Frauengesundheit neu denken: Schluss mit der Einheitsmedizin.

Warum Frauengesundheit überhaupt ein Thema ist und was es mit dem Begriff „Bikini-Medizin“ auf sich hat, möchte ich im heutigen Artikel vorstellen. Wusstest du, das fast alles, was wir über Gesundheit wissen, aus Studien stammt, die praktisch ausschließlich an Männern durchgeführt wurden? Wenn dir das neu ist, musst du unbedingt weiterlesen, denn die Erkenntnisse sind weit mehr als nur überraschend.

Frauengesundheit – ein „neues“ Thema

Bis vor wenigen Jahren ging man völlig unhinterfragt davon aus, dass Männer und Frauen zwar ein bisschen „anders“ aussehen, sich sonst aber nicht weiter unterscheiden. Männer sind z. B. meistens etwas größer, schwerer und haben mehr Muskeln, Frauen sind kleiner und haben einen höheren Körperfettanteil. Natürlich, Frauen können schwanger werden, bringen Kinder zur Welt und sie haben verschiedene „sichtbare Kurven“. Aber dort glaubte man, hören die Unterschiede auch schon auf. Dieser Denkfehler hat zahlreiche, sogar lebensbedrohliche Konsequenzen, wie sich in den letzten Jahren zeigt. Medizinisch betrachtet hat der vermeintlich „kleine Unterschied“ zwischen den Geschlechtern große Folgen und genau darum soll es heute gehen [11].


Einen dieser Unterschiede, habe ich bereits im letzten Beitrag auf dieser Seite ausführlicher behandelt und zwar ging es dabei um den weiblichen Herzinfarkt. Das sollte nicht nur die Frauen selbst, sondern auch die Männer wissen. Es kann Leben retten! Hier geht es direkt zu diesem Beitrag:


Benachteiligung von Frauen in der Medizin („Gender Health Gap“)

Wusstest du, dass ca. 700 Erkrankungen bei Frauen später diagnostiziert werden als bei Männern [2]? Eine Ursache dafür ist, dass oft noch nicht weithin bekannt ist, dass bestimmte Erkrankungen sich bei Frauen anders äußern als bei Männern, aber auch Vorurteile spielen dabei eine Rolle [3].

Genau aus dieser „Denke“ resultiert der Begriff „Bikini Medizin“, der von der Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi wieder populär gemacht wurde [1]. Damit ist gemeint, dass in der Medizin lange angenommen wurde, Frauen würden sich nur in den Bereichen des Körpers unterscheiden, die vom Bikini bedeckt sind. Deswegen gibt es Gynäkologie und Brustkrebsvorsorge, aber eben auch „Hygieneprodukte“, Büstenhalter und Bikinioberteile. 😀

Der Begriff Bikini-Medizin nimmt die traditionelle Sichtweise von Frauengesundheit aufs Korn.
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Erst in den letzten Jahren entwickelt sich langsam ein Bewusstsein dafür, dass die Unterschiede weit über die vom Bikini bedeckten Körperteile hinausgehen. Weil das aber eine so junge Entwicklung ist, gibt es große Wissenslücken zu füllen. Dabei geht es um die Vermeidung von Krankheiten (Prävention), die Dosierung von Medikamenten, die Symptome von Erkrankungen, typische Verletzungen und Empfehlungen für Ernährung, Training und andere Lebensbereiche, die berücksichtigen, dass Gesundheit für Frauen oftmals anders funktioniert als für Männer.

Ein Artikel von 2021 beschreibt das besonder pointiert [6]: Unsere Zellen sind von Natur aus mit Geschlechtsunterschieden ausgestattet, die nicht ignoriert werden können. Der Satz „Jede Zelle hat ein Geschlecht“ bringt auf den Punkt, wie grundlegend sich Männer und Frauen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit unterscheiden.


Lieber männlicher Leser: Keine Sorge, du kommst in der Medizin nicht zu kurz. Im Gegenteil – der Großteil der wissenschaftlichen Erkenntnisse, Therapien und Medikamente wurde ursprünglich ausschließlich an Männern getestet. Dieser Artikel widmet sich ausnahmsweise der anderen Hälfte der Menschheit und betrifft damit vielleicht deine Frau, Tochter, Mutter oder Kollegin.


Frauengesundheit: Eine medizinische Versorgungslücke

Lasst mich heute nur einige exemplarische Bereiche vorstellen, in denen sich Frauen auffallend von Männern unterscheiden. Und weil dieses Wissen teilweise fehlt oder noch nicht in der Praxis angekommen ist, ergibt sich in der Realität eine deutliche Versorgungslücke für Frauen in der Medizin. Aber auch so genannte „Biases“ also Vorurteile spielen in diesem Kontext eine entscheidende Rolle, dazu gleich mehr.

Ich bin gespannt auf deine Rückmeldung: Was davon war dir bekannt und welche Bereiche sind völlig neu?


(1) Symptome bei Erkrankungen & geschlechtsspezifische Sensibilität

Im letzten Beitrag zum Thema „weiblicher Herzinfarkt“ hatte ich bereits besprochen, dass die Symptome, die wir als typisch kennen, nur typisch für den männlichen Herzinfarkt sind.

Frauengesundheit unterscheidet sich auch in den typischen Symptomen für zahlreiche Erkrankungen.
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Aber es gibt noch mehr Verschiedenheiten: Bei der Erkrankung Alzheimer leiden Frauen eher unter emotionalen Beschwerden und Verhaltensänderungen, Männer eher unter physischen Symptomen und Apathie (Teilnahmslosigkeit) [12].

Schlaganfälle äußern sich bei Frauen oft mit Symptomen, die nicht richtig zugeordnet werden, wie z. B. Schluckauf, Ohnmacht, Erbrechen, Krampfanfälle, Verwirrtheit und Halluzinationen. Das kann eine Diagnose erschweren oder verzögern, weil Symptome erwartet werden, die aber eben nur für Männer typisch sind, wie Schwäche und Lähmungen [13].

Nach der Corona Pandemie wurde deutlich, dass Männer ein höheres Sterberisiko nach einer Infektion mit dem Corona Virus hatten, Frauen aber häufiger an Long-Covid leiden [12].

Auch Autoimmunekrankungen sind bei Frauen deutlich häufiger verbreitet als bei Männern [14]. Frauen leiden 2-3x häufiger an Rheumatoider Arthritis, 7-10x häufiger an Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und ca. 7x häufiger als Männer an einer Erkrankung namens Sklerodermie (betrifft Haut und Organe) [14].

Auch falsche Annahmen über die Unterschiede von Erkrankungssymtomen können Hilfe verzögern. Männer werden mit Beschwerden einer noch nicht diagnostizierten Multiplen Sklerose eher zum Ortopäden geschickt, Frauen hingegen zum Psychiater [12].

(2) Testung von Medikamenten – es fehlen Daten

Es klingt verrückt, aber bis zum Jahr 2004 mussten Frauen in Deutschland nicht in klinischen, medizinischen Studien berücksichtigt werden [12].

Bis 2004 wurden Frauen in Deutschland aus klinischen Studien ausgeschlossen.
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Das ist sicherlich auch (aber nicht nur) eine Folge des Contergan Skandals. Contergan war ein Schlaf- und Beruhigungsmittel, das auch gegen die morgendliche Übelkeit bei einer Schwangerschaft genommen wurde (und dafür sogar empfohlen wurde). Es wurde zwischen 1957 und 1961 in Deutschland verkauft und verursachte bei Kindern schwere Fehlbildung, wenn Mütter dieses Mittel zwischen dem 34. und 50. Tag der Schwangerschaft eingenommen hatten [4].

Folgen des Contergan Skandals

Seit dieser Katastrophe wurden Frauen gezielt aus derartigen Studien ausgeschlossen, um Schäden bei bestehenden und zukünftigen Schwangerschaften zu vermeiden. Es ist durchaus sinnvoll, schwangere Frauen von Studien auszuschließen. Aber Frauen generell in diesen Studien zu ignorieren, kann auch nicht die richtige Lösung sein. Solange man aber davon ausging, dass sich Männer und Frauen sowieso kaum unterscheiden, konnte man das noch ganz gut rechtfertigen.

Nach dem Contergan Skandal wurden Frauen aus klinischen Studien weitgehend ausgeschlossen.
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Und so wurden viele Medikamente ausschließlich an Männern getestet, die Erkenntnisse über Wirksamkeit und Risiken wurden aber einfach ungeprüft auf Frauen übertragen. Seit 2004 muss bei einer neuen Zulassung eines Wirkstoffs auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern getestet werden [5]. Aber: Viele heute genutzte Medikamente wurden vor ihrer Markteinführung nur an Männern getestet und werden rückwirkend nicht noch einmal auf Geschlechtsunterschiede hinsichtlich Wirkungen und Nebenwirkungen überprüft [5].

Aber auch das steigende Bewußtsein für bestehende Unterschiede zwischen Männern und Frauen scheint sich – im Moment noch – nur begrenzt in der Forschung widerzuspiegeln: Von 45 pharmakologischen Studien, die im Januar 2021 in der Datenbank clinicaltrials.gov veröffentlicht wurden, enthielten nur 18% geschlechtsspezifische Analysen [12]. Darüber hinaus ergibt sich noch eine weitere Herausforderung in der Forschung: Auch zwei Frauen können, in Abhängigkeit von Lebensführung und Genetik, sehr unterschiedlich auf das gleiche Medikament reagieren. Das macht es besonders anspruchsvoll, in Studien Differenzen zwischen den Geschlechtern zu identifizieren, wenn schon innerhalb des gleichen Geschlechts große Unterschiede bestehen [12].

(3) Wirkung von Medikamenten

Frauen bekommen häufiger Medikamente verschrieben und sind 50-75% häufiger und stärker von Nebenwirkungen dieser Medikamente betroffen als Männer [6]. 60% aller Patienten, die wegen Medikamentennebenwirkungen im Krankenhaus landen, sind Frauen [6]. Sie verstoffwechseln bestimmte Wirkstoffe anders (oft langsamer) als Männer [16]. Grundlegend dafür sind beispielsweise die Körperzusammensetzung, Enzymaktivit und auch der Hormonstatus. In der Konsequenz benötigen Frauen oft geringere Dosierungen für eine optimale Wirkung bei geringem Nebenwirkungspotential. Leider wird das in der Praxis noch selten berücksichtigt.

Frauen leiden häufiger untere Medikamentennebenwirkungen.
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Dosierungsanleitungen in der Packungsbeilage orientieren sich weder an Körpergewicht, noch an Geschlecht, sondern geben in der Regel pauschale Dosierungen für Erwachsene vor. 8 von 10 Medikamenten, die wegen schwerer Nebenwirkungen vom Markt genommen wurden, waren für Frauen besonders riskant [6] und mitunter nicht einmal an Frauen getestet [12].

Mir ist bewusst, dass die Verstoffwechselung von Medikamenten auch zwischen zwei Männern unterschiedlich sein wird, wenn einer 60 und der andere 160 kg wiegt oder der Anteil an Muskelmasse sehr verschieden ist. Auch das sollte in irgendeiner Form berücksichtigt werden, erfordert jedoch enorm detaillierte und damit kostenintensive Forschung, um für Männer und Frauen verschiedener Gewichtsklassen gezielte Dosierungen empfehlen zu können.

Verkehrsunfälle nach Medikamenteneinnahme

Ein bekanntes Beispiel für drastische Unterschiede in der Medikamentenwirkung stammt aus dem Jahr 2012-13. Einer Versicherung fiel auf, dass einige Frauen am Morgen 50% mehr Verkehrsunfälle verursachten als Männer. Das kostet eine Versicherung natürlich Geld, also wurde diesem Umstand intensiv auf den Grund gegangen.

Unterschiede im Abbau von Wirkstoffen können zu Unfällen führen.
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Als Verursacher stellte sich das Schlafmittel Zolpidem (Handelsname Ambien) heraus. Im Zuge der weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass die empfohlene Dosis für Erwachsene dazu führte, dass Frauen am Morgen noch so „benebelt“ waren (müde, verminderte Reflexe) als würden sie unter Alkoholeinfluss Auto fahren. Es konnten auch erhöhte Wirkstoffspiegel bei Frauen gemessen werden. Frauen bauen das das Medikament offenbar deutlich langsamer ab als die meisten Männer. Daraufhin wurde die empfohlene Dosis für Frauen halbiert [7,8]. Derartige Überprüfungen der Dosis dürften auch bei vielen weiteren Medikamenten nötig und wichtig sein.

(4) Verletzungsrisiko durch den Sicherheitsgurt

Sicherheitsgurte in Autos haben schon tausende von Menschenleben gerettet, seit ihre Benutzung zur Pflicht geworden ist. Aber sie tun das weit effektiver für Männer als für Frauen [9].

Frauen sind bei identischem Unfallrisiko 73% häufiger als Männer durch den Sicherheitsgurt verletzt, vor allem an Beinen, Rücken und Bauch. Das liegt daran, dass nicht nur in der Medizin, sondern auch bei der Entwicklung von Sicherheitseinrichtungen, männliche Modelle die Norm sind. Konkret sind es in diesem Fall Crash-Test-Dummies mit männlicher Anatomie. Auch Tests mit kleineren Dummies, die Frauen repräsentieren sollten, sind einfach nur kleine „männliche“ Dummies.

Frauengesundheit funktioniert auch bei Verkehrsunfällen mit Sicherheitsgurt anders.
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Die Unterschiede in Größe, Beckenform, Muskel- und Fettverteilung werden so nicht berücksichtigt [9]. Dieser Fakt sollte aber keineswegs dahingehend interpretiert werden, dass Frauen keinen Sicherheitsgurt tragen sollten! Aber es gibt dringenden Bedarf, die Unterschiede zwischen Männern unn Frauen auch in diesem Bereich angemessen zu berücksichtigen.

(5) Gesundes Älterwerden & Langlebigkeit

Obwohl Frauen durchschnittlich 5-6 Jahre älter werden als Männer bedeutet das nicht, dass sie gesünder sind und diese Jahre genießen oder zumindest positiv erleben können. Sie verbringen durchschnittlich 4,5 Jahre mehr mit gesundheitlichen Einschränkungen (z. B. chronischen Erkrankungen) und reduzierter Lebensqualität durch Funktionseinschränkung und Pflegebedürftigkeit [10,15].

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Mich ärgert das tatsächlich persönlich, weil es völlig unnötig ist. Es ist bekannt, dass Frauen deutlich häufiger von Fragilität, z. B. durch Osteoporose oder Muskelschwund (Sarkopenie), aber auch Einschränkungen durch z. B. Rückenschmerzen, Depressionen, Ängste oder Kopfschmerzen betroffen sind [15]. Diese Krankheiten führen nicht vorzeitig zum Tode, aber sie sorgen für Einschränkungen und geringe Lebensqualität oft über viele Jahre hinweg. Viele Frauen sind aufgrunddessen über Jahre auf Hilfe und Pflege angewiesen. Leider wird kaum kommuniziert, dass sich die Lebensqualität langfristig enorm verbessern lässt, wenn man frühzeitig mit den richtigen Maßnahmen beginnt!

Fragilität durch Osteoporose

Beispiel Osteoporose: Wenn man sich eine typische Auswertung der Knochendichtemessung für eine Frau anschaut, nimmt die erwartete Knochendichte ab dem 50. Lebensjahr ab. Es ist bekannt, dass mit Eintritt der Menopause die Knochendichte durch das fehlende Östrogen deutlich reduziert wird. Aber, die „Norm“ erwartet erst, dass eine Frau eine Osteoporose bekommt, wenn sie 80 ist. Einerseits ist es auch mit 80 keineswegs „egal“, wenn Wirbel oder Hüfte brechen, denn diese Frauen haben schlechte Genesungschancen. Viele von ihnen werden nie wieder das Krankenhaus verlassen oder laufen können.

Frauengesundheit bedeutet auch, langfristige Gesundheitsrisiken vorzubeugen, wie Osteoporose.
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Andererseits sind viele Frauen einfach nicht die „Norm“, diese ist ja nur ein statistischer Durchschnitt. Zahlreiche Faktoren, wie eine vorzeitige Menopause, Entfernung der Eierstöcke, Chemotherapie, Rauchen, die Einnahme von Cortison oder ein erhöhtes familiäres Risiko sorgen dafür, dass Frauen auch oft schon mit 60 Osteoporose haben. Oft wird diese nur durch Zufall diagnostiziert. Insbesondere in den letzten Wochen habe ich – mehr oder weniger zufällig – mit vielen betroffenen Frauen gesprochen. Sie waren völlig entsetzt, dass diese „Warnung“ oder besser noch Empfehlungen für die Prävention nicht EIN MAL in ihrem Leben z. B. durch einen Arzt oder ihre Krankenkasse angesprochen wurden.

Ignoranz von Prävention

Genau diese Benachteiligung von Frauen in der medizinischen Kommunikation und die verbreitete Ignoranz gegenüber dem Thema Prävention, liegt meinem Engagement für Frauengesundheit zugrunde. Das heißt nicht, dass Männergesundheit nicht wichtig ist, sie ist genau so wichtig wie Frauengesundheit. Aber der Unterschied ist, dass Faktoren, die Männergesundheit beeinflussen, in der Medizin bisher der Standard gewesen sind. Die meisten Maßnahmen für die Erhaltung der Gesundheit (von Männern und Frauen) dürfen aber nicht erst beginnen, wenn die Probleme schon da sind. Dann kann man oft nicht mehr viel tun, um die Lebensqualität zu erhalten. Erfolgreiche Weichenstellung beginnt schon in (oder vor) der Lebensmitte. Das heißt für Frauen: in den Wechseljahren, also ab Anfang 40, oder spätestens um die Menopause (mit etwa 50) herum.


Kostenfreies Live Webinar

Wenn du mehr dazu lernen möchtest: Du bist sehr herzlich zu meinem kostenfreien Live Webinar am 19. August 2025 um 19 Uhr eingeladen. Registriere dich dafür einfach kostenfrei, um dir einen Platz zu sichern und zwar hier auf unserer Seite der Kensho-Academy. Den Zugangslink für das Webinar (via Zoom) bekommst du dann von mir persönlich per Mail nach deiner Registrierung:

Kostenfreies Webinar zum Thema Frauengesundheit und Wechseljahre
Photo Credit: Canva & selbst

(6) Medizinische und menschliche Vorurteile

Darüber hinaus wird der so genannte „Gender Health Gap“, also die Lücke in der medizinischen Versorgung zwischen Männern und Frauen auch durch unbewusste Vorurteile verstärkt. Lass mich dazu einfach ein paar Fakten nennen:

  • Symptome von Erkrankungen werden bei Frauen häufiger als „psychosomatisch“ abgetan. Das heißt sie werden als psychisch bedingt oder im Zusammenhang mit Stress stehend eingeordnet. Eine Ursache dafür sind sicherlich Geschlechterstereotype, wie „tapfere Männer“ vs. „emotionale Frauen“. Wenn diese handlungsleitend sind, kommt es zu Fehldiagnosen oder verspäteter Behandlung [20,21].
  • Frauen erhalten bei akuten und postoperativen Schmerzen (also nach einer Operation) nachweislich seltener und später Schmerzmittel als Männer [22].
  • Frauen werden seltener zu weiterführender Diagnostik oder zum Facharzt geschickt als Männer, selbst bei gleichem Krankheitsrisiko oder vergleichbaren Beschwerden [23,24].
  • Nach akuten Erkrankungen (Herzinfarkt, Operationen), werden Frauen seltener in Rehamaßnahmen oder Physiotherapieprogramme aufgenommen [25, spanische Daten].

Anmerkung: Für die genannten Zusammenhänge liegen mir keine konkreten Daten für Deutschland vor. Sie sollen daher auch eher einen illustrierenden Effekt haben, in welchen Bereichen Vorurteile oder gedankliche Konzepte dessen, wie Männer oder Frauen „wirklich sind“ Einfluss auf die Chancen und Versorgung im Gesundheitssystem haben können.

Geschlechterstereotype leiten, nicht nur in der Medizin unser Denken und Handeln.
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Fazit: Geschlechtersensible Medizin ist das Ziel

Dieser Artikel soll dazu beitragen, mehr Menschen auf das Thema „geschlechtersensible Medizin“ hinzuweisen. Dabei geht es nicht um das „soziale“ Geschlecht, sondern echte biologische Unterschiede [16]. Und davon profitieren keineswegs nur Frauen [18]. Auch Männer und Menschen mit dem Eintrag divers haben, was die Prävention, Erkennung und Therapie von Krankheiten angeht, einen Nutzen davon, wenn Unterschiede bekannt sind und berücksichtigt werden. Beispielsweise gelten Depressionen weithin als typisch weibliche Krankheit und es ist oft auch unbekannt, dass auch Männer Osteoporose und Brustkrebs bekommen können [17,18]. Das bedeutet, dass einfach noch mehr Faktoren eine Rolle für das Risiko und den Verlauf von Erkrankungen spielen, als man bisher angenommen hat [15].

Gendersensible Medizin ist wichtig für Frauengesundheit und auch die Gesundheit der Männer.
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Gendersensible Medizin steckt in den Kinderschuhen

Doch die Entwicklung einer geschlechtersensiblen Medizin und die Verankerung in der Ausbildung der Mediziner, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen: „Einem unter Mitwirkung der Charité im Jahr 2020 erstelltem Gutachten zufolge thematisieren nur 70,4 Prozent der Medizinischen Fakultäten in Deutschland punktuell in einzelnen Lehrveranstaltungen Geschlechterunterschiede bei Krankheiten, Symptomen und Therapien. Auch gibt es in Deutschland nur wenige Professuren zum Thema und erst seit 2024 die erste Vollzeitprofessur für Geschlechtersensible Medizin“ [17]. Das ist auch einer der Faktoren, der eine Umsetzung des bereits bekannten Wissens in die Praxis verlangsamt.

Aktuelle Leitlinien helfen nur wenig, wenn deren Umsetzung in den medizinischen Alltag aus verschiedenen Gründen nicht erfolgt oder erfolgen kann [10]. Auch die Erforschung der Risikofaktoren ist wichtig. Denn Lebensbedingungen wirken sich bei Männern und Frauen unterschiedlich auf die Entstehung von Herzerkrankungen aus. „So habe Stress im Beruf oder auch in der Partnerschaft sowie Einsamkeit als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen eine noch höhere Bedeutung als bei Männern“ [19].

Es ist noch viel zu tun! Aber das Bewusstsein für die Lebensnotwendigkeit, das Geschlecht einer Person bei Prävention, Diagnose und Behandlung immer mitzudenken, steigt zum Glück!


Weiterführende Ressourcen auf meiner Seite:


Quellen & Ressourcen:


3 Gedanken zu „Frauengesundheit neu denken: Schluss mit der Einheitsmedizin.

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