Unerwünschte Gewichtszunahme – 5 weitere Gründe.

Plötzlich geht es wieder los, die Waage zeigt 5 kg mehr an und wir haben keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte!

Viel seltener als wir glauben, sind einfach „Kalorien“ die Ursache dafür, dass unsere Waage erbarmungslos immer mehr Gewicht anzeigt. Unser Körper ist ein fein abgestimmtes System, das nur dann perfekt funktionieren kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Welche weiteren Gründe können die Ursache für die unerwünschte Gewichtszunahme sein?


Im ersten Teil des Artikels habe ich vor einiger Zeit bereits 5 Faktoren thematisiert, die mit einer Gewichtszunahme in Verbindung stehen können. Wenn dieser Artikel für dich interessant ist, dann findest du ihn hier: 5 Gründe, warum Du plötzlich zugenommen hast.


1. Insulin & Fettspeicherung

Wenn wir Kohlenhydrate essen, also Zucker und Lebensmittel wie Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln und Obst, muss der Zucker vom Blut in unsere Zellen gelangen, um als Energie genutzt zu werden. Das ist die Aufgabe von Insulin, einem Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Der Haken an diesem Mechanismus ist, dass wir nach jeder Mahlzeit und praktisch jedem Snack Insulin aktivieren. Denkt nur einfach an Brötchen, Haferflocken,  Kartoffeln, das Teilchen vom Bäcker, den Schokoriegel und die Limo. Insulin sendet unserem Körper das Signal, Fett zu speichern und kein Fett aus dem Speicher zu entlassen. So sammelt unser Körper mehr und mehr Fett an.

Insulin hilft, einen hohen Blutzuckerspiegel zu reduzieren und sendet das Signal zur Fettspeicherung.
Photo Credit: Pixabay

Das mag klingen als wäre es eine Fehlkonstruktion der Natur, macht aber Sinn, wenn wir darüber nachdenken, wie unsere Vorfahren gelebt und gegessen haben, denn daran ist unser Körper perfekt angepasst.

Unsere Vorfahren und Insulin

Je nach Region haben unsere Ahnen von Gemüse, Blättern, Samen, Nüssen, Fleisch und Fisch gelebt. Das sind alles sehr kohlenhydratarme Nahrungsmittel. Nur im späten Sommer und Herbst waren Früchte oder Honig verfügbar. Eine knappe Zeit mit reichlich Kohlenhydraten vor dem kargen Winter. Nun ist direkt genial, dass dieses Angebot an Zucker den Körper zur Fettspeicherung animiert, denn dieser mechanismus hat uns das Überleben gesichert. Nach der Erfindung des Ackerbaus und noch vielmehr heute in Zeiten von Süßigkeiten und Fast Food, wird diese Mechanismus jedoch dauerhaft aktiviert und sorgt für Übergewicht.

Alltagstipp: Nimm deinen Konsum von Zucker, Getreide, Kartoffeln und süßen Getränken einmal kritisch unter die Lupe und überlege, wo ein Austausch gegen Gemüse, Nüsse, Avocado oder Fisch erfolgen kann. Beginne dann an der Stelle, wo es für dich momentan am einfachsten ist. Wenn das erfolgreich umgesetzt ist, folgt der zweite Schritt. 

2. Stress & Gewichtszunahme

Stress macht uns dick und krank, zumindest in dem Übermaß, in dem wir heute versuchen, alle Erwartungen zu erfüllen und gleichzeitig nichts zu verpassen. Stress in kurzen Episoden, wie bspw. die Flucht vor einem Angreifer, rettete uns entwicklungsgeschichtlich das Leben, daran sind wir perfekt angepasst. Und dieses „Stressprogramm“, bei dem es um Leben oder Tod geht, läuft auch heute, jedes Mal, wenn wir uns an einer roten Ampel ärgern, vom Kollegen genervt sind, Zeitdruck haben oder uns über Kleinigkeiten beschweren. Wir haben nur dieses eine Programm, es gibt keine abgeschwächte Version für die besagte rote Ampel. 🙂

Stress verändert unseren Hormonhaushalt und kann so für Gewichtszunahme sorgen.
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Das Stressprogramm & Gewichtszunahme

Wenn unser Körper das Stressprogramm aktiviert, optimiert er Funktionen für Kampf oder Flucht. Dabei bleiben Mechanismen auf der Strecke, die für den Kampf um das akute Überleben nicht wichtig sind, wie z. B. die Verdauung, Fettverbrennung aber auch Heilung. Eine blockierte Fettverbrennung ist bereits ein Hinweis darauf, wie Stress mit Gewichtszunahme zusammenhängen kann. Darüber hinaus bedient Stress aber noch weitere Mechanismen: wir bekommen Heißhunger auf Zucker und Fett, so dass in stressigen Zeiten oft Süßigkeiten unser bester Freund sind. Zucker aktiviert, wie wir oben gelesen haben, Insulin, was die Fettspeicherung und Gewichtszunahme fördert. Ein fataler Kreislauf.

Alltagstipp:  In stressigen Zeiten achte ganz bewusst auf eine Ernährung, die weitgehend auf farbenfrohen Gemüsesorten und gesunden Fetten basieren sollte. Beginne Aktivitäten, die Stress reduzieren, wie Spaziergänge, Yoga, Meditation oder bewusste Atmung. Sie reduzieren den Heißhunger auf Süßigkeiten und reduzieren den Spiegel der durch Stress ausgeschütteten Hormone (Cortisol und Adrenalin). Ein Stressmanagement-Coaching kann helfen, die richtigen Strategien für deine persönliche Lebenssituation zu erarbeiten.

3. Mikrobiom – 100 Trillionen Bakterien

Was so wissenschaftlich klingt, ist nichts anderes als unsere Darmbakterien. Auch wenn das – zumindest bisher – kein Thema für die Kaffeetafel ist, bleibt gern hier. Es lohnt sich.

Wusstet ihr, dass wir mehr bakterielle DNA (also Erbgut) besitzen als menschliche DNA? In uns leben 500 verschiedene Spezies, etwa 100 Trillionen Bakterien, Viren und Pilze, das so genannte Mikrobiom. Nur um diese unvorstellbare Zahl noch einmal zu verdeutlichen: Wir haben so viele Bakterien in unserem Darm, wie es Sandkörner an einem Strand gibt, der 1,6 km lang (1 Meile) ist [1]. Es sendet weit mehr Signale an unser Gehirn als das Gehirn an den Darm sendet. Nicht umsonst wird das Mikrobiom unser zweites Gehirn genannt, mit 3 Pfund hat es auch ein vergleichbares Gewicht.

Die richtige Balance der Darmbakterien entscheidet über Gewicht, Hunger und auch Heißhunger.
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Diese Darmbakterien sorgen für die Produktion von Serotonin (Wohlfühlhormon), Melatonin (Schlafhormon mit weiteren Funktione), Hunger, Appetit, die Arbeit unseres Immunsystems und noch viel mehr.

Dicke Mäuse mit neuen Darmbakterien

Versuche zeigen, dass schlanke Mäuse, die Darmbakterien von übergewichtigen Menschen eingesetzt bekamen, plötzlich dick wurden [2]. Die Zusammensetzung unserer Darmbakterien bestimmen wir mit unserer Ernährung. Das beste Futter für die Bakterien ist ballaststoffreiches und buntes Gemüse sowie fermentierte Lebensmittel, wie z. B. Sauerkraut.

Das perfekte Futter für die guten Darmbakterien: Buntes Gemüse!
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Essen wir viel Zucker und bekommen die Darmbakterien nicht das Futter, bei dem sie gedeihen können, ändert sich die Zusammensetzung unserer Darmflora. Die bösen Bakterien bekommen dann die Oberhand und davon können wir krank und dick werden, Depressionen, Angststörungen und Heißhunger auf Zucker bekommen, um nur einige Auswirkungen zu nennen. Wer jetzt doch ein bisschen neugierig auf das Thema geworden ist, findet unter dem Artikel eine gute deutsche Buchempfehlung [3].

Alltagstipp:  Nährt die guten Darmbakterien mit viel buntem Gemüse und Salat, roh oder gedünstet. Kombiniert das mit fermentierten Lebensmitteln und versucht schrittweise Zucker, Süßstoff und stark verarbeitete Lebensmittel von Eurem Speiseplan zu streichen und super sparsam mit der Verwendung von Medikamenten und Antibiotika zu sein. Wenn Eure Darmbakterien glücklich sind, seid ihr es auch und das Abnehmen klappt plötzlich auch!

4. Schlaf – unterschätzter Abnehmfaktor

Die Bedeutung von Schlaf wird meines Erachtens massiv unterschätzt. Er beeinflusst alle Funktionen und Organsysteme in unserem Körper und sorgt dafür, dass alle Zahnräder des komplexen Systems perfekt ineinandergreifen. Schlafmangel oder schlechter Schlaf können daher eine so immense Wirkung auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit haben. Um nur einige Beispiele zu nennen: Alterungsprozesse verlaufen schneller, die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert sich (siehe oben), Hunger & Sättigungshormone verändern sich zu unseren Ungunsten, Stresshormone werden nicht abgebaut, Trainingseffekte gehen verloren, unser Gedächtnis wird beeinträchtigt und noch viel mehr.

Ein schlechtes Gedächtnis kann eine Konsequenz von schlechtem oder zu wenig Schlaf sein.
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Schlafmangel allein kann eine Ursache für Gewichtszunahme sein. Die Zusammensetzung unserer Hormone verändert sich, wir haben mehr Hunger auf Zucker und sind weniger schnell satt. Allein das kann zu einer Gewichtszunahme von 1,5 kg je Woche führen [4]. Bei gleichem Trainingsprogramm und gleicher Ernährung konnte in einem Versuch die Gruppe mehr Fett abbauen, die 8.5 Stunden Schlaf bekam (wobei der Schlafbedarf individuell ist), während die Gruppe, die nach 5.5 Stunden geweckt wurde, 50% weniger Fett abbaute [5].

Alltagstipp: Detaillierte Tipps zum Thema Schlaf gibt es im folgenden Artikel auf meiner Seite: Warum Schlaf wichtiger ist als Training & Ernährung zusammen! Als zwei zentrale Strategien würde ich damit beginnen, Kaffee, Energy Drinks und schwarzen Tee nur bis 14 Uhr zu trinken und abends, vor dem Schlafengehen etwa 60-90 Minuten ohne Computer, Fernsehen, Handy, iPad oder Kindle zu verbringen. Ein gutes altes Buch aus Papier oder ein interessantes Hörbuch sind ein adäquater Ersatz.

5. Chronische Entzündungen – die Ursache für viele Beschwerden

Entzündungen sind ein wichtiger Mechanismus unseres Körpers, um Infekte abzuwehren und die Heilung von Verletzungen sicherzustellen. Eine Vielzahl unserer modernen Lebensbedingungen sorgt jedoch leider für chronische und unterschwellige Entzündungen, die unser Immunsystem dauerhaft aktivieren. Toxine (z. B. Pestizide), Elektromagnetische Strahlung, Stress, Bewegungsmangel, Zucker, Fast Food, Getreide, Alkohol und Rauchen sind nur einige Beispiele für diese Lebensbedingungen.

Entzündungen sind wie ein schwelender Waldbrand und unser Immunsystem läuft dauerhaft auf Hochtouren.
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Wie ein schwelender Waldbrand sind diese chronischen Entzündungen oft über Jahre oder Jahrzehnte vorhanden, die daraus resultierenden Symptome können oft nicht richtig eingeordnet werden wie z. B. Depressionen, Angststörungen, Gelenkschmerzen, Autoimmunerkrankungen, Diabetes, Demenz, Übergewicht oder eingeschränkte kognitive Funktionen (Gedächtnis, Planung, Gleichgewicht…).

Unerwünschte Gewichtszunahme ist ein Symptom entzündlicher Prozesse und nicht einfach nur eine Ansammlung von passivem Fettgewebe. Dieses Fett ist hochaktiv, verändert unseren Hormonstoffwechsel und fördert seinerseits wieder Entzündungen.

Alltagstipp: Erstaunlich viele unserer Lebensbedingungen fördern unterschwellige chronische Entzündungen und am Ende ist die Summe aller Faktoren entscheidend. Versucht, diese Faktoren schrittweise zu reduzieren, beginnend mit dem, was am einfachsten ist. Das wird für jeden verschieden sein. Die Entscheidung könnte heißen, nur noch 1x in der Woche Alkohol zu trinken oder Süßigkeiten zu essen, Ausgleich für Stress in Form von Bewegung oder Entspannung zu suchen, nachts das W-Lan zu Hause auszuschalten, abends den Fernseher eher auszuschalten.

Was ist deine neue Strategie im Jahr 2020?


Hier gibt es weitere Artikel zum Thema „Abnehmen“:


Wenn Du individuelle Hilfe, Beratung und Unterstützung wünscht, findest Du die Infos dazu hier:


[1] https://www.cbsnews.com/news/how-the-guts-microbiome-affects-weight-gain/

[2] https://www.cbsnews.com/news/gut-bacteria-may-be-key-to-fighting-obesity/

[3] Giulia Enders (2017): Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ – aktualisierte Neuauflage. Ullstein Hardcover (auch als Taschenbuch, Kindle, Hörbuch und Audio-CD), 11. Auflage.

[4] Shawn Stevenson (2016): Sleep Smarter. 21 Essential Strategies to sleep your way to a better body, better health, and bigger success.

[5] https://www.sciencedaily.com/releases/2010/10/101004211637.htm

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