Dr. Magdalena Schauenberg

DUFTSTOFFE: Der Wolf im Schafspelz

Wir lieben Duftstoffe, also wenn etwas lecker riecht, seien es Waschmittel, Raumspray, Parfüm oder Weichspüler. Aber Vorsicht, dahinter verstecken sich häufig Substanzen, die nicht nur Allergien auslösen, uns krank machen, sondern auch unser Hormonsystem stören können. Warum das so schlimm ist, was genau sie machen und welche Alternativen du hast, darum soll es heute gehen.

Was sind Duftstoffe?

Schon seit Jahrtausenden wurden Pflanzenextrakte oder Essenzen pflanzlichen Ursprungs als Düfte eingesetzt. Duftstoffe waren damals kostbar und nur für Privilegierte zugänglich. Mit der Industrialisierung stieg die Produktion von Duftstoffen aus natürlichen Ressourcen an, später trug die synthetische Duftstoffherstellung in Chemiefabriken zur breiten Verwendung von Duftstoffen bei [21]. Wenn wir über Duftstoffe sprechen, geht es also sowohl um „natürliche“ Substanzen, wie ätherische Öle oder daraus gewonnene Düfte als auch um synthetisch gewonnene Duftstoffe.

Duftstoffe werden schon lange verwendet, früher waren sie teuer und ausschließlich pflanzlich.
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Wo und warum werden Duftstoffe verwendet?

Viele unserer Alltagsprodukte sind parfümiert. Nicht nur die offensichtlichen, wie Parfüm, sondern auch Körperpflegeprodukte, Putz- und Waschmittel, Raumsprays, Haarprodukte und die so beliebten Duftkerzen.

Wenn es irgendwo auffallend frisch, zitronig oder vanillig riecht, die Wäsche nach dem Weichspülen komplett „frisch“ riecht oder wir muffige Textilien, Schuhe oder Räume durch einen Spray wie von Zauberhand wieder „frühlingshaft“ riechen lassen können, dann sind Duftstoffe von der Partie. Sogar in Kinderspielzeug (das gern in den Mund genommen wird!) sind Duftstoffe bis zu einer gewissen Menge erlaubt [5]!

Dabei geht es den Herstellern einerseits darum, unsere Emotionen anzusprechen. Oft sollen sie ein Gefühl von Luxus, Pflege, Sauberkeit und ein positives Lebensgefühl vermitteln. Andererseits dienen Düfte und Parfüm auch der Überdeckung des Eigengeruchs von Produkten, z. B. bei Reinigungsprodukten oder Haarfärbemitteln [11].

Duftstoffe in Zahlen

Zirka 30.000 „Zutaten“ in Kosmetika und anderen Produkten kommen in der EU zum Einsatz, etwa 2.500-2.700 weitere Stoffe sind eingeschränkt oder verboten [1,2]. Duftstoffe sind ein Teil dieser eingesetzten Stoffe. Laut Duftstoffverband werden weltweit etwa 3.000 Inhaltsstoffe für die Herstellung von 60.000-80.000 firmeneigenen Duftstoffmischungen eingesetzt [3]. Ihr seht, hier wird es richtig unübersichtlich. Eine eigene Liste für erlaubte oder verbotene Duftstoffe gibt es nicht. Die Liste der verbotenen Stoffe umfasst alle eingesetzten Substanzen, also auch z. B. Farbstoffe, Konservierungsstoffe und UV-Filter [2].

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In den USA sind, im Gegensatz zur EU, weit mehr Inhaltsstoffe erlaubt [23], weil Hersteller diese Stoffe keiner Prüfung auf Ungfährlichkeit unterziehen müssen: 4.000 Duftstoffe und etwa 3.000 Geschmacks- und Aromastoffe (denk bspw. an Lippenbalsam, das nach Vanille oder Popcorn schmeckt) werden dort genutzt [4]. Nur 11-22 Stoffe sind als Zutat für kosmetische Produkte verboten (z. B. Chloroform, Quecksilbervberbindungen) [7]. Aufgrund der – für meinen Geschmack – sehr losen US-Regelung, dass Hersteller selbst ihre Stoffe auf Ungefährlichkeit prüfen sollten, gibt es für zahlreiche genutzte Stoffe überhaupt keine Daten, was deren (Un-)Gefährlichkeit für Menschen und Umwelt angeht [6]. In den USA sind beispielsweise seit 1980 etwa 64 Menschen an akuter Exposition gegenüber Methylenchlorid gestorben. Dieser Inhaltsstoff wird vor allem Haarsprays verwendet [23].


Disclaimer: Spätestens an dieser Stelle meiner Recherchen merkte ich, dass das Thema Duftstoffe keineswegs so klar strukturiert war, wie gedacht. Einerseits gibt es komplett verschiedene Regelungen für die EU im Gegensatz zu bspw. den USA. Zum anderen sind Duftstoffe eben nur ein Zusatz, der in unseren Alltagsprodukten genutzt werden kann, neben zahlreichen anderen Substanzen. Die Trennung von Inhaltsstoffen und deren Effekten ist also gar nicht so einfach möglich. Falls du hier und da beim Lesen das Gefühl hast, dass meine Aussagen etwas „schwammig“ sind, hat das genau darin seine Ursache.


Komplexe Duftkompositionen – undurchschaubar für den Verbraucher

Aber auch, wenn in Europa zahlreiche Zutaten und auch Duftstoffe nicht verwendet werden dürfen, die in den USA keinerlei Regelung unterliegen, bleibt das Feld für den Vebraucher undurchschaubar.

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Für die meisten Produkte werden komplexe synthetische Duftkompositionen genutzt, die der Verbraucher nicht kennt oder einordnen kann. Dazu gehören beispielsweise synthetische Moschusverbindungen, Phthalate, Terpene (Limonen, Citral, Linalool), Aldehyde, Parabene und Acetate [7]. Diese Verbindungen enthalten nicht nur die „duftenden“ Bestandteile, sondern Lösungsmittel, UV-Stabilisatoren, Konservierungsstoffe und Farben [6]. Und genau hier beginnen die Probleme: Viele dieser Stoffe können eine negative Wirkung auf unsere Gesundheit haben, Allergien oder Migräne auslösen, unsere Hormone durcheinanderbringen oder Krankheiten fördern [7].

Und selbst wenn wir wüssten, welche Stoffe wir vermeiden wollen, weil wir allergisch sind oder Krankheitsrisiken reduzieren wollen, ist das meistens kaum möglich. Denn der Wunsch der Firmen Rezepturen geheim zu halten wird hier ÜBER das Recht des Vebrauchers auf Schutz der eigenen Gesundheit gestellt. Das heißt, die verwendeten komplexen Mischungen von Substanzen, die für den Duft sorgen, werden auf dem Etikett lediglich als „Fragrance“ oder „Parfüm“ gekennzeichnet und zwar völlig legal [9,10,22]. Darüber hinaus haben wir keinerlei Einfluss auf die Beduftung von öffentlichen Räumen, Supermärkten, Hotels oder Büros und können bestimmte Stoffe damit praktisch kaum vermeiden [5].

Allergene dürfen enthalten sein

Obwohl einige Duftstoffe in der EU nicht zugelassen sind, dürfen Kosmetikprodukte duftende Zusätze enthalten, die Allergien verursachen oder auslösen können. 80 dieser postenziell allergenen Stoffe müssen inzwischen deklariert sein [5]. Diese Liste enthält sowohl 54 synthetische als auch 28 natürliche Duftstoffe, die ebenfalls Allergien auslösen können [12]. Aber wer liest sich schon die Etiketten durch? Und wer weiß schon, auf welchen dieser 80 Stoffe er vielleicht mit Asthma, einer Kontaktallergie oder einer allerischen Niesattacke reagiert?

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Hier nur einige Beispiele aus der Liste der Stoffe mit höherem Allergiepotenzial:

Ihr seht, diese Liste enthält sowohl natürliche Öle als auch synthetische Stoffe, bei denen wir keine Vorstellung davon haben, was für eine Substanz das eigentlich ist. Eine Liste aller deklarationspflichtigen Stoffe in Kosmetika findest du HIER [9,10].

Wüsstest du, welche dieser Stoffe eventuell bei dir zu allergischen Reaktionen führen könnten? Vermutlich eher nicht. Und genau das macht es so schwer. Aber es geht um mehr!

Duftstoffe – es geht nicht nur um Allergien

Ja, wir sollten allergene Stoffe vermeiden und das wird uns schwer gemacht. Aber es um geht noch viel mehr, auch, wenn die offizielle Kommunikation sich überwiegend auf das Problem der (Kontakt-)Allergien konzentriert. Diese Duftstoffe und natürlich auch andere Zutaten in Kosmetikprodukten, Reinigungsmitteln, Raumdüften und Pflegeprodukten können unsere Hormone stören („endokrine Disruptoren“), verschiedene Duftstoffe können möglichgerweise das Risiko für (Brust-)Krebs erhöhen oder anderweitig toxisch wirken, Atemwegsprobleme und Migräne fördern, sie reichern sich im Organismus an und können in ihrer additiven Wirkung nicht absehbare Wirkungen entfalten [13,16,17,18]. Einige dieser möglichen Auswirkungen möchte ich im Folgenden beleuchten.

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Edokrine Disruptoren

Im Alltag haben wir mit verschiedenen Stoffen zu tun, die unsere Hormone beeinflussen können, wie z. B. natürliche Isoflavone aus Soja. Auch das synthetische Östrogen in der Pille (Ethinylöstradiol) wirkt hormonverändernd, um gezielt eine Schwangerschaft zu verhindern [13].

Anders ist das bei Duftstoffen, dem Plastikbestandteil BPA oder anderen Chemikalien (z. B. Phthalaten), die unser Hormonsystem beeinflussen können, ohne das dies das eigentliche Ziel ist [13]. Oft wissen wir nicht einmal, dass sie diese Wirkungen entfalten können.

Endokrine Disruptoren können verschieden im Körper wirken: a) sie können eine hormonelle Wirkung im Körper entfalten, die gerade nicht gebraucht wird, b) sie können den Rezeptor besetzen, so dass körpereigene Hormone nicht mehr wirken können, c) sie haben eine andere Wirkung im Körper als das entsprechende Hormon oder d) sie beeinflussen die Konzentration bzw. den Abbau der Hormone im Körper [13,14]. In der Folge können sie in Verbindung gebracht werden mit Entwicklungsstörungen im Mutterleib, sinkender Fruchtbarkeit sowie Brust-, Hoden- und Prostatakrebs [14]. Diese Stoffe werden auch als „Tarnkappen-Chemikalien“ bezeichnet, weil sie den „Radar der allgemeinen toxikologischen Sicherheitsprüfungen chemischer Substanzen“ unterlaufen [14].

Was gern übersehen wird…

Einen Aspekt, der auch für die folgenden Punkte gilt, möchte ich an dieser Stelle einmal ansprechen, damit er beim Weiterlesen wie ein „roter Faden“ in deinem Kopf bleiben kann.

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Studien über Folgen endokriner Disruptoren werden in Tierversuchen gemacht oder ein Stoff wird identifiziert, weil er nachweislich Schaden verursacht hat. Was aber einfach nicht untersucht werden kann, ist die additive Wirkung aller möglichen Chemikalien, denen wir über Jahre oder Jahrzehnte ausgesetzt sind, nicht nur der Duftstoffe! Nur weil ein Stoff in einer bestimmten Konzentration nicht sofort für Schäden oder Krebs sorgt, heißt das noch lange nicht, dass er „sicher“ ist.

Auch sind Menschen in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich sensibel, seien es Schwangerschaft oder Kindheit. Auch die Addition mit Stress, bestehenden (chronischen) Erkrankungen, hormonellem Durcheinander (z. B. Wechseljahre), Rauchen oder anderen Lebesstilfaktoren kann nicht abgeschätzt werden! Aus diesem Grund würde ich generell eher zur Vorsicht raten und dich dazu ermuntern, informierte Entscheidungen zu treffen, ohne Panik.

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Darüber hinaus sind Hersteller natürlich clever darin, uns im Unklaren zu lassen, womit wir es wirklich zu tun haben: „Oft bleiben die Hersteller von Kosmetik-Erzeugnissen (..) unterhalb der deklarationspflichtigen
Konzentration [Anm. MS: 0,01% für rinse off Produkte wie Shampoo, 0,001% für leave on Produkte, wie Bodylotion [5]] oder ersetzen diese Substanzen durch andere, die sie nicht ausweisen müssen, die aber möglicherweise ebenfalls Allergien auslösen können.“ [15, S. 24].

Krebs, Mutagenität, Reproduktionstoxizität

Synthetische Moschusverbindungen, die gern in lang anhaltenden schweren Düften verwendet werden, reichern sich in Muttermilch und Fettgewebe an, können unsere Hormone stören (siehe voriger Punkt). Sie stehen im Verdacht, Krebs zu erregen und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Dennoch gibt es keine abschließenden Sicherheitsbewertungen für viele dieser Verbindungen [15].

Formaldehyd gilt als krebserzeugend und potenziell erbgutverändernd und ist in der EU inzwischen für Kosmetika verboten. Aber so genannte Formaldehyd-Abspalter, also Stoffe, die nach und nach Formaldehyd freisetzen, werden noch immer als Konservierungsmittel eingesetzt [16]. Folgende Inhaltsstoffe können ein Hinweis auf Formaldehyd-Abspalter sein: DMDM Hydantoin, Imidazolidinyl Urea, Diazolidinyl Urea, Bronopol, Quaternium-15, Sodium Hydroxymethylglycinate, Methenamine, 2,4-Imidazolidinedione und Bronidox [16]. Einige dieser Formaldehyd-Abspalter können Allergien auslösen und die Atemwege reizen [16,17].

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Wichtig: Trotz des Verbots, stößt Öko-Test immer wieder auf Formaldehyd in getesteten Produkten, beispielsweise Parfüms, Gesichtscremes, Haarwachs, Handcreme und Selbstbräuner [16].

Allergien, Sensibilisierung, Hautprobleme

Viele Duftstoffe haben den Nachteil, Allergien auszulösen und bei Hautkontakt reizend zu wirken.

Viele dieser Stoffe wirken bei bei Kontakt mit Luft und Licht weit stärker als sie das als reine Substanz tun würden. Das gilt beispielsweise für Limonen, Linalool oder Geraniol, aus denen bei Kontakt mit Sauerstoff Folgeprodukte mit einem höheren Allergiepotenzial entstehen, die auch die Haut reizen können [19]. Bei einigen Stoffen entsteht die Kontaktallergie, wenn die Haut UV-Strahlung (also der Sonne) ausgesetzt wird [19].

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Vorsicht: Das Label „hypoallergen“ oder „allergenfrei“ heißt nur, dass ein Produkt weniger allergieauslösend sein SOLL. Diese Bezeichnung hat keinerlei gesetzliche Grundlage und sagt nichts über die wirkliche Verwendung allergieauslösender Inhaltsstoffe aus [15].

Es wird noch verrückter: Auch die Bezeichnung „dermatologisch getestet“ sagt nur aus, DASS getestet worden ist. Sie sagt aber nicht aus, was an wem und bei wievielen Personen getestet worden ist und – noch schlimmer – es sagt nicht aus, was das Ergebnis dieses Tests gewesen ist (es könnte auch verheerend gewesen sein) [15]. Darüber hinaus beziehen sich diese Tests nur auf die Hautverträglichkeit und haben für Duftstoffallergiker keine Aussagekraft [15].

Kopfschmerzen und Migräne

Zirka 1/3 der Personen mit schwerer oder langfristiger Migräne sind besonders empfindlich bei Gerüchen. Diese können Migräne auslösen. Als besonders störend wird süßes Parfüm empfunden. Diese Gerüche (auch Essensgerüche oder Rauch) aktivieren nicht nur den Riechnerv (N. olfactorius), sondern auch den Trigeminusnerv, der für Schmerzwahrnehmung am Kopf verantwortlich ist. Beide Systeme sind miteinander verbunden und beeinflussen sich damit gegenseitig [29,30].

Die Verwendung stark riechender Parfüms oder die Beduftung von öffentlichen Räumen machen es diesen Menschen schwer, Migräneauslösern bewusst aus dem Weg zu gehen.

Atemwegsprobleme

Für Menschen mit empfindlichen Atemwegen kann das Leben durch die öffentliche Verwendung von Duftstoffen stark eingeschränkt sein [20]. Bei dieser Reaktion auf Duftstoffe in der Luft, handelt es sich nicht um eine Allergie, es findet also keine Beteiligung des Immunsystems statt. Vielmehr reagieren die Atemwege auf die reizende oder toxische Wirkung der eingeatmeten Duftstoffe [20]. Dabei spricht man von einer Duftstoffunverträglichkeit. Diese Duftstoffe können beispielsweise Atemnot, Husten oder (lebensbedrohliche) Asthmaanfälle auslösen [21].

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Bedenklich können diese Duftstoffe für Menschen mit COPD oder anderen Lungenerkrankungen sein. Auch Menschen, die durch Pollenallergien oder im Rahmen einer Infektion besonders empfindlich sind würden auf die Beduftung von öffentlichen Räumen oder die Parfümwolke einzelner Mitmenschen gern verzichten!

Tipp: Für Kaufhäuser, Praxen oder andere öffentliche Räumlichkeiten wäre ein Hinweisschild empfehlenswert z. B. „Hier wird für Sie beduftet“. So können empfindliche Menschen selbst entscheiden, welche Schlussfolgerung sie aus dieser Information ziehen.

15 Tipps: Was du selbst tun kannst

Abschließen möchte ich diese umfangreichen Informationen mit einigen Tipps, die dir helfen können, im Alltag bessere Entscheidungen zu treffen. Wichtig an dieser Stelle: Worauf du selbst oder deine Familie empfindlich reagiert kann individuell sein. Selbst natürliche Produkte oder Düfte mit ätherischen Ölen können Allergien oder andere Beschwerden auslösen!

  1. Lies die Zusatzstoffliste von Produkten, wie Kosmetikprodukten oder Reinigungsmitteln. Viele Stoffe mit hohem Allergie- und Sensiblisierungspotenzial sind inzwischen separat ausgewiesen (z. B. Geraniol oder Linalool) [24] – im Umkehrschluss sollten separat ausgewiesene Inhaltsstoffe dich daran erinnern, DASS sie separat ausgewiesen sind, weil sie problemtisch sein können!
  2. Vermeide Produkte mit „Parfum“ oder „Fragrance“ in der INCI-Liste (Raumdüfte, Duftsprays, Duftbäume, Waschmittel mit Parfüm, E-Zigaretten, Weichspüler, Bodylotions) [15,22]. Hier weißt du wirklich nicht, was verwendet wurde, um den Duft zu erzeugen!
  3. Achte auf versteckte Bezeichnungen wie „Aroma“ oder „Flavor“ – auch sie weisen auf Duftstoffe hin
  4. Duftstofffrei“ ist nicht gleich „parfümfrei“: Produkte können duftstofffrei sein, es wurden also keine Duftstoffe zugesetzt und trotzdem können sie andere Bestandteile, wie ätherische Öle oder Pflanzenextrakte enthalten, die potentiell eine Allergie triggern können.
  5. Achte auf weitere Inhaltsstoffe, denn nicht nur Duftstoffe können reizend wirken, auch Parabene, Konservierungsstoffe oder Farbstoffe können Beschwerden verursachen.
  6. Nutze Cremes und Kosmetika, die am besten nur wenige Inhaltsstoffe enthalten und auf ätherische Öle und „Parfüm“ verzichten z. B. Junglück (Peta zertifiziert und Produkttestung durch dermatest-garantie.de ) oder https://greendoor-naturkosmetik.de/ (ECOCERT) (unbezahlte Werbung durch Produktnennung)
  7. Auch bei so genannter „Naturkosmetik“ im Drogerieladen lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffliste, denn verschiedene Duftstoffe dürfen verwendet werden, können aber Allergien oder Empfindlichkeit auslösen.
  8. Wenn du mehr über problematische Inhaltsstoffe in Kosmetika wissen möchtest, kannst du HIER weiterlesen [25]
  9. Hilfreich kann hier auch die unabhängige YUKA-APP [26] sein, die vor bestimmten „Zutaten“ in Kosmetika warnt. Yuka kann jedoch leider (bisher?) keine Waschmittel, Weichspüler oder Reinigungsprodukte bewerten.
  10. Wenn du gern Parfüm verwenden möchtest, kann die Zertifizierung ECOCERT eine Grundlage für deine Suche sein. Aber auch die Verwendung natürlicher Inhaltsstoffe ist keine Versicherung dafür, dass du nicht sensibel darauf reagierst.
  11. Parfüm aus natürlichen Inhaltsstoffen gibt es bspw. bei Nuori (aber auch auf ätherische Öle kann man allergisch sein). Eine Übersicht findest du hier: https://nuori.com/collections/parfum-naturel (unbezahlte Werbung durch Produktnennung) (Disclaimer: Habe diese Marke selbst noch nicht ausprobiert)
  12. Sprühe Parfüms eher auf deine Kleidung als auf die Haut und atme den Sprühnebel nicht ein (letzteres gilt auch für Haarspray & Co.).
  13. Wenn ein Raum, das Sofa , Kleidung, dein Auto oder Schuhe müffeln, dann ist Waschen oder Lüften angesagt, nicht das Sprühen irgendwelcher Stoffe, die angeblich Gerüche neutralisieren, ohne dir zu berichten, was du da eigentlich sprühst, wie die Gerüche (angeblich) neutralisiert werden und welche Endprodukte neu entstehen.
  14. Hier gibt es eine Liste von Produkten, die für Allergiker getestet wurden: https://www.daab.de/fileadmin/images/daab/content/pdf/Logo_Liste_2025.04.pdf mehr zur Testung selbst unter [27]
  15. Produkte mit der Kennzeichnung Blauer Engel (*) für bspw. Kinderspielzeug, Farben etc. findest du hier: https://www.blauer-engel.de/de/produktwelt
    • * „Der Blaue Engel garantiert, dass ein Produkt die Umwelt und das Klima weniger belastet und dabei hohe Ansprüche zum Schutz der Gesundheit erfüllt – und dies bei gleicher Gebrauchstauglichkeit und Qualität“ [28].

Nachtrag

In Anbetracht dessen, was ich jetzt zum Thema weiß, wollte ich noch einen Gedanken mit euch teilen. Ich würde dringend davon abraten, Kosmetikprodukte beispielsweise in den USA zu kaufen, weil es sie nicht in Deutschland gibt oder dort zu bestellen. Auf Reinigungsprodukte trifft das weniger zu, weil wer kauft diese schon im Urlaub ein oder zahlt freiwillig Versand und Zoll.

Produkte aus den USA

Wie oben beschrieben sind so wenige Stoffe in den USA für die Herstellung von Kosmetik- und Pflegeprodukten verboten, dass es beängstigend ist. Wollen diese Firmen ihre Produkte in Europa auf den Markt bringen, müssen sie sich an die EU-Regelungen halten, die weitaus strenger sind. Das würde im Klartext heißen, dass viele Produkte komplett umformuliert werden müssten, um Stoffe zu entfernen, die in der EU als giftig und verboten klassifiziert sind. Wenn eine Firma das nicht macht oder nicht machen möchte, sollten wir die Produkte sicherlich nicht auf unsere Haut reiben oder uns damit schminken.

Ein Artikel zu den Nebenwirkungen von Duftstoffen und anderen Zutaten, die in den USA erlaubt sind, hätte komplett andere Ausmaße hinsichtlich der Gefährlichkeit dieser Stoffe und deren Auswirkungen (z. B. Krebsrisiko) angenommen als dies für Produkte der Fall ist, die in der EU zugelassen sind. Wenn du mehr dazu wissen willst, ist der Download [6] für dich sicherlich weiterführend, auch wenn er sich „nur“ mit Duftstoffen beschäftigt.


Zum Weiterlesen über Toxine:


Referenzen und Ressourcen

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