Was macht uns eigentlich krank?

Was macht uns eigentlich krank?

Krankheit und Gesundheit erscheinen uns manchmal wie “Zufallsprodukte”. Wir werden einfach krank oder bleiben – wie durch ein Wunder – gesund. Um Krankheit und Gesundheit zu verstehen, müssen wir eine zentrale Unterscheidung treffen und unsere eigenen Anteil an Krankheit verstehen lernen.

Krankheiten und Krankheiten

Grundlegend müssen wir zwischen zwei verschiedenen Formen von Krankheit unterscheiden: Infektionskrankheiten und chronische Erkrankungen. Beide sind von Grund auf komplett unterschiedlich und erfordern verschiedene Herangehensweisen.

Zwei Formen von Krankheiten unterscheiden sich fundamental.
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Infektionskrankheiten

Über Jahrhunderte hinweg haben Infektionskrankheiten viele Menschen das Leben gekostet. Epidemien wie Pest oder Fleckenfieber betrafen ganze Landstriche und brachten viel Leid über die Menschen [1]. Zu den bekannten Infektionskrankheiten heute zählen Virusgrippe, Lungenentzündung oder Gehirnhautentzündung. Diese Erkrankungen “bekommen” wir einfach, sie werden durch externe Organismen wie Bakterien oder Viren verursacht, die uns krank machen. Die moderne Medizin hat gute Arbeit geleistet, dass wir an diesen Infektionen heute in der Regel nicht mehr versterben.

Bakterien und Viren verursachen Infektionskrankheiten.
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Chronische Erkrankungen

Wenn wir heute krank werden, sind dies jedoch meistens nicht die Infektionskrankheiten, die uns zu schaffen machen (abgesehen von nervigen Erkältungen). Vielmehr sind es Diabetes, Bluthochdruck, Autoimmunerkrankungen, Allergien oder Demenz, die unsere Lebensqualität drastisch einschränken. Sie scheinen normale – wenn auch unbequeme – Begleiterscheinung des Älterwerdens zu sein (so wird es zumindest oft kommuniziert). Der Einfluss auf unsere Lebensqualität ist erheblich. Sind wir doch, wie im Fall von Demenz oder Alzheimer, sogar auf Pflege angewiesen und verlieren unsere Unabhängigkeit. Es erscheint als hätten wir auf das Auftreten dieser Erkrankungen keinen Einfluss, gern werden auch “die Gene” als Verursacher herangezogen.

Auslöser Chronischer Erkrankungen

Aber das ist ein Irrtum. Diese Formen von chronischen Erkrankungen fallen nicht einfach wie durch Zufall vom Himmel, sondern sind die Folge von Entzündungen in unserem Körper [2, 3, 4]. Nicht diese Art von Entzündung, die wir bei einem verstauchten Knie erleben, wenn es anschwillt, heiß und rot wird. Das sind akute Entzündungen – ausgelöst von unserem Immunsystem. Sie sind hilfreich und lebensrettend.

Akute Entzündungen sind eine Antwort des Immunsystems auf Verletzungen.
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Vielmehr reden wir hier von einer chronischen, unterschwellig, über Jahrzehnte schwelenden Entzündung, die wir – oftmals unbewusst – immer wieder befeuert haben. Lange Zeit merken wir nichts davon, auch wenn vielleicht Entzündungswerte im Blut erste Hinweise liefern könnten. Auf lange Sicht ist unser Immunsystem aber überfordert, wenn es diesen entzündungsfördernden Faktoren dauerhaft ausgesetzt ist (dazu gleich mehr). Dann können Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Auto-Immunerkrankungen, Demenz, Übergewicht und sogar Krebs die Folge sein [5].

Welche Rolle spielen die Gene?

Wenn es möglicherweise genetische Dispositionen in der Familie für bestimmte Erkrankungen gibt, wird man diese auch bekommen, wenn man den gleichen Lebensstil übernimmt (David Brady, 9). Diese Disposition zu kennen, sollte die beste Motivation sein, den Körper vor Überlastung (weiter unten) zu schützen. Die Chance, mit einem gesunden Lebensstil, die Erkrankung nicht zu bekommen ist dann sogar oftmals geringer als bei Menschen ohne genetische Vorbelastung, die einen weniger gesunden Lebesstil pflegen! Das sollte Mut machen!

Was löst Entzündungen aus?

Auslöser für chronische Entzündungen können verschiedene Faktoren sein, Toxine, Mikroben (Pilze, Hefen), Allergene, Stress und Ernährung sind die Wichtigsten. Die Belastung mit diesen Faktoren wie bspw. Schimmel oder Formaldehyd kann wiederum bei verschiedenen Personen zu völlig unterschiedlichen Erkrankungen führen, was die Analyse etwas kompliziert macht. Eine gute Arbeit leistet auf diesem Gebiet die Funktionelle Medizin, die bisher in Deutschland leider noch nicht so weit verbreitet ist.

Stress ist ein Faktor, der uns auf lange Sicht ernsthaft krank macht.
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Wichtig für das Verständnis ist es, die Belastbarkeit unseres Körpers in die Betrachtung einzubeziehen. Wir können sie uns wie ein großes Fass vorstellen, das in unserem Körper ist. Alle belastenden Faktoren, wie toxische Chemikalien, eine nährstoffarme Ernährung, Zucker, Stress, Traume, Ärger oder unterschwellige Intoleranzen (bswp. zu Gluten) füllen dieses Fass schrittweise immer weiter auf.

Mit manchen Faktoren kann unser Körper umgehen, vor allem, wenn wir gut für ihn sorgen. Entspannung oder ausreichend Bewegung können Beispiele dafür sein, wie wir unseren Körper in seiner Funktion unterstützen können. Wenn wir dieses Fass aber schneller füllen als unser Körper entgiften kann, werden wir ernsthaft krank.

Wenn das Fass voll ist

So ist es auch zu erklären, dass wir vielleicht über Jahre (oder Jahrzehnte) eine Pollenallergien haben, hier und da einen Hautausschlag, ein bisschen Übergewicht oder leicht erhöhten Blutdruck. Der Körper tut sein Bestes, um die auf ihn wirkenden Belastungen zu bewältigen.

Allergien sind ein Warnsignal, dass unser Immunsystem überlastet ist.
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Erst nach einigen Jahren (oder Jahrzehnten) wird daraus plötzlich eine Hashimoto-Autoimmunerkrankung, Diabetes oder Morbus Crohn (entzündliche Darmerkrankung). Die Liste möglicher Autoimmunerkrankungen ist 3 1/2 Seiten lang, praktisch alle lassen sich auf die eingangs genannten Faktoren zurückführen [5, 7].

Eine Frage der Dosis

Wir sind in unserem Alltag vielen Belastungen ausgesetzt, mit denen unser Körper umgehen muss. Aber je mehr Belastungen (Toxine, Stress, nährstoffarme Ernährung) einer geringen Entlastung gegenüberstehen, desto eher werden wir krank. Unser Immunsystem reagiert plötzlich auf alles hypersensibel und greift sogar körpereigenes Gewebe an (Nerven wie bei Multipler Sklerose, die Schilddrüse bei Hashimoto oder Gelenke bei Arthritis). Medikamente helfen hier in der Regel nur zeitweise, die Symptome zu kontrollieren, indem das Immunsystem “lahm gelegt” wird. Mögliche Nebenwirkungen – wie z. B. Krebs – sind jedoch alles andere als harmlos [8].

Was du tun kannst

Präventiv und auch kurativ (also heilend) können wir jedoch weit mehr machen als wir glauben. Natürlich können wir nicht alle Belastungen aus unserem Leben entfernen, das ist utopisch. Aber wir können in kleinen Schritten dazu beitragen, dass unser “Fass” weniger schnell voll wird, indem wir Belastungen reduzieren und für bessere Entlastung sorgen. 10 hilfreiche Strategien dazu gibt es in folgendem Artikel: 10 simple Strategien für mehr Gesundheit. Lasst euch nicht davon täuschen, dass einige der Strategien sehr simpel erscheinen. Der Bereich der Lebensstilmedizin wird leider bisher noch nicht im ausreichenden Maße gewürdigt. Sie kann aber phänomenale Erfolge vorweisen, die weit über das Management von Symptomen hinausgehen und Heilung bei fortgeschrittener Diabetes oder Autoimmunerkrankungen vorweisen.

Halten sich Belastungen und Entlastungen die Waage, haben chronische Erkrankungen kaum eine Chance.
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Nicht übertreiben?

Ich kenne die Diskussionen, die bei Empfehlungen für mehr Gesundheit und eine verbesserte Unterstützung unser Körperfunktionen entstehen. Meisten ist es ein “Ja, aber…” – ein bisschen (wahlweise) Alkohol, Pizza, Brot, Süßigkeiten, Gluten, Haushaltchemikalien etc. kann doch nicht so schlimm sein. Alles in Maßen!

Aber wenn wir uns den Verlauf chronischer Erkrankungen betrachten, kann das Ergebnis von “alles in Maßen” doch nur sein, dass wir eine mittelmäßige Gesundheit, ein bisschen Demenz, ein bisschen Entzündung, ein bisschen Übergewicht, ein bisschen Diabetes und nur einen leichten Herzinfarkt haben. Kann es die Lösung sein, nach nur mittelmäßiger Lebensqualität zu streben?

Was ist deine Meinung dazu, ich würde mich freuen, sie zu hören. Kommentiere gern unter dem Artikel!


Wie du beginnen kannst, gesünder zu werden, kannst du hier lesen:


Referenzen und Tipps zum Weiterlesen:

[1] Infektionskrankheiten – damals und heute. Semmelweis Foundation. Verfügbar unter: https://semmelweis.info/infektionskrankheiten-damals-und-heute/

[2] Mark Hyman (2018): Food: What the Heck Should I Eat? Little, Brown Spark.

[3] David Perlmutter (2018): Grain Brain: The Surprising Truth about Wheat, Carbs, and Sugar–Your Brain’s Silent Killers. Little, Brown Spark.

[4] Ben Lynch (2018): Dirty Genes. A Breakthrough Program to Treat the Root Cause of Illness and Optimize Your Health. Harper One.

[5] Tom O’Bryan (2016): Auto-Immune Fix. How to Stop the Hiffen Autoimmune Damage that keeps you sick, fat and tired before it turns into disease. Rodale.

[6] Mark Hyman (2019): Betrayal Solution – Ep. 1 (Host: Tom O’Bryan)

[7] Antikörper im Blut, die auf verschiedene Autoimmunerkrankungen hinweisen können, lassen sich übrigens schon 5-15 Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit messen und bieten uns eigentlich eine wunderbare Möglichkeit, zu intervenieren, bevor wir erkranken (David Brady, Betrayal Solution, Ep. 1). Statt dessen werden sie häufig entweder nicht gemessen oder erst im Stadium der schweren Erkrankung als “Beweis” für die Diagnose verwendet. Eigentlich schade!

[8] Peter Osbourne (2019): Betrayal Solution – Ep. 1 (Host: Tom O’Bryan)

[9] David Brady (2019): Betrayal Solution – Ep. 1 (Host: Tom O’Bryan)

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