Kennst du das Gefühl, dass Deine Gedanken manchmal einfach „passieren“? Dass sie sich verselbstständigen und oft negativ sind? Ich möchte heute zeigen, wie Gedanken entstehen und wie du selbst Einfluss auf zukünftige Gedanken nehmen kannst.
Mindgardening: Wie wir unsere Gedanken beeinflussen können
Die gute Nachricht an dieser Stelle ist erst einmal: Du musst Deine Gedanken nicht kontrollieren, um Einfluss auf sie zu haben.
Es reicht, wenn du beginnst, sie bewusst zu pflegen.
Ein schönes Bild dafür ist das Mindgardening, also der Gedanke, dass dein Geist wie ein Garten ist. Du entscheidest nicht über jedes einzelne Pflänzchen, das in deinem Garten wächst. Aber du entscheidest sehr wohl, was du regelmäßig gießt, welche Samen Du aussäst, welche Bereiche Du bewusst pflegst und welches Unkraut du sogar aktiv entfernst oder daran hinderst, sich auszubreiten.

Gedanken entstehen nicht im luftleeren Raum
Ein zentraler Gedanke dazu stammt von James Clear, dem Autor des Buches Atomic Habits [1,2] und das finde ich eine sehr spannende Sichtweise auf das Thema Gedanken, die ich unbedingt mit euch teilen möchte.
Die zentrale Aussage dazu lautet wie folgt: Unsere zukünftigen Gedanken werden stark davon geprägt, womit wir uns heute umgeben. Vielleicht klingt das so gar nicht neu für dich, aber wenn wir die praktische Konsequenz anschauen, finde ich diese Sichtweise enorm bereichernd.
Dein Input – dein Output
Zu dem, womit wir uns heute umgeben und was damit in unserem Gehirn als INPUT landet gehört beispielsweise:
- Was wir lesen.
- Wem wir zuhören.
- Worüber wir mit anderen Menschen sprechen.
- Welche Inhalte wir konsumieren, beispielsweise im Fernsehen.
- Welche Menschen wir online verfolgen (z. B. auf Instagram oder TikTok).
- Welche Bücher auf unserem Nachttisch liegen.

Dieser Input verschwindet nicht einfach wieder. Er wird gespeichert, sortiert, mit anderen Themen und eigenen Erfahrungen verknüpft und daraus entsteht dein Output.
Was kann so ein Output sein?
- Deine Gedanken.
- Deine inneren Dialoge.
- Die Themen, über die du häufig sprichst.
- Dinge, über die du grübelst oder dich sorgst.
- „Filter“ durch die du bestimmte Situationen interpretierst
- Entscheidungen, die sich „richtig“ oder „naheliegend“ anfühlen.
Der Output ist meistens keine 1:1-Kopie des Inputs. Er vermischt sich mit deinen Erfahrungen, den aktuellen Herausforderungen in deinem Alltag, deinen Verpflichtungen und dem, was in deinem Leben gerade relevant ist. Aber: Der Input bestimmt maßgeblich, welche Gedanken überhaupt zur Verfügung stehen.

Deine Gedanken sind kein Zufall
Wie kommt das zustande? Unser Gehirn denkt bevorzugt über Dinge nach, mit denen es bereits in Kontakt war. Nicht, weil sie irgendwie besonders wichtig sind, sondern weil sie überhaupt verfügbar sind. Es ist ein bisschen so als würden vor allem die Gedanken wachsen, mit deren Saat du in Berührung gekommen bist. Irgendwie macht das ja auch Sinn.
Auch aus psychologischer Sicht ist das gut erklärbar, denn unser Gehirn arbeitet stark über Aufmerksamkeit und Wiederholung: Was häufig auftaucht, wird vertraut. Was vertraut ist, wird schneller gedacht, auch ohne, dass wir uns anstrengen müssen. Was schnell gedacht wird, beeinflusst unsere Stimmung, unsere Entscheiden und auch unser Verhalten. Den oftmals handeln wir, ohne zu reflektieren, woher ein bestimmter Gedanke kommt und ob er wahr ist oder vielleicht geprägt von unserem Input.
Wir könnte das mit einem Trampepfad vergleichen, der immer leichter begehbar wird, je häufiger wir diesen Weg benutzen. Auch unsere negativen Gedanken (z. B. Sorgen) entstehen immer leichter, je häufiger wir mit derartigem Gedankengut in Berührung kommen.
Das bedeutet: Deine Gedanken sind kein Zufallsprodukt. Sie sind das Echo dessen, was du regelmäßig in dein Leben lässt. Anders formuliert: Dein Output (Gedanken, Sorgen) wird vom Input geprägt, das du in dein Leben und in dein Gehirn lässt.

Mind Gardening im Alltag
Das wirklich erfreuliche an diesem Zusammenhang ist, dass wir Einfluss darauf nehmen können, welche Gedanken in unserem Gedankengarten wachsen und sich ausbreiten dürfen. Bisher machen wir davon nur selten (oder gar keinen) Gebrauch. Vielleicht ändert sich das ja für dich in der Zukunft, wenn dieser Zusammenhang klar ist.
Beeinflusse deine zukünftigen Gedanken
Im folgenden Abschnitt möchte ich dir einige konkrete Anhaltspunkte liefern, wie du gezielt deinen Input wählen kannst, um zukünftige Gedanken positiv zu beeinflussen. Das ist weniger schwer als es im Moment gerade klingt. Hier geht es auch nicht darum, nie mehr negative Gedanken zuzulassen oder berechtigte Sorgen oder Überlegungen schönzureden, sondern über die Steuerung des Inputs, dein Output so zu beeinflussen, dass es GUT für dich ist und hilfreich für deinen Alltag.
Vielleicht magst du auch überhaupt erst einmal damit beginnen zu beobachten, was du alles so in deinen Gedankengarten hineinlässt, welche Menschen dort Unkraut-Samen (praktisch ihren „Müll“) abwerfen dürfen, welche Situationen im Alltag vielleicht der Ursprung für spätere negative Gedankenmuster sein können und wo du in Zukunft bewusste Entscheidungen treffen möchtest. Parallel dazu kannst du aber auch gleich aktiv werden und dafür möchte ich dir 6 einfache Anregungen bieten.
6 Anregungen für einen positiven Mind-Garden
Diese Alltagstipps konzentrieren sich darauf, bewusst positives zu ergänzen, anstatt Negatives einfach nur zu ersetzen:
- Wähle bewusst 1-2 Quellen, die dir guttun und die dich inspirieren, z.B. ein Podcast, ein Newsletter oder ein bestimmtes Buch. So kannst du neue bereichernde Gedanken in deinem Gedankengarten säen.
- Entfolge Accounts (Instagram, Facebook, TikTok), nach deren Konsum du dich regelmäßig schlechter fühlst oder vermeide Fernsehsendungen, die zu viel negativen Input bieten.
- Baue kleine positive Lese- oder Hörinseln in deinen Tag ein, du könntest beispielsweise am Abend eine kurze positive Geschichte lesen (es gibt zahlreiche Bücher der Serie „Hühnersuppe für die Seele“ – die sind für so etwas gut geeignet)
- Beschäftige dich regelmäßig mit Themen, die dich stärken, interessieren und begeistern. Was könnten das für Themen für dich persönlich sein?
- Wenn dir negative Nachrichten zu schaffen machen, probiere aus, sie früher am Tag zu schauen (und nicht kurz vor dem Zubettgehen) oder einfach nur zu lesen. Bilder wirken weit stärker im Unterbewusstsein nach als das geschriebene Wort. Auch die Quelle macht einen großen Unterschied, reißerische Meldungen spielen oft mit Ängsten, während sachliche Berichterstattung einfacher zu „verkraften“ ist.
- Verbringe mehr Zeit mit inspirierenden Menschen, die vielseitig interessiert, neugierig und weltoffen sind. Die Gespräche mit ihnen beeinflussen auch deine zukünftigen Gedanken.

Die Samen für zukünftige Gedanken säen
Auch, wenn du natürlich nicht jederzeit bestimmen kannst, was du denkst, hast du einen wirkungsvollen Einfluss darauf, womit dein Geist arbeitet.
Gerade dann, wenn in deinem Alltag viel los ist und Probleme nicht einfach lösbar sind, kannst du durch bewusste Impulse (wie die oben genannten) Einfluss nehmen. Manchmal kann das vielleicht einfach eine kleine positive Geschichte sein, der Austausch mit einem Menschen, der dir einen Perspektivwechsel ermöglicht oder die Auseinandersetzung mit einem Thema, das dir guttut, wie z. B. Gesundheit, Gärtnern, Reiseberichte oder Sport. Auch, wenn davon nicht alle Herausforderungen deines Lebens plötzlich verschwinden, kannst du die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass du nicht ausschließlich negativen Input deinen Gedankengarten besiedeln lässt und, dass damit auch dein innerer Dialog mit positiver Saat arbeiten kann. Diese kleinen Veränderungen können dein Befinden wirkungsvoll beeinflussen, deine Perspektive erweitern und damit auch deine nächsten Handlungen und Entscheidungen beeinflussen.
Wie du sicherlich bemerkt hast, geht es hier nicht um radikale Veränderungen, sondern um kleine Samen, die wir gezielt zusätzlich säen, und deren Pflanzen sich erst nach und nach entwickeln. Je länger du bewusst darüber entscheidest, welche Pflanzen in deinem Gedankengarten „Fuß fassen“ dürfen, desto stärker wird die Wirkung sein, auf deine Gedanken, dein Wohlbefinden, deine Energie und das, was du anderen Menschen als „Input“ in deren Gedankengarten anbieten kannst.
Weiterführende Artikel auf meiner Seite:
Ressourcen:
[1] Clear, James (2020): Die 1% Methode. Minimale Veränderung, maximale Wirkung. Goldmann (im Englischen „Atomic Habits). Amazon Link*: https://amzn.to/3ZeJSyK
[2] James Clear bei Andrew Huberman im Podcast (nur in Englisch): Best Ways to Built Better Habits & Break Bad Ones (2026): https://youtu.be/bdsc3Spm6Sw?si=46f6kVzh8dl0k736
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Ein Gedanke zu „Mind Gardening: Wie deine Gedanken entstehen.“