Deine Eichhörnchenstrategie für Woche #9: Soziale Beziehungen

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Wir sind soziale Lebewesen und brauchen soziale Beziehungen, um gesund zu bleiben, sowohl körperlich als auch seelisch. Aus diesem Grund ist soziale Isolation – aus welchem Grund auch immer – so schmerzhaft für uns. Wie soziale Beziehungen uns helfen können gesünder zu werden und wie die Aufgabe für die 9. Woche der Eichhörnchenstrategie aussieht, erfährst du gleich.

Die Eichhörnchenstrategien der Wochen 1-8

Wenn du Veränderungen erreichen möchtest, aber ein Freund kleiner Schritte bist, dann ist die Eichhörnchenstrategie genau das Richtige für dich. Kleine Veränderungen, die langfristig tolle Ergebnisse liefern, ohne das Leben auf den Kopf zu stellen oder große Motivation zu erfordern. Wir sind jetzt schon in der 9. Woche dieser aufeinander aufgebauten kleinen Strategien angekommen. Jede Woche implementierst du zur Strategie der Vorwoche eine weitere. Ein weiterer Schritt zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Balance auf allen Ebenen, denn Gesundheit ist nicht eindimensional.

Hier findest du direkt die Links zu den Strategien der Vorwochen:

Soziale Beziehungen sind zentral für Gesundheit

Wenn wir über Gesundheit sprechen, haben wir oftmals die Idee, dass wir dafür nur mehr trainieren und weniger oder besser essen müssten. Aber so einfach sind wir Menschen nicht strukturiert. So, wie es einer Pflanze nicht ausreicht, einfach Wasser und Erde zu haben, sondern weitere Faktoren unbedingt notwendig sind, damit sie wachsen kann, brauchen wir soziale Beziehungen. Sie wirken wie Sonnenschein für eine Pflanze – nur dass sie bei uns Menschen keine Photosynthese auslösen. 🙂

Lenka Fortelna auf Pixabay

Wir können nicht soziale isoliert und gleichzeitig gesund und glücklich sein! Wenn unser Bedürfnis nach wohltuendem sozialem Kontakt nicht erfüllt ist, leiden wir körperlich und mental [1]. Dabei ist das Gefühl der Isolation klar zu unterscheiden vom selbst gewählten Alleinsein, das wir als angenehm empfinden können.

Deine Aufgabe für die Woche #9

Auch in Anbetracht der aktuellen Situation können wir einiges dafür tun, unsere sozialen Beziehungen und Freundschaften zu pflegen. Klar können wir darauf beharren, dass es „nicht das Gleiche“ ist, wenn man sich „nur“ online oder auf Abstand sieht und dann statt dessen lieber nichts unternehmen. Das macht aber keinen Sinn, weil sich davon die Rahmenbedingungen nicht ändern. Zeit für ein bisschen Flexibilität:

Aufgabe für Woche #9: Schreibe dir 1-3 Menschen auf einen Zettel, mit denen du länger keinen Kontakt hattest, die dir aber wichtig sind. Addiere 1-3 Menschen, denen eine Kontaktaufnahme von deiner Seite momentan (oder generell) besonders gut tun würde. Nimm schrittweise mit diesen Personen Kontakt auf, schreib eine Mail oder einen Brief, ruf einfach an, verabredet ein Kaffeetrinken per Zoom oder Skype oder trefft euch zu einem Spaziergang. Dafür hast du zwei Wochen Zeit.

Manchmal müssen wir uns einen kleine Ruck geben, zum Hörer zu greifen, weil wir einfach viele andere Dinge um die Ohren haben. Je nachdem, was dir leichter fällt, beginne mit einer Person, deren Stimme du besonders gern wieder hören möchtest oder mit der Person, der du ein Lächeln in das Gesicht zaubern kannst, wenn du dich meldest. Das ist ganz deine Entscheidung. Was du aber merken wirst ist, dass es auch dir selbst guttut, diesen Kontakt zu suchen und dafür die Initiative ergriffen zu haben.

Warum sind soziale Beziehungen so wichtig?

Ironischerweise haben sich die Zahlen von Menschen, die berichten, sich einsam zu fühlen, in den letzten Jahren verdreifacht, obwohl die sozialen Medien uns den Eindruck vermitteln, dass wir unzählig viele Freunde haben und super beliebt sind [2]. Aber das ist ein Trugschluss. Wie viele von diesen „Freunden“, könnten oder würden wir überhaupt anrufen (wenn wir deren Nummer hätten), wenn es uns nicht gut geht, wenn wir dem auf den sozialen Medien sorgsam präsentierten Selbstbild nicht entsprechen? Welchem dieser „Freunde“ würden wir anvertrauen, dass wir manchmal ebenso unsicher, traurig oder einsam sind, wie viele andere Menschen auch?

Hans Kretzmann auf Pixabay

Gute soziale Beziehungen müssen gepflegt werden, beruhen auf Gegenseitigkeit und brauchen Zeit. Hier und da mal ein „Like“ für ein Foto zu geben, ist keine Grundlage für eine Freundschaft, in der man sich so geben kann, wie man ist und in der man sich, ohne Konsequenzen zu befürchten, öffnen kann. Wer diesen „Aufwand“ scheut, weil die sozialen Medien scheinbar eine anstrengungsfreie Plattform bieten, um viele „Freunde“ zu haben und „Anerkennung“ (Likes) zu sammeln, wird irgendwann feststellen, dass dies eine Illusion ist.

Das Gefühl der Einsamkeit hängt stark von der Qualität unserer Beziehungen ab. Wir fühlen uns umso weniger einsam, je zufriedener wir mit unseren Beziehungen sind. Mit vielen Menschen zu tun zu haben, schützt also nicht davor, sich einsam zu fühlen [3].

Beziehungen und Gesundheit

Nicht nur Poeten und Autoren haben dem Thema Einsamkeit schon lange auf den Zahn gefühlt. Inzwischen werden aber zunehmend auch Medizin und Gesundheitswissenschaften darauf aufmerksam. Obwohl Einsamkeit, im Vergleich zu Faktoren wie Ernährung und Bewegung, so wenig fassbar wirkt, ist sie ein Gesundheitsrisiko. Einsam zu sein ist tödlicher als täglich 15 Zigaretten zu rauchen und auch tödlicher als Übergewicht [3]. Einsame Menschen haben ein um 26% erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben. Es steigt sogar auf 32% für Menschen, die zusätzlich allein leben [3].

Wokandapix auf Pixabay

Wir Menschen sind soziale Lebenwesen und das ist nicht nur einfach etwas, dass wir „gern tun“, sondern etwas, das wir tun müssen, um körperlich und geistig gesund zu bleiben [3]. Soziale Kontakte zu haben, ist ein absolut essenzielles Bedürfnis. Wir brauchen eine Gruppe, um zu überleben. Aber es muss nicht unbedingt eine große Gruppe sein, damit wir uns wohlfühlen, schon drei enge Freunde zu haben hilft, dass wir uns nicht einsam fühlen [2].

Gesundheitliche Folgen von Einsamkeit

Wenn unser Bedürfnis nach sozialer Nähe nicht erfüllt wird, reagiert unser Körper auf verschiedenen Ebenen. Zahlreiche Systeme im Körper sind dann beispielsweise mehr Stresshormonen ausgesetzt, was wir mit unserer Gesundheit bezahlen. Die Arterien funktionieren weniger gut, wir entwickeln hohen Blutdruck und auch Lernen und Gedächtnis werden dadurch negativ beeinflusst [1]. Das Gefühl der Einsamkeit oder Isoliertheit macht uns traurig, wir fühlen uns leer, isoliert und benachteiligt. Bei Erwachsenen ist Einsamkeit ein wichtiger Einflussfaktor auf Depressionen, Alkoholismus und Schlafstörungen. Menschen, die sich isoliert fühlen, reagieren bei den gleichen Stressoren stärker gestresst, als Menschen, die sich als eingebunden empfinden. Vielleicht berücksichtigen wir unbewusst unsere sozialen Ressourcen, wenn wir Herausforderungen ausgesetzt sind und fühlen uns mehr gestresst, wenn wir alles allein meistern müssen? Auch können bei Menschen, die einsam sind, schneller fortschreitende Alzheimer’s Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, veränderte Gehirnfunktionen und antisoziales Verhalten beobachtet werden [2].

Aber der Effekt auf unsere Gesundheit geht noch weiter. Menschen, die sich einsam fühlen machen weniger Sport, schlafen schlechter, essen ungesünder und fühlen sich häufiger tagsüber erschöpft [2].

Harut Movsisyan auf Pixabay

Soziale Kontakte und Langlebigkeit

Dass soziale Kontakte tatsächlich auch ein Faktor sind, der mit einem langen und gesunden Leben zusammenhängt, zeigen die Forschungsergebnisse aus den so genannten Blauen Zonen. Diese Blauen Zonen sind dafür bekannt, dass Menschen die dort leben, überdurchschnittlich häufig über 100 Jahre alt werden und dabei gesund und glücklich sind. Sie sind wunderbar sozial eingebunden, haben Freunde, die sie oftmals seit ihrer Kindheit kennen und stehen auch mit Kindern und Enkeln in engem Kontakt. Gebraucht und geliebt zu werden gibt uns Menschen – in jedem Alter – einen Lebenssinn und hält uns „jung“ [5].

Wir müssen beginnen, unsere sozialen Beziehungen genauso ernst zu nehmen, wie Training, Ernährung und alle anderen Faktoren, von denen wir wissen, dass sie unsere Gesundheit beeinflussen [3].

Beziehungen zum Glücklichsein

Soziale Beziehungen haben so einen wichtigen Stellenwert für uns Menschen, dass sie sogar durch das „R“ (=Relationships) im Model PERMA von Martin Seligman repräsentiert werden. Dieses, im Bereich der Positiven Psychologie weithin bekannte, Modell fasst zusammen, was wir Menschen brauchen, um glücklich zu sein [4]. Damit es uns wirklich gut geht, brauchen wir neben anderen Dingen – Liebe, Intimität und stabile physische und emotionale Interaktionen mit anderen Menschen. Diese Beziehungen bringen uns Freude und liefern in schweren Zeiten auch Unterstützung.

Gennaro Leonardi auf Pixabay

Evolutionär ist es für uns das schlimmste, allein und isoliert zu sein. So ist es möglicherweise auch zu erklären, warum Isolation das Schmerzzentrum im Gehirn aktiviert und uns so animiert, soziale Kontakte zu suchen. Allein hätten unsere Vorfahren nie überleben können, sie waren auf ihr soziales Umfeld angewiesen [4].

Diese enge Verbundenheit, die wir mit anderen Menschen brauchen, um glücklich zu sein ist sicherlich auch einer der Faktoren, die Menschen in der derzeitigen Corona-Pandemie so zu schaffen machen.

Soziale Beziehungen stärken – Einsamkeit beenden

Um Einsamkeit zu beenden, bedarf es der bewussten Entscheidung, etwas zu verändern [2]. Dazu ist es gut, Einsamkeit als ein Zeichen dafür zu verstehen, dass sich etwas ändern muss anstatt in diesem Zustand zu verharren und unglücklich zu bleiben. Einsam zu sein heißt nicht, dass wir das für immer bleiben werden, aber wir sollten es als Anreiz nutzen, um aktiv zu werden.

Aktiv werden

Mit dieser Entscheidung, etwas zu ändern, sorgen wir nicht nur dafür, dass es uns besser geht, sondern auch den Menschen in unserem Umfeld. Diese profitieren davon, dass es uns besser geht aber auch, weil sie vielleicht auch unter Einsamkeit leiden. In Corona-Zeiten müssen wir kreativ werden und Technik für Online-Treffen nutzen auch, wenn das kein vollwertiger Ersatz ist. Auch, sich zum Spaziergang zu treffen und eine Thermoskanne mit Tee mitzunehmen, kann für schöne Momente und emotionalen Austausch sorgen. Wenn „nach Corona“ ein bisschen mehr Normalität einkehrt, sind Vereine und Gruppen von Gleichgesinnten der beste Platz, um Menschen kennenzulernen, die „unsere Kragenweite“ und Interessen haben. Auch ehrenamtlich zu helfen, ob Mensch oder Tier, ist wunderbar, um Kontakte zu knüpfen und sich besser zu fühlen. Wenn wir anderen Menschen (oder Tieren) helfen, fühlen wir uns gut und zufrieden aus uns selbst heraus.

llipkind auf Pixabay

Aber selbst ein kurzes Gespräch mit einer fremden Person im Supermarkt oder auf der Straße kann für beide Seiten wohltuend sein und das Gefühl der Einsamkeit reduzieren.

Dankbarkeit hilft

Und was ebenfalls helfen kann, auch wenn es unglaublich klingt: Dankbarkeit zu praktizieren [3]. Es hilft, dass wir uns mehr verbunden und weniger einsam fühlen, wenn wir dankbar für all die kleinen Dinge im Alltag sind, die einfach wunderbar sind. Anfangs mag es ein bisschen Training erfordern, diese auch zu erkennen. Aber wie oft haben wir einen wunderschönen Sonnenauf- oder -untergang, das Zwitschern die Vögel, können wir beim spazierengehen Tiere beobachten oder uns auf der Parkbank die Sonne in das Gesicht scheinen lassen.

Was sind deine liebsten Strategien, um soziale Kontakte zu pflegen und den Kontakt mit Freunden aufrechtzuerhalten, die dir wichtig sind? Ich freue mich, wenn du diese Erfahrungen mit uns teilst!


Mehr zum Weiterlesen auf meiner Seite:

Deine Eichhörnchenstrategien der Wochen 1 bis 8:

Quellen und Referenzen zum Thema:

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