Herzinfarkt? Herzkrankheiten? Das bekommen doch nur Männer! Leider falsch gedacht, das ist ein alter Mythos, der sich tapfer hält. Schlimmer noch: Ab einem bestimmten Alter haben Frauen nicht nur genau so häufig Herzinfarkte wie Männer, sondern sie haben schlechtere Überlebenschancen. Woran das liegt und warum das Wissen darum vielleicht sogar Leben retten kann, darum geht es heute.
Herzgesundheit ist auch ein Frauenthema
Herzinfarkte halten wir für „typisch männlich“. Das ist – bis zum Alter der Menopause bei Frauen – auch weitgehend richtig, aber dann holen Frauen leider auf. Im jüngeren Alter sind also mehr Männer betroffen, Frauen bekommen Herzerkrankungen im Schnitt 10 Jahre später als Männer [1].
Bis zur Menopause sind Frauen durch das Hormon Östrogen gut geschützt. Es hält die Blutgefäße weich, elastisch und wirkt antientzündlich. Mit der Menopause, wenn also die Eierstöcke in den (verdienten) Ruhestand gehen, verabschiedet sich auch Östrogen (spezifischer: Östradiol) von der Bildfläche und mit ihm all die wunderbaren regulierenden Eigenschaften im weiblichen Körper. Ja, richtig gelesen. Östrogen macht weit mehr als die Grundlagen für Zyklus und Schwangerschaft zu legen. Das Hormon ist praktisch an allen Prozessen im Körper in irgendeiner Form regulierend beteiligt.

Fehlt dieser „Master Regulator“ nach dem Erreichen der Menopause, steigt für jede Frau die Notwendigkeit, das Thema Herzgesundheit wirklich ernst zu nehmen und ganz oben auf die Agenda zu setzen. Das ist, statistisch gesehen ab einem Alter von 51-52 Jahren der Fall. Im Jahr 2021 sind beispielsweise mehr Frauen als Männer an Herz-Kreislauferkrankungen verstorben (53% vs. 47%) auch, wenn die öffentliche Wahrnehmung dies anders erwartet [2,17]. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sterblichkeit von Frauen im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt 1,5 mal so hoch ist, wie bei Männern [3]. Auf einige Ursachen davon werden wir hier noch eingehen.
Was ist ein Herzinfarkt?
Wir alle haben schon vom Herzinfarkt gehört oder kennen sogar jemanden in unserem Umfeld, der ihn erlebt hat, mit mehr oder weniger schwerwiegenden Folgen. Aber weißt du genau, was passiert, wenn man einen Herzinfarkt hat?

Unser Herz ist auf Blutversorgung durch die so genannten Herzkranzgefäße angewiesen. Diese Arterien liefern sauerstoffreiches Blut. Sind diese Gefäße stark verengt oder verschlossen, bspw. durch Ablagerungen in den Gefäßwänden oder ein Blutgerinnsel, kommt es zu einem Herzinfarkt [3]. Dieser Mangel oder die komplett fehlende Durchblutung in bestimmten Bereichen des Herzens, schädigen das Herz, das ja ein Muskel ist [4]. Genauer: Der Mangel an Blutfluss sorgt dafür, dass Teile des Herzgewebes absterben, wenn die Durchblutung nicht schnell genug wieder hergestellt werden kann [4].
Wie entsteht ein Herzinfarkt?
Die meisten Herzinfarkte werden durch kardiovaskuläre Erkrankungen hervorgerufen. Sie sind ein schleichender Prozess über viele Jahre, der lange unbemerkt bleiben kann. Etwa 5 Millionen Menschen leiden, laut der Deutschen Herzstiftung, unter einer koronaren Herzkrankheit [14]. Sie entsteht durch kalk- und fetthaltige Ablagerungen in den Gefäßen (= Arteriosklerose), die Blutgerinnsel wahrscheinlicher machen [5,6,14].
Herzinfarkte stehen aber auch im Zusammenhang mit einer Schädigung der Arterien (die das sauerstoffreiche Blut transportieren) anderer Organe, wie Nieren, Gehirn oder Augen [6]. Oft sind es genau diese Zusammenhänge, die uns nicht bekannt sind. Aber wenn wir genauer darüber nachdenken, ist es nicht unlogisch, denn die Blutversorgung betrifft natürlich alle Organe. Schädigungen dieser Organe wirken auch zurück auf das Herz.

Auf jeden Fall zählt bei einem Herzinfarkt jede Minute! Aber wie erkennt man das eigentlich, ob jemand einen Herzinfarkt hat? War das nicht das Hauptsymptom „Brustschmerzen“ auf das man achten muss? Antwort: Jein.
Ein „atypischer“ Herzinfarkt?
Denn da gibt es einen Haken. Die Anzeichen eines Herzinfarktes, die wir und auch viele Mediziner kennen, sind in Wirklichkeit die eines typisch männlichen Herzinfarktes, wie z. B. Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen. Weibliche Herzinfarkte können sich komplett anders äußern.
Das Merkwürdige daran: Obwohl Frauen ca. 50% der Bevölkerung ausmachen, werden ihre Herzinfarktsymptome häufig noch immer als „atypisch“ bezeichnet und sind oft nicht bekannt. Hinzu kommt, dass aus diesem Grund Frauen (und ihre Partner) selbst nicht erkennen, wenn sich Warnzeichen für einen Herzinfarkt äußern und sich seltener um Hilfe bemühen [7,18]. Schau mal auf das folgende Bild – das findet man bei der Bildersuche „Herzinfarkt Frau“ – und wie du bald lernen wirst, ist genau das, die Brustschmerzen, eher nicht typisch, wenn Frauen einen Herzinfarkt erleiden.

Ausbildung der Mediziner*innen
Auch ältere Mediziner haben in ihrem Studium oft nicht gelernt, dass sich Symptome von Erkrankungen zwischen den Geschlechtern unterscheiden können. Etwa die Hälfte der Mediziner und Medizinerinnen über 60 gab an, gar nicht mit diesem Thema im Rahmen der Ausbildung in Berührung gekommen zu sein [16]. „Die Mehrheit der Befragten konnte zudem nicht ausschließen, selbst schon mal eine falsche Diagnose aufgrund geschlechterspezifischer Unterschiede gestellt zu haben“ schreibt das Ärzteblatt [16]. Was natürlich nicht heißt, dass sich diese Mediziner nicht weitergebildet haben. Was ich damit aber sagen möchte ist, dass dieses Bewusstsein dafür noch relativ jung ist.
Diagnostik
Auch ein im Krankenhaus eingesetzter Test, der so genannte Troponin-Test [8], „übersieht“ bei Frauen deutlich häufiger einen Herzinfarkt, wenn der gleiche Grenzwert für Männer und Frauen angesetzt wird [8]. Troponin ist ein Eiweiß, das bei Herzmuskelschädigung freigesetzt wird (spezifischer: Herz-Troponin-Untereinheiten cTnT und cTnI), bei Frauen jedoch in geringerem Maße [9]. Bei einem Test an 10 Krankenhäusern in Schottland, wurden für Frauen niedrigere Grenzwerte getestet und daraufhin stieg die Anzahl der Frauen mit korrekt erkanntem Herzinfarkt um 42% [8]. Das heißt, sowohl die Symptome (Übersicht folgt) als auch diagnostische Tests müssen offenbar unterschiedlich gehandhabt werden.
Männlicher vs. weiblicher Herzinfarkt
Im Folgenden möchte ich die typischen Warnzeichen eines männlichen Herzinfarktes denen eines weiblichen gegenüberstellen. In jedem Falle: hier zählt jede Minute. Lieber den Notarzt gerufen und es war kein Herzinfarkt, als abgewartet, weil man den Herzinfarkt nicht erkannt oder unterschätzt hat. Eine Fehlentscheidung kann dabei lebensbedrohlich sein!
TIPP: Immer dann den Notarzt rufen, wenn die Beschwerden so heftig auftreten, wie man es noch nicht erlebt hat [10].
Anzeichen eines männlichen und weiblichen Herzinfarktes
Typisch männlicher Herzinfarkt [12,10]
- plötzliche starke Schmerzen in der Brust (vorderer linker Brustbereich oder hinter dem Brustbein)
- Schmerzen oft in Ruhe, am Morgen oder im Schlaf
- drückender, stechender oder brennender Schmerz
- Druck auf den Brustkorb als würd ein Elefant auf dem Brustkorb stehen
- Schmerzen dauern mindestens 5 Minuten
- Ausstrahlung der Schmerzen in den linken Arm
- Angstgefühle, Panikattacke bis hin zu Todesangst, oft in Kombination mit kaltem Schweiß, fahler Gesichtsfarbe und kalter Haut
- Schluckauf (kein alleiniges Kriterium)
- Atemnot, Schwindelgefühl, Bewusstlosigkeit
- Schmerzen im Oberbauch, Rücken oder Kiefer
- Blutdruck- und Pulsabfall
Typisch weiblicher Herzinfarkt [11,12,13]
- Schmerzen im Oberbauch (wird oft mit Magenschmerzen verwechselt)
- Druck- und Engegefühl in der Brust
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Kurzatmigkeit
- extreme Müdigkeit & Erschöpfung (ohne erkennbaren Grund)
- Rücken-, Nacken-, Kiefer- oder Halsschmerzen
- Schweißausbrüche
- Brustschmerzen sind möglich
Wichtig: Oft kündigen sich Anzeichen schon Tage vorher an. Wir merken, dass irgendetwas „komisch“ ist. Im Akutfall werden dann Schmerzen oder Übelkeit sehr stark. Frauen selbst, aber auch medizinisches Fachpersonal, interpretieren die Anzeichen nur leider häufiger als Infekt oder Grippe. Auf diese Weise werden Herzinfarkte bei Frauen oft deutlich später behandelt, können damit mehr Schaden anrichten oder sogar zum Tode führen.
Tipp: Vielleicht machst du dir ein Foto von diesen typischen Symptomen, um sie im Zweifelsfall schnell zur Hand zu haben. Oft ist unser Gehirn ja so gepolt, dass es sich nur merkt, dass da bei Frauen irgendetwas „anders“ war, die Details im Notfall aber eher nicht erinnert werden.
Bitte liebe Männer, beschäftigt euch auch mit diesen Symptomen, die eure Partnerin, Kollegin, Mutter oder Schwester betreffen können. Nicht immer wissen Ärzte oder Notfallmediziner ausreichend Bescheid, um bei Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch bei einer Frau einen Herzinfarkt in Betracht zu ziehen oder gezielt auszuschließen. Sich darauf zu verlassen, kann riskant sein.
Behandlung eines Herzinfarktes
Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die medizinischen Belege dafür, wie kardiovaskuläre Erkrankungen behandelt werden sollten hauptsächlich aus Untersuchungen stammen, aus denen Frauen ausgeschlossen waren. Dieses Gesetz wurde erst 1993 in den USA verändert. Auch Bluthochdruck – ein zentraler Risikofaktor – wird, basierend auf männlichen Daten behandelt [7]. In meinem nächsten Artikel „Frauengesundheit neu denken“ werde ich etwas genauer darauf eingehen, dass sich bspw. auch die Wirkung von Medikamenten zwischen Männern und Frauen unterscheiden kann.

Die Folge dieser an Männern gewonnenen Ergebnisse ist, dass beide Geschlechter nach einem Herzinfarkt weitgehend gleich behandelt werden und die gleiche Dosis von Medikamenten erhalten, was für Frauen oft eine Überdosierung bedeutet (und die damit einhergehenden Nebenwirkungen). Denn auch die Dosierungsempfehlungen in den Leitlinien orientieren sich in der Regel an Männern [18]. Häufig reichen bei Frauen 40% der Dosis, um den gleichen Effekt zu erzielen [18]. Was jedoch nicht heißt, dass du als Leserin, die Dosis deiner Medikamente eigenständig reduzieren solltest! Besprich aber gern mit deinem Arzt oder deiner Ärztin das Thema geschlechtersensible Medizin und deine aktuelle Medikamentendosierung.
Fokus Herzgesundheit – was du selbst tun kannst
Lange gesund zu bleiben, ist in weiten Teilen kein Zufall. Wenn Herzerkrankungen „in der Familie“ liegen, ist auch das eben kein unausweichliches Schicksal, das wir passiv und ängstlich erwarten sollten. Auch, wenn du bereits einen Herzinfarkt überlebt hast und vielleicht Blutdrucksenker und Blutverdünner nimmst und einen Stent bekommen hast, ist aber noch nicht alles gut. Viel zu oft erlebe ich in diesem Zusammenhang eine scheinbare Sorglosigkeit, die mich erschreckt. Als wären mit einem Stent oder Medikamenten alle weiterhin bestehenden Risikofaktoren (z. B. Ablagerungen oder Gefäßverengungen) nicht mehr relevant. Wir kreieren mit unserem Lebensstil fortlaufend die Entscheidungen, die unserem Herz-Kreislaufsystem helfen können gesund zu bleiben, oder die weiteren Schaden anrichten. Das gilt auch mit Stent und Blutverdünnern!
Abschließen möchte ich mit 4 Tipps, die sich auf die zentralen Risikofaktoren für einen Herzinfarkt beziehen. Diese Risikofaktoren aufzulisten finde ich für dich aber weniger hilfreich als konkrete Tipps anzubieten, wie du dein Herz-Kreislaufsystem lange gesund erhalten kannst.
Tipp 1: Bluthochdruck einstellen lassen (oder vermeiden)
Wusstest du, das der größte Risikofaktor für einen Herzinfarkt Bluthochdruck ist? 36% aller weiblichen Herzinfarkte könnten vermieden werden, wenn Frauen keinen Bluthochdruck hätten oder er medikamentös gut eingestellt wäre [17]. Im jüngeren Alter leiden weniger Frauen an Bluthochdruck. Aber im ersten Jahr nach der Menopause entwickelt die Hälfte aller Frauen einen zu hohen Blutdruck [19]. Auch hier ist das fehlende Östrogen (Östradiol) eine zentrale Ursache, denn dessen Abwesenheit macht die Gefäße weniger elastisch und fördert entzündliche Prozesse.
Möchtest du mehr darüber lernen, wie du die Wechseljahre gut meistern kannst und trotz einiger neuer Risiken nach der Menopause lange gesund bleiben kannst, dann bist du in meinem Onlinekurs herzlich willkommen. Er startet wieder am 09.09.2025. Online. Live. Professionell & Herzlich! 🙂
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Das Tückische am Bluthochdruck: Er tut nicht weh und entwickelt sich schleichend. Meistens merken wir nichts davon, wenn der Blutdruck erhöht ist, es sei denn er ist akut sehr hoch. Dann haben wir vielleicht Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schwindel oder plötzlich Nasenbluten [26]. Vor allem, wenn du als Frau in der Menopause bist, aber auch wenn du viel Stress hast, dich wenig bewegst oder übergewichtig bist und Bluthochdruck in deiner Familie häufig ist, lass deinen Blutdruck checken. Dieser sollte im optimalen Bereich um 120/70mmHg liegen.
Medikamente sind keine Entscheidung für immer
Diesen optimalen Blutdruck sollte man – unter ärztlicher Aufsicht – zunächst vielleicht mit Medikamenten anstreben, während man seinen Lebensstil optimiert. Medikamente sind keine Entscheidung für immer, können aber dein Leben retten. Wenn der Blutdruck sich durch unterstützende Verhaltensweisen (siehe folgende Tipps) reduziert, können Medikamente, in Absprache mit deinem Arzt/Ärztin abgesetzt oder ausgeschlichen werden. Einen hohen Blutdruck unbehandelt zu lassen ist gefährlich, denn er schädigt die Gefäßwände und steigert das Risiko, dass sich Ablagerungen lösen (die wir praktisch alle haben), die dann einen Gefäßverschluss und Herzinfarkt (oder Schlaganfall) verursachen können [25].
Blutdruck messen ist nicht ganz einfach. Um es richtig zu machen und keine falschen Werte zu erhalten, müssen einige Rahmenbedingungen stimmen. Hier findest du hilfreiche Tipps rund um das Thema richtig Blutdruck messen [18]:
Tipp 2: Zuckerstoffwechsel verbessern
Wenn der Zuckerstoffwechsel aus den Fugen gerät, steigt das Risiko für einen Herzinfarkt. Ganz speziell Diabetes Typ 2 (schwere Zuckerstoffwechselstörung) sorgt für Entzündungen in den Blutgefäßen und fördert Ablagerungen, die zum Verschluss von Gefäßen führen können [20]. Diabetes entsteht aber nicht plötzlich, sondern ist das Ergebnis von 10-15 Jahren zunehmender Fehlregulierung des Zuckerstoffwechsels. Genau in dieser Zeit können wir viel selbst tun, anstatt abzuwarten. Bei praktisch allen chronischen Erkrankungen ist es leichter, sie zu verhindern als später wieder rückgängig zu machen. Die wichtigsten 4 Aspekte, um einen gesunden Zuckerstoffwechsel zu erhalten?
- Zuckerfreie Getränke und Wasser bevorzugen
- Überwiegend echte Nahrungsmittel essen (hochverarbeitete Produkte vermeiden)
- Regelmäßige körperliche Bewegung im Alltag (mit oder ohne Training) (siehe auch Tipp 4)
- Hunger- und Sättigung berücksichtigen lernen
Mir ist klar, dass das alles leichter gesagt als getan ist. Wenn du in einen oder mehrere der Aspekte tiefer einsteigen möchtest, verlinke ich dir hier einige Artikel auf meiner Seite, wo es mehr Informationen und zahlreiche konkrete Tipps gibt.
Tipp 3: Weg mit der „Fluppe“
Rauchen ist einer der größten und vermeidbaren Risikofaktoren für einen Herzinfarkt [17]. Es steigert, bei Frauen über 55 Jahre, das Risiko für einen Herzinfarkt um das 7-fache (das entspricht 700 Prozent!) [17]. Dieser Zusammenhang ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern, Rauchen ist für Frauen also noch gefährlicher. „Hört eine Frau mit dem Rauchen auf, so ist schon nach einem Jahr das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall halbiert“ [21]. Nach 10-15 Jahren ist das Risiko vergleichbar mit dem einer Nichtraucherin [17].
Darüber hinaus gibt es viele gute Gründe mit dem Rauchen aufzuhören, das Herzinfarktrisiko ist nur einer davon. Wusstest du, dass Rauchen dein Krebsrisiko um das bis zu 20-fache erhöht? Kein Scherz [22]!

Rauchstopp ist nicht einfach, aber es gibt verschiedene Programme von Krankenkassen, Hypnose, Nikotinpflaster, Bücher (z. B. Allan Carr „Endlich Nichtraucher“) etc., die dich dabei unterstützen können. ABER: Die Motivation muss von dir selbst kommen, weil es dir wichtig ist, endlich Nichtraucher zu sein (oder eine andere wirkungsvolle Motivation, die zu dir passt)!
Tipp 4: Beweg dich!
Bewegung ist fast ein Wundermittel, kann es doch so viele Rahmenbedingungen für Herzgesundheit positiv beeinflussen. Regelmäßige Bewegung kann den Blutdruck und Blutzuckerspiegel senken, den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen und damit das Risiko für einen Herzinfarkt reduzieren [27]. Selbst in Kombination mit einer medikamentösen Therapie können Bewegung und Sport unterstützend wirken.

In einer Untersuchung (publiziert in JAMA 2019) an fast 6000 älteren Frauen (mittleres Alter 78,5 Jahre) wurden bei den Frauen mit der höchsten körperlichen Aktivität* (mehr als 5,6 Stunden täglich) 42% weniger Herzinfarkte verzeichnet als in der Gruppe mit der geringsten körperlichen Aktivität* (weniger als 3,9 Stunden täglich) [23]. *Wichtig zu wissen, dass bei der hier gezählten leichten körperlichen Aktivität nicht etwa Sport gemeint ist, sondern leichte, alltägliche körperliche Betätigungen, wie z. B. herumlaufen, zum Briefkasten gehen, sich anziehen, spülen, einkaufen gehen etc. [24]. Das ist schon eine „niedrig hängende Frucht“ in der Vorbeugung von kardiovaskulären Erkrankungen und Herzinfarkt: mehr Zeit in Bewegung verbringen als bisher! Das ist für jeden machbar, egal wie viel du dich bisher im Alltag bewegst.
Um noch etwas konkreter zu werden: 30 min Sitzen durch leichte oder moderate Bewegung zu ersetzten reduzierte in einer Studie für einige Menschen das Herzinfarktrisiko um 50-60% [29,30]. Interessanterweise sind das Menschen gewesen, die vorher bereits akute Symptome einer Herzerkrankung hatten und aus diesem Grund im Krankenhaus vorstellig geworden waren. Es ist also nie zu spät!
Wenn es für dich erlaubt und machbar ist, sind moderate (oder auch hohe) Belastungen im Rahmen von Ausdauersportarten für deine Herzgesundheit ganz besonders hilfreich. Sie können einen ersten oder auch einen weiteren Herzinfarkt vermeiden helfen [28]. Zu diesen Ausdauersportarten zählen bspw. Radfahren, schnelles Gehen, Schwimmen, Joggen oder auch die Nutzung eines Crosstrainers im Fitnessstudio.
Fazit: Herzinfarkt ist nicht „unisex“
Dieser Artikel soll Bewusstsein für das Thema „geschlechtersensible Medizin“ schaffen und zwar heute konkret am Beispiel eines Herzinfarktes. Gehen wir nur von typischen Symptomen aus, bleiben Herzinfarkte bei Frauen oft unerkannt. Sie werden später behandelt und sterben häufiger daran. Das sollte im Jahr 2025 mit allen Fortschritten, die wir in der Medizin verzeichnen können, nicht hingenommen werden. Das Wissen darum zu verbreiten, kann wirklich lebensrettend sein!
Von geschlechtersensibler Medizin profitieren allerdings keineswegs nur Frauen. Auch Männer und Menschen mit dem Eintrag divers haben, was die Prävention, Erkennung und Therapie von Krankheiten angeht, einen Nutzen davon, wenn Unterschiede bekannt sind und berücksichtigt werden. Beispielsweise gelten Depressionen bisher als typisch weibliche Krankheit und es ist oft auch unbekannt, dass Männer Osteoporose und Brustkrebs bekommen können [16]. In diesen Fällen ist es hilfreich, wenn dieses Wissen sich mehr verbreitet und in diesen Bereichen spezifischer geforscht wird. Insgesamt scheinen also deutlich mehr Faktoren eine Rolle für das Risiko und der Verlauf von Erkrankungen zu spielen als man bisher angenommen hat [15].
Quellen & Ressourcen:
- [1] https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/vorsorge/risikofaktoren/herzkrankheiten-risiko-maenner-frauen.html
- [2] https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/wissen/fragen-zum-herzen/herzgesundheit-das-unterscheidet-frauen-und-maenner.html
- [3] https://dzhk.de/erkrankungen/ueberblick/herzinfarkt
- [4] https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/heart-attack/symptoms-causes/syc-20373106
- [5] https://www.nhlbi.nih.gov/health/heart-attack
- [6] https://www.nhs.uk/conditions/cardiovascular-disease/
- [7] https://jheor.org/post/2779-women-are-at-a-higher-risk-of-dying-from-heart-disease-in-part-because-doctors-don-t-take-major-sex-and-gender-differences-into-accoun (2024)
- [8] https://edinburgh-friends.ed.ac.uk/supplements/the-heart-attack-gender-gap (2023)
- [9] https://www.netdoktor.de/laborwerte/troponin/
- [10] https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinfarkt/anzeichen/herzinfarkt-maenner-symptome
- [11] https://www.netdoktor.de/bildergalerie/herzinfarkt-warnzeichen-bei-frauen/
- [12] https://www.netdoktor.de/krankheiten/herzinfarkt/symptome/
- [13] https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/wissen/fragen-zum-herzen/weiblicher-herzinfarkt-die-symptome-bei-frauen.html
- [14] https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinfarkt/ursachen
- [15] https://www.ukr.de/newsroom/detail/geschlechtersensible-medizin-am-beispiel-herzinfarkt-und-metabolisches-syndrom
- [16] https://www.aerzteblatt.de/archiv/gender-health-gap-juengere-wissen-eher-bescheid-c8267277-c771-4454-bf00-4242f8e13d5a
- [17] https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/cir.0000000000000351?
- [18] https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/blutdruck-messen
- [19] https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/frauen-bluthochdruck
- [20] https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/diabetes
- [21] https://mffki.rlp.de/themen/frauen/frauen-und-gesundheit/herzinfarkt-und-schlaganfall-bei-frauen/risikofaktoren
- [22] https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/FzR/FzR_2008_Durch-Rauchen-und-Passivrauchen-verursachte-Krebserkrankungen.pdf?
- [23] https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2727997?
- [24] https://time.com/5550764/light-exercise-heart-health/
- [25] https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/welthypertonietag-2025
- [26] https://www.dhzc.charite.de/ratgeber/bluthochdruck/
- [27] https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/bewegung-blutdruck-senken
- [28] https://www.nhlbi.nih.gov/health/heart/physical-activity/benefits
- [29] https://www.prevention.com/health/a64889455/exercise-reduce-recurring-heart-attack-risk-study/
- [30] https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCOUTCOMES.124.011644 (2025)
5 Gedanken zu „Herzinfarkt bei Frauen: Mythen und Fakten“