Ist Glücklichsein genetisch bedingt?

Ist Glücklichsein genetisch bedingt?

Ist Glücklichsein genetisch bedingt? Wir kennen sie alle, diese Menschen die scheinbar immer glücklich sind, egal was in ihrem Leben gerade passiert. Wir kennen sie aber auch, diese Menschen, die immer irgendwie „grummelig“ sind, auch wenn das schönste Wetter ist oder sie gerade etwas tolles erlebt haben. Woran liegt das? Es gibt tatsächlich eine genetische Komponente am Glücklichsein. Sie erklärt aber lange noch nicht vollständig, warum wir mehr oder weniger glücklich sind.

Genetischer „Setpoint“

Tatsächlich scheint es so etwas wie einen „Setpoint“ zu geben. Das ist quasi ein „Normwert“ wie glücklich eine individuelle Person in der Regel ist. Dieser Setpoint unterscheidet sich von Person zu Person.

Anhand von Zwillingsstudien, konnte man herausfinden, dass dabei die Gene eine Rolle spielen. Denn identische Zwillinge teilen sich ihre Erbanlagen, die sie von den Eltern bekommen haben. Unterschiede im Glücklichsein zwischen diesen Zwillingen, müssten dann praktisch auf die äußeren Umstände zurückzuführen sein. Professor Meike Bartels [1, 3] ist eine der Forscherinnen, die sich diesem Thema gewidmet haben.

Zwillinge teilen sich die Erbanlagen zum Glücklichsein
Photo Credit: 272447 auf Pixabay

Zwillingsstudien machen einen Vergleich zwischen verschiedenen Menschen möglich. Denn wenn statt dessen man Menschen vergleichen würde, die keine Zwillinge sind, unterscheiden sich sowohl Genetik als auch die Lebensbedingungen. Diese großen Unterschiede würden es (fast) unmöglich machen herauszufinden, welche der Differenzen im Glücklichsein durch Erbanalagen und welche durch individuelle Lebensumstände bedingt sind.

Wahrscheinlicher glücklich?

Dieser genetische „Setpoint“ zeigt, dass man genetisch so ausgestattet sein kann, dass man mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr oder weniger glücklich ist. Das heißt aber nicht, dass dies so sein muss, denn die Gene erklären nur einen Teil der Unterschiede in der generellen Zufriedenheit mit dem Leben. Die Umwelt spielt ebenfalls eine große Rolle.

Sind Gene oder Umwelt bedeutsamer?

Diese zentrale Frage zieht sich seit vielen Jahren durch die Forschung und ist für viele Themen von Interesse. Für Glücklichsein lässt sich diese Frage sogar recht gut auf Basis des bisherigen Wissens beantworten. Man kann davon ausgehen, dass etwa 35% der Unterschiede zwischen Menschen hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Leben genetisch bedingt sind [3].

Unsere Gene beeinflussen unseren "Glücklichkeits-Setpoint".
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Die wunderbare Nachricht an dieser Stelle ist jedoch, dass 65% offenbar nicht davon abhängen, ob wir in den genetischen „Jackpot“ gegriffen haben. Fast 2/3 dessen, wie zufrieden wir mit dem Leben sind, ist durch Umweltbedingungen bestimmt. Diese können wir zum großen Teil selbst beeinflussen und unseren Umgang mit ihnen lernen.

Wie glücklich machen Wohlstand und Status?

Viele Menschen hoffen, dass sie glücklich sind, wenn sie einen bestimmten Wohlstand oder Status erreicht haben. Das neue Haus, das größere Auto oder der Aufstieg im Job müssen doch wirklich endlich dazu führen, dass wir glücklicher und zufriedener sind.

Weit gefehlt. Nur 10% dessen wie glücklich wir sind scheint von Wohlstand und Status abzuhängen [2]. Natürlich ist es schwer, glücklich zu sein, wenn man sich Sorgen machen muss, ob man am nächsten Tag etwas zu Essen hat oder die nächst Miete bezahlen kann. Eine „Grundsicherung“ ist also schon notwendig, um sich am Leben freuen zu können, ohne dauerhaft um den Lebensunterhalt zu bangen. Aber ob man 50.000 Euro im Jahr verdient oder 500.000, macht für das Maß an Zufriedenheit nur einen geringen Unterschied.

Status und Wohlstand beeinflussen nur wenig, wie glücklich wir sind.
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Wenn wir uns in der Welt einmal umschauen ist es oft überraschend, dass nach unseren Maßstäben „arme“ Menschen, oft so glücklich sind. Sie leben unter Umständen, die meilenweit von unseren Lebensstandards entfernt sind und bezeichnen sich doch häufig als „sehr glücklich“. Ein wunderbarer Filmtipp dazu ist der Film „Happy“ aus dem Jahr 2011! Den solltest du Dir unbedingt ansehen, leider gibt es den Film nur in Englisch.

Was macht Dich glücklich?

Wenn etwa die Hälfte dessen, wie glücklich wir uns fühlen, weder genetisch bedingt ist noch von Wohlstand und Status abhängt, ist das eine große Chance und Verantwortung. Dann können wir nämlich beginnen selbst Einfluss darauf nehmen, wie wir leben möchten. Die „Schuld“ dafür, dass wir unglücklich sind, auf unsere Gene zu schieben, wird dann zu einem schwachen Argument.

Welche Aspekte „Glück“ noch beinhaltet, kannst du detailliert in folgendem Artikel lesen, den du auch auf meiner Seite findest: PERMA macht Dich glücklich!

Was aber bleibt darüber hinaus? Wir sollten lernen, was uns wirklich glücklich macht. Welche Menschen in unserem Umfeld tun uns gut, welche Tätigkeiten sorgen für ein tiefes Glücksgefühl im Körper. Wie kann man als Mensch weiter wachsen und lernen und wie kann ich andere Menschen glücklich machen. Wie im oben empfohlenen Artikel detaillierter besprochen, sollten wir nicht erwarten, dass uns „Shopping“ oder andere konsumierbare Beschäftigungen wirklich glücklich machen können. Sie haben sicherlich ihren Stellenwert, aber auch eine kurze Halbwertszeit. Ein neues Auto, eine neue Handtasche oder eine abgeschlossene Bestellung im Onlineshop sorgen nur für einen kurzen Glücksmoment, wenn überhaupt.

Was kann ich heute tun, um glücklicher zu werden?

Es gibt aber einige kleine Dinge, die uns im Alltag kein Geld und nur wenig Mühe kosten und die unser Glücksgefühl sofort heben können. Zwei davon möchte ich zum Abschluss kurz hervorheben. Vielleicht möchtest du ja gleich heute damit beginnen.

Wofür bist du dankbar?

Viel zu oft vergessen wir, was wir Gutes im Leben haben. Ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Tisch, einen tollen Partner oder Freunde, die uns so mögen wie wir sind. Wenn wir diese Geschenke als selbstverständlich sehen, beginnen wir automatisch auf das zu schielen, was wir nicht haben. Das macht uns unglücklich, denn es gibt immer Dinge, die wir nicht haben. Meistens ist die Hoffnung jedoch vergebens, dass diese uns letztendlich glücklich machen würden.

Wofür bist du heute dankbar?
Photo Credit: Pexels auf Pixabay

Beginne damit, am besten jeden Abend, aufzuschreiben, wofür du dankbar bist. Am bestens funktioniert das, wenn das Erlebnisse der letzten 24 Stunden sind. Versuche dies nicht nur als ein „Gedächtnisübung“ zu absolvieren, sondern fühle dich noch einmal emotional in die jeweilige Situation hinein. Überlege dir auch, warum du dafür dankbar bist. Diese Überlegung verdoppelt unser Glücksgefühl. Unserem Kopf ist es nämlich egal, ob wir die Situation gerade erleben, oder einfach nur daran denken! So leicht kann man Glück verdoppeln.

„Random Acts of Kindness“

Dieser englische Begriff klingt – wie so vieles – im Deutschen nicht so wirklich gut, könnte aber mit „zufällige Handlung der Freundlichkeit“ übersetzt werden. Das klingt etwas sperrig, egal. Was damit gemeint ist, ist anderen Menschen unverhofft eine kleine Freude zu machen. Das muss uns kein Geld kosten, kann aber.

  • Man könnte jemandem vor uns in der Schlange beim Bäcker die fehlenden 10 Cent schenken, die ihm zum Kaffee fehlen.
  • Man kann einem alten Menschen helfen, mit dem Rollator in den Bus einzusteigen.
  • Man kann einer offenbar müden Verkäuferin einfach mitfühlend sagen, dass man sich vorstellen kann, dass sie heute einen anstrengenden Tag hatte.
  • Auch ehrlich gemeinte Komplimente zu verteilen, kann anderen Menschen den Tag erhellen.

Möglichkeiten und Gelegenheiten dazu gibt es viele, wenn wir nur danach Ausschau halten! Viel Spaß dabei, die Augen offenzuhalten und genieße die Vorfreude, die damit einhergehen kann.

Gänseblümchen können glücklich machen.
Photo Credit: martaposemuckel auf Pixabay

Mehr zum Thema „Glück“ auf meiner Seite:


Literatur und Iden zum Weiterlesen + Filmtipp:

[1]  Marianna Pogosyan (2019): How Genes influence Happiness. Psychology Today

[2] Filmtipp: Wadu Rumi Films: Happy (2011). verfügbar in ganzer Länge auf YouTube (in Englisch), Academy Award Gewinner, (Mehr Infos zum Film: www.thehappymovie.com)

[3] Bartels, M. (2015): Genetics of Wellbeing and Its Components Satisfaction with Life, Happiness, and Quality of Life: A Review and Meta-analysis of Heritability Studies. . 2015; 45(2): 137–156.

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