Dr. Magdalena Schauenberg

BLUTBILD: Nutzen, Grenzen & häufige Missverständnisse

Oft kommen Menschen in mein Coaching mit einem kleinen oder großen Blutbild. Wenn wir beginnen über Laborwerte und Nährstoffe beginnen zu sprechen, sagen sie oft „Mein Arzt hat alles gemessen und alle Werte sind super“. Heute möchte ich euch zeigen, was ein kleines oder großes Blutbild überhaupt ist, was wir zur Nährstoffversorgung daraus erkennen können und was das mit dem Check deines Autos in der Werkstatt zu tun hat.

Missverständnisse beim Blutbild: „Alles ist super“

Wie oft habe ich das schon gehört „mein Arzt hat alles gemessen, er hat ein (großes) Blutbild gemacht“. Was aber wirklich hinter einem großen Blutbild steckt ist, im Vergleich zu dieser Erwartung, eher ernüchternd: Es zeigt die Zusammensetzung unseres Blutes bezüglich der einzelnen Arten von Blutzellen (Lymphozyten, Thrombozyten, Erythrozyten etc.), das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Entzündungswerte. Nicht mehr und nicht weniger.

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Beim großen Blutbild (Differentialblutbild) im Vergleich zum kleinen Blutbild werden nur die Unterformen der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) noch einmal separat bestimmt [1]. Im großen Blutbild sind also weder Nährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe), Schilddrüsen- oder Blutfettwerte, Hormone, noch Zucker- oder Insulin oder Nierenfunktionswerte enthalten [2]. Der Name „großes Blutbild“ wurde einfach einmal so definiert und wird – in bestimmten Abständen – von den Krankenkassen bezahlt.

Ein theoretisches „Maximal-Labor“

Ein großes Blutbild ist weit davon entfernt, dass alles gemessen wird, was labortechnisch möglich ist. Ein solches „Maximal-Labor“ würde ca. 150 Werte umfassen und zwischen 800-2.500 Euro kosten. Das macht fast kein Mensch und es wäre in der Regel auch nicht zweckmäßig. Muss doch aus jedem Wert, der nicht optimal aussieht, eine klare Konsequenz folgen im Sinne von „was kann ich tun, um das zu verbessern oder Risiken zu reduzieren“. Darüber hinaus sind nur wenige Menschen bereit oder in der Lage, einen derartig umfangreichen Check auch zu bezahlen.

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Um das kleine oder große Blutbild im Vergleich zu „mein Arzt hat alles gemessen“ noch einmal einzuordnen, möchte ich einen Vergleich bringen. Ich habe einmal von einem Mediziner gehört (leider weiß ich nicht mehr von wem), dass dies damit vergleichbar ist, mit dem Auto in die Werkstatt zu fahren und beim Check nur das hintere rechte Rücklicht überprüfen zu lassen. Das Ergebnis „alles ist okay“ würden wir dann auch mit Vorsicht genießen. Beim großen oder kleinen Blutbild heißt „alles ist okay“ nur, dass keine Krankheiten entdeckt worden sind, die mit diesen gemessenen Werten überhaupt erkannt werden könnten.

Ergänzend bezeichnet „Okay“ für einen Laborwert lediglich, dass du im Bereich dessen liegst, wie der Großteil der Bevölkerung (siehe Bild, das sind die lila Bereiche, sowohl der dunklere als auch der hellere Farbton). Wenn wir uns so umschauen und sehen, wie krank, unfit und energielos viele Zeitgenossen sind, ist es fraglich, ob das eine gute „Messlatte“ für den Vergleich ist. „Okay“ heißt also nicht nicht, dass der Wert super ist, damit der Organismus optimal funktionieren kann, sondern dass der Wert „normal“ ist. Das das ein großer Unterschied ist, hatte ich in meinem Post zum Thema Eisenmangel schon ausführlicher beschrieben.

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NUTZEN: Was kann ein „großes Blutbild“?

Ein großes Blutbild kann aber, obwohl es nur etwa 20 Werte umfasst, dennoch einige Erkrankungen erkennen oder ausschließen. Dazu gehören beispielsweise:

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GRENZEN: Was das große Blutbild nicht kann

Wenn wir zurückdenken an den Vergleich mit dem Check des Rücklichts vom Auto in der Werkstatt, ist natürlich klar, dass ein großes Blutbild viele Dinge, einfach nicht erkennen kann. Dazu gehören zahlreiche Erkrankungen oder Mangelzustände, zum Beispiel:

Welche Laborwerte sind über das Blutbild hinaus sinnvoll?

Ich möchte diesen Beitrag gern damit abschließen, einige Hinweise zu liefern, welche Laborwerte hin und wieder überprüft werden können. Das ist keineswegs umfassend! Meine Empfehlungen würde ich, wenn ich dich vor mir hätte, normalerweise an dein Geschlecht, das Befinden, das Alter, die Ernährung, Bewegungs- und Schlafgewohnheiten, Ausmaß an Stress und auch deine Körperform (dicker Bauch?) sowie mögliche Beschwerden anpassen. Viele dieser Rahmenbedingungen liefern Hinweise darauf, wo es vielleicht nicht mehr so gut läuft, auch, wenn (noch) keine Krankheitsdiagnose vorliegt. Die meisten Werte werden in der Regel Selbstzahlerleistungen sein, manchmal sind private Krankenkassen etwas großzügiger. Es ist dabei hilfreich deinem Arzt oder deiner Ärztin mitzuteilen, dass du natürlich bereit bist, diese Kosten zu tragen ;-). Oft kann eine Praxis vorher einen groben Richtwert geben, um welche Kosten es sich dabei handelt. Die Rechnung(en) bekommst du dann in der Regel sowieso vom Labor.

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Die angegeben Werte sind keineswegs vollständig, können aber einen ersten Anhaltspunkt liefern, der weit über das hinausgeht, was ein „Blutbild“ leisten kann. Die genannten Optimalwerte stammen aus dem Buch Nährstofftherapie, der Praxisleitfaden von Dr. Helena Orfanos-Boeckel [4].

Empfohlene Laborwerte

Bei einigen dieser Werte habe ich mit angegeben, wann sie eventuell in Betracht gezogen werden sollten, je nach Symptomatik (z. B. Blässe oder Schwäche) oder auch Ernährung (vegetarisch/vegan). Es ist sinnvoll, danach zu entscheiden, wie du dich fühlst und was dein hauptsächliches Ziel ist. Beginne dann gern mit diesen Werten und arbeite dich langsam weiter vor. Diese Entscheidung kann ich dir in diesem Rahmen leider nicht abnehmen.

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Schilddrüse

Zucker- und Fettstoffwechsel

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Nährstoffmängel

Zwischen Klarheit und Verwirrung

Ich hoffe, dass du jetzt nach dem Lesen nicht komplett verwirrt bist. Mein Ziel war es zu zeigen, dass ein Blutbild eben nicht heißt, dass alles gemessen wird, was man im Blut messen kann, sondern nur einige gezielte Werte. Insbesondere die Zusammensetzung des Blutes in Bezug auf die einzelnen Blutkörperchen werden ermittelt. Genau das bekommst du, wenn du beim Arzt nach einem Blutbild fragst, so ist es definiert. Das kann ein wichtiger Ansatzpunkt sein, um Erkrankungen auszuschließen. Es ist aber nicht ausreichend, um Gesundheit zu erhalten und gezielte Informationen zu bekommen, bevor man krank ist. Das nennt man übrigens „Prävention“, auch wenn das Wort in der deutschen Sprache so abgegriffen ist, dass es einfach langweilig klingt. Aber wenn man genau hinschaut, steckt so viel dahinter!

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An dieser Stelle – wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist – haben wir viel Handlungsspielraum. Wir können gezielt unsere Gewohnheiten bezüglich Bewegung, Alkoholkonsum, Schlaf und Stress anpassen. Darüber hinaus können wir die Prozesse im Körper durch Nährstoffe so unterstützen, dass sie optimal ablaufen können. Damit geht es uns nicht nur besser, wir sind auch resilienter bei Stress und Infekten. Langfristig können wir die Wahrscheinlichkeit steigern, lange gesund zu bleiben und mit hoher Lebensqualität älter zu werden.


Weiterführende Infos zu den angesprochenen Themen:


Quellen & Ressourcen:


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