Bewegung: 5 überraschende Effekte, von denen du noch nie gehört hast.

5 überraschende Effekte von Bewegung

Wir sind für Bewegung gemacht. Alle Prozesse im Körper funktionieren nur einwandfrei, wenn Aktivität sich durch unseren Alltag zieht: Das Gehirn, die Muskeln, unsere Organe, die Stimmungsregulierung, Hunger und Appetit und soziale Beziehungen. Und das ist noch nicht alles. Warum Bewegung noch viel wichtiger ist als wir bisher dachten und welche überraschenden Effekte sie auf unser Befinden hat, darum geht es heute.

Wir sind für Bewegung gemacht, sie macht uns glücklich.
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Bewegung ist unsere Natur

Vermutlich haben wir Menschen uns nur deshalb so weit entwickelt, weil wir uns so viel bewegt haben. Neben denken und planen ist fast alles in irgendeiner Form mit Bewegung verbunden, wenn auch in den letzten Jahren in geringerem Maße. Kommunikation, Suche nach Essen, Arbeit und auch die Pflege sozialer Kontakte. Bewegung ist so zentral für alle Funktionen von Geist und Körper, dass wir nicht optimal funktionieren können, wenn diese „Zutat“ fehlt. Langfristig werden wir durch mangelnde Bewegung sogar krank.

Die Kategorie „Bewegung“ umfasst dabei sowohl wenig intensive Alltagsbewegung, wie einkaufen oder putzen als auch intensiveres Ausdauer und Krafttraining sowie Aktivitäten wie Yoga oder Pilates.

Bewegung umfasst Alltagsaktivitäten, aber auch Yoga und hartes Training.
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Menschen, die körperlich mehr körperliche Aktivität in ihren Alltag integrieren, sind glücklicher, führen bessere Beziehungen, sehen mehr Sinn in ihrem Leben und haben ein geringeres Risiko sowohl für Depressionen als auch für Einsamkeit [1]. Wenn es ein Medikament mit diesen Wirkungen gäbe, wäre es vermutlich unbezahlbar. Aber das ist lange noch nicht alles.

Bewegung verändert das Gehirn

Bewegung aktiviert nicht nur unsere Muskeln, sie verändert tatsächlich unser Gehirn und Nervensystem. Sie sorgt dafür, dass wir empfänglicher für Freude und Genuss werden und widerstandsfähiger gegen Stress.

Informationen verändern das Gehirn
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Schon 20 Minuten Ausdauertraining aktivieren unser Endocannabinoides System, welches auch aktiviert wird, wenn wir bspw. Cannabis konsumieren. Das kann aber tatsächlich nur deshalb wirken, weil es bereits Rezeptoren in unserem Körper gibt, an denen körpereigene Botenstoffe „andocken“ können, wie eben beim Sport.

Deswegen fühlen wir uns nach dem Sport so viel besser, ruhiger und ausgeglichener. Die neuro-chemischen Veränderungen führen dazu, dass wir mehr Hoffnung haben, uns stärker, selbstbewusster und optimistischer fühlen, uns weniger Sorgen machen und mehr Freude an sozialer Interaktion haben.

Muskelarbeit verändert die Selbstwahrnehmung

Anstrengende Muskelarbeit, vor allem wenn die Muskeln in unserer Mitte herausgefordert werden (Core), sendet Signale an unser Gehirn, dass wir uns gut fühlen. Gleichzeitig reduziert sich Angst, mit der viele Menschen häufig zu kämpfen haben. Kelly McGonigal geht in ihrem Buch [1] davon aus, dass dieser Effekt damit zusammenhängt, dass unser Gehirn die Botschaft erhält „ich habe das unter Kontrolle“ und „ich habe das geschafft“. Die Bewältigung der Übung wird also im positivsten Sinne auf den ganzen Körper und das Leben generalisiert: „Ich bin stark“ und „ich kann schwere Dinge bewältigen“. Was für ein toller Effekt.

Bewegung sendet Informationen an das Gehirn, wie "ich bin stark"!
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Bewegungsformen, die uns glücklich machen

Darüber hinaus hat jede Form von Bewegung ein typisches Feedback an unser Gehirn. Wenn wir beispielsweise tanzen oder Yoga praktizieren und die Arme weit zur Seite oder nach oben strecken und dabei das Kinn heben, ist das die gleiche Haltung wie bei überschwänglicher Freude oder bei einem Sieg.

Bewegungen wie in Yoga und Tanz machen uns glücklich.
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Das bewirkt etwas in unserem Gehirn, selbst wenn wir zu Beginn der Yoga- oder Tanzstunde noch müde und traurig waren. Nach einigen Minuten ist sich unser Gehirn sicher, dass wir super glücklich sind, denn sonst würden wir uns nicht so bewegen. Laufen hingegen aktiviert das Gefühl frei, ausdauernd und zielgerichtet zu sein.

Durch Bewegung Emotionen neu bewerten

Viele Menschen leiden in alltäglichen Situationen unter Ängsten , ob das öffentliches Sprechen, Aufzüge, größere Menschenmengen oder Flugreisen sind. Die Gefühle, die diese Situationen in ihnen hervorrufen, erscheinen beängstigend. Deswegen werden auslösende Situationen so gut wie möglich gemieden. Sport und Bewegung bietet hier einen interessanten Ansatz, um mit diesen körperlichen Symptomen, wie Herzrasen oder schwitzenden Hände anders umgehen zu können.

Training hilft uns, Angstsymptome als nicht bedrohlich zu erleben.
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Diese Symptome bekommen nämlich ihre emotionale Bedeutung erst durch unsere individuelle Bewertung. Sie bilden quasi eine Feedbackschleife und verstärken die zugrundeliegende Angst weiter, weil wir sie als solche klassifizieren.

Nun sind Herzrasen oder schwitzende Hände erst einmal völlig neutrale körperliche Symptome. Herzrasen könnten wir auch nach einem Sprint haben und feuchte Hände nach einem anstrengenden Training. Dort bringen wir sie jedoch nicht  mit der Kategorie „Angst“ in Zusammenhang.

Körperliche Symptome anders bewerten

Diese sportlichen Situationen können eine Gelegenheit sein, sich zielgerichtet nicht bedrohlichen Situationen auszusetzen, welche die gleichen körperlichen Symptome hervorrufen und diese bewusst auszuhalten. Das sorgt für eine Gewöhnung. Nach einiger Zeit gelingt es uns viel leichter, wenn wir doch mal in ein Flugzeug steigen müssen, die schwitzenden Hände als nicht bedrohlich zu erleben, denn im Sport hatten wir diese Erfahrung ja oft genug.

Eine wunderbare Ergänzung kann dazu die Lieblingsmusik sein, die wir beim Training regelmäßig hören. Sie auch in oder vor angstbesetzten Situationen zu hören, verändert unsere Wahrnehmung. Denn diese Musik verbindet unser Gehirn bereits damit, dass wir uns gut, kraftvoll und energiegeladen fühlen.

Die Lieblingsmusik mit unserem Sport zu verbinden macht sie in angstbesetzten Situationen sehr hilfreich.
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Ein zentraler Aspekt dieses „Trainings“ ist jedoch auch die Art und Weise, wie wir in beängstigenden Situationen zu uns selbst sprechen oder welche Horrorszenarien wir uns gedanklich ausmalen. Ganz gezielt die Bilder unseres Trainings aufzurufen (in dem wir schwitzende Hände und eine hohe Herzfrequenz erlebt haben) und unsere Symptome damit in Zusammenhang zu bringen, ganz nach dem Motto „das kenne ich ja schon, alles ist völlig entspannt“, ist ein Schlüssel zum veränderten Umgang mit dieser Angst.

Training hilft beim Umgang mit Schmerzen

Training kann uns selbst beim Umgang mit chronischen Schmerzen helfen. Wenn wir trainieren und das anstrengend ist, unser Kopf und die Muskeln uns sagen, dass wir doch lieber aufhören sollten, weil es unbequem ist und wir dennoch die Übung beenden, macht das etwas mit uns. Es lehrt uns Prioritäten zu setzen und unseren Fokus zu lenken. Das kann sehr hilfreich sein, denn wir lassen uns von den körperlichen Symptomen nicht dominieren, sondern führen aus, was uns wichtig ist.

Bewegung und Training helfen uns, Schmerzen zu tolerieren, wenn wir ihnen nicht entkommen können.
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Dies soll keine Ermunterung dazu sein, mit Verletzungen zu trainieren oder sich den Empfehlungen des Arztes zu widersetzen, sondern lediglich eine Möglichkeit aufzeigen.

Viele chronische, mit Schmerzen verbundenen Erkrankungen werden in der Tat schlechter, wenn wir uns nicht bewegen. So müssen wir uns, trotz Schmerzen, dennoch zum Training aufraffen. Das wirklich geschafft zu haben, hilft uns, mit der Situation als solches in Zukunft leichter umzugehen. Wir gewinnen mentale Stärke, um die Schmerzen auszuhalten, die sich nicht ändern lassen. Gleichzeitig wissen wir, dass unser zukünftiges Selbst uns dafür dankbar sein wird, diese Entscheidung immer wieder getroffen zu haben.

Unendliches Potential körperlicher Bewegung

Ergebnisse der Forschung zu Bewegung, Training und körperlicher Anstrengung geht weit über das hinaus, was wir typischerweise damit verbinden: eine gute Figur, Fitness und Gesundheit. Aber gerade diese Erkenntnisse finde ich super spannend, weil sie sich mit anderen Bereichen unseres Lebens, unserer Selbstwahrnehmung und Schwierigkeiten überlappen. Die Integration von weniger intensiveren und anstrengenderen Bewegungs- und Trainingsformen hat damit das Potential, noch viel mehr in unserem Leben positiv zu verändern!


Zum Weiterlesen auf meiner Seite zum Thema „Bewegung“:


Mehr zu diesem Thema gibt es hier (nur in Englisch):

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