden, das vielleicht einen Versuch wert sein könnte (ich habe es aber noch nicht probiert und keinerlei Verbindung zu dieser Firma!). Hier bekommst du 10 verschiedene Packungen von Brotbackmischungen (je 350g, also ein recht kleines Brot) bei den Urkornpuristen.de.
Hier habe ich beispielsweise ein relativ simples Rezept für ein Vollkornbrot gefunden: familienkost.de.
Ich bin mir sicher, ihr habt auch noch Rezepte oder Quellen für gute Rezepte, die ihr in den Kommentaren mit anderen Lesern teilen könnt.
Viel Spaß beim Brot kaufen und auch Brot selbst backen! 😉
Zum Weiterlesen über Ernährung:
Ressourcen & Quellen:
- [1] https://education.nationalgeographic.org/resource/development-agriculture/
- [2] https://www.brotinstitut.de/brotkultur
- [3] https://zoe.com/learn/podcast-can-bread-be-healthy
- [4] https://urkornpuristen.de/produkt-kategorie/mehl-getreide/
- [5] https://umweltinstitut.org/landwirtschaft/glyphosat/
- [6] https://youtu.be/aIrvjvcjY7E?si=usAgOEHtzEyWVcQc
Liebe Magdalena, herzlichen Dank für deine wertvollen Beiträge zum Thema Gesunde Ernährung. Ich lebe seit 5 Jahren in Ungarn und habe hier gelernt, aus selbst gemahlenem Getreide und eigenem Sauerteig leckeres Brot zu backen. Auch glutenfrei aus Buchweizen aber bei diesen Broten haben wir eh keine Probleme mit dem Darm. Ich stelle gerne ein Rezept für ein tolles Brot ein. Wenn du noch weitere Rezepte haben möchtest, schreib mich gerne an. Liebe Grüße Sandra
https://www.backenmachtgluecklich.de/rezepte/sauerteigbrot-mit-haferflocken-haferbrot.html#wprm-recipe-container-454147
Hallo Sandra, schön so wieder von Dir zu hören. Ja immer her mit tollen Rezepten aus guten Zutaten. Vielen lieben Dank. Ich denke, da freuen sich die anderen Leser und Leserinnen! <3