Mit dieser “Gehirnwäsche” nehmen wir nicht ab! (Teil 4)

Die Ursachen für unser (Über-)Gewicht sind weit komplexer als wir im Allgemeinen annehmen, denn die Kalorien, die wir aufnehmen, sind nur ein Teil des ganzen Systems. Wir sollten unser Augenmerk vor allem auf unsere Rahmenbedingungen legen, die uns dazu bringen zu essen, obwohl wir nicht hungrig sind oder zu hungern, weil wir glauben, dass würde uns endlich glücklich machen. Die Gehirnwäsche durch Medien und Diätratgeber ist der Hauptaspekt, dem ich mich in diesem Artikel zuwenden möchte.


Vorige Teile der Serie

Die vorigen Teile 1 bis 3 dieser Serie widmen sich weiteren Einflussfaktoren darauf, ob wir zunehmen oder abnehmen. Du kannst sie direkt nachlesen, wenn du auf die folgenden Links klickst (sie werden in einem neuen Tab geöffnet, so dass du einfach zu diesem Artikel zurückkehren kannst). Der 5. Teil wird später hier auch verlinkt, ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch in Arbeit.


Medien

Der Einfluss von Medien darauf, was wir uns wünschen und für “normal” halten ist immens. Jeden Tag sorgen Werbung, Bilder und Filme dafür, neue Wünsche in uns zu wecken. Das Design und die Planung – vor allem von Print- und TV-Werbung – ist perfide und zielt mit dieser Gehirnwäsche genau auf unsere Schwachstellen ab.

Wir wollen uns gut fühlen

In der Regel ist dies der Wunsch, uns gut zu fühlen, beliebt zu sein und toll auszusehen. Um das Thema ein wenig einzuschränken, möchte ich zunächst bei der Werbung für Essen bleiben. Da gibt es Nuss-Nougat-Cremes, Chips, Popcorn mit Karamelgeschmack oder Schokoriegel, die uns wahlweise gesund und glücklich machen oder erst wieder dafür sorgen, dass wir “wir selbst” sind.

Mit Schokolade glauben wir, uns etwas Gute zu tun.
Photo Credit: Pixabay

Bedürfnisse, die vielleicht noch gar nicht vorhanden waren, werden durch ein raffiniertes Spiel mit unseren Emotionen geweckt. Das Wasser läuft uns im Mund zusammen und wir beginnen zu glauben, dass wir uns (und unseren Kindern) mit diesen Produkten etwas Gutes tun. Ziel dieser Werbung ist – und das sollten wir nicht aus dem Auge verlieren – die Steigerung des Umsatzes der Firmen, nicht unsere Gesundheit.

Gehirnwäsche in der Werbepause

Höchstwahrscheinlich beginnen wir auch gleich in der Werbepause, die Chips zu essen oder das Bier zu trinken, auf die wir gerade so urplötzlich Appetit bekommen haben. Aber selbst, wenn wir in der Werbepause widerstehen können, die Saat ist gesäht. Unser Unterbewusstsein hat – dank der Gehirnwäsche – alle Informationen abgespeichert. Später erkennen wir die Marken aus der Werbung im Supermarkt wieder und probieren sie aus (ohne uns des Einflusses der Werbung bewusst zu sein). Irgendwie hoffen wir, dass wir uns auch so gut fühlen, wie die Menschen in der Werbung. Unser Bestreben, uns gut zu fühlen, macht uns anfällig für derartige Werbebotschaften, umso mehr, je weniger glücklich und zufrieden wir insgesamt und mit uns selbst und unserem Leben sind.

Plötzlich haben wir Appetit auf Chips und keine Ahnung warum.
Photo Credit: Pixabay

Unrealistisches Körperbild

Unser Körperbild ist ebenfalls ganz massiv durch Werbebotschaften beeinflusst. Super schlanke und blutjunge Models in der Werbung, durchtrainierte und muskulöse junge Männer geben vor, was scheinbar normal und vor allem “schön” ist. So makellos möchten wir auch gern aussehen. Im Vergleich mit diesen Bildern, fühlen wir uns plötzlich gar nicht mehr gut und bekommen spontan Appetit auf etwas Süßes. Schließlich hat unser Kopf oftmals schon in der Kindheit gelernt, dass Naschen unser Wohlbefinden verbessert und uns ablenkt. Mit etwas Schokolade im Bauch, fühlen wir uns gleich ein bisschen besser (wenn auch nur vorübergehend).

Gegen Models in der Werbung fühlen wir uns ganz schön minderwertig.
Photo Credit: Pixabay

Woran wir dabei nicht denken ist, dass diese Menschen einerseits blutjung sind und unter tausenden von Bewerbern ausgewählt wurden, sie aber andererseits auch stundenlang in der “Maske” gewesen sind (Stichwort “Ganzkörper Make Up”) und perfektes Licht für makellose Gesichtszüge und Formen sorgt. Werbebilder sind darüber hinaus massiv mit Photoshop bearbeitet, selbst die Models erkennen sich nach derartiger “Bearbeitung” oftmals kaum wieder. Da werden Beine verlängert, Augen vergrößert oder auch eine Barbie-Taille gezaubert, alles ist möglich (irre Photoshop Beispiele). Und wir halten diese Bilder für real und glauben, dass wir unzulänglich sind, weil wir Pickel, Falten und Pölsterchen haben. Das ist doch verrückt!

Gehirnwäsche durch Spielzeug

Auch unser Spielzeug prägt schon bei kleinen Mädchen und Jungs das Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit. Barbie und Superman sind aus kaum einem Kinderzimmer wegzudenken. Aber wusstet ihr, dass Barbie im echten Leben gar nicht lebensfähig wäre und auf allen Vieren laufen müsste, weil die Füße so klein sind? Und wenn kleine Jungs denken, dass die Menge an Muskeln von Super- oder Batman normal ist, kann sich ein junger, heranwachsender Mann, mit den oft schlacksigen Proportionen einfach nur minderwertig fühlen.

Barbie wäre im echten Leben nicht lebensfähig, vermittelt uns aber ein Gefühl dafür, wie wir aussehen sollten.
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Lösungsansätze: Sich der Gehirnwäsche entziehen

Eine zentrale Strategie im Zusammenhang mit Werbung und Gehirnwäsche kann sein, uns der Einflüsse bewusst zu werden und sie zu reduzieren. Das kann auf verschiedene Art und Weise passieren. Vielleicht bieten die folgenden Beispiele euch einige Inspiration.

Fernseheinfluss reduzieren

Den Fernsehkonsum zu reduzieren und die Werbepausen nutzen, um sich bspw. einen Tee zu kochen, ein paar Übungen zu machen oder anderweitig zu beschäftigen, ist ein guter Start. Damit bleiben wir in Bewegung und setzen uns in geringerem Umfang den Bildern von Produktwerbung und makellosen Menschen aus, die dafür sorgen, dass wir Appetit bekommen oder uns schlecht fühlen. Denkt daran, die Wirkung der Werbestrategien merken wir oft nicht sofort, denn sie setzen sich in unserem Unterbewusstsein fest, wir werden quasi programmiert, ohne uns dessen bewusst zu sein!

Werbung zielt, wie Hypnose, auf unser Unterbewusstsein.
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Zeitschriften & perfekte Welt

Bildschöne Models, perfekte und teure Kleidung, ein offenbar perfektes Leben, das sehen wir in Zeitschriften und Medien wie Instagram. Sie fordern den Vergleich geradezu heraus und wir sind diejenigen, die dabei schlecht abschneiden. Unser Leben ist nicht so perfekt, denn es ist real. Anstatt uns schlecht zu fühlen, können wir unsere Zeit sinnvoller verbringen. Wir könnten schauen, was uns weiterbringt, was dafür sorgt, dass es uns wirklich gut geht. Vielleicht können wir etwas Neues lernen und uns weiterentwickeln, anstatt lediglich zu konsumieren. Das heißt nicht, dass wir nie mehr in einer Zeitschrift blättern können, aber vielleicht könnten wir ein wenig mehr Zeit in Dinge investieren, die uns wirklich zufrieden machen und für Erfolgserlebnisse sorgen?

Kreativ etwas zu erschaffen, macht uns zutiefst zufrieden.
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Bewusstsein ist der Schlüssel

Sich bewusst werden, was die Werbung erreichen will kann manchmal schon helfen, einen analytischen Blick zu bewahren. Wie genau sind Snacks, Alkohol und Produkte präsentiert, um sie für uns schmackhaft und erstrebenswert zu machen? Welche Emotionen (Gefühle) sollen in uns geweckt werden? Wie alt ist das Model eigentlich und wie ist es ausgeleuchtet? Kann es wirklich sein, dass diese Schokocreme ein guter Start in den Tag ist, wo sie doch zu fast 60% aus Zucker besteht?

Ist das wirklich gut für uns?
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Social Media “ausmisten”

Social-Media ausmisten kann man, indem man den Firmen oder Personen nicht mehr folgt, die dafür sorgen, dass wir immer etwas Neues kaufen möchten oder uns schlecht und unzulänglich fühlen. Es ist auch sinnvoll, sich von den “Bekannten” zu entfernen, sie also zu “ent-liken”, die sich immer super perfekt darstellen und euch das Gefühl geben, einfach nur langweilig zu sein. Auch deren Leben ist nicht so perfekt und sie haben vermutlich dutzende “Selfies” (also Bilder von sich selbst) gemacht, bis eines so perfekt war, dass es für Facebook oder Instagram geeignet war.

Social Media Kontakte zu selektieren, kann sehr schnell dazu führen, dass wir uns besser fühlen.
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Spielzeug bewusst auswählen

Wenn wir uns bewusst sind, was es mit kleinen Mädchen und Jungs macht, mit diesen “Vorbildern” als Spielzeug aufzuwachsen, lohnt es sich, einen zweiten Blick darauf zu werfen. Auch bei Kindern werden Wünsche durch Werbung geweckt. Je weniger Erlebnisse sie im Alltag haben, die dafür sorgen, dass sie sich gut und wertvoll fühlen, desto größer ist der Stellenwert dieser Spielfiguren. Zeit in der Natur, Klettern, Handwerken, Basteln, Toben und Kreativität sind essenziell für die Gehirnentwicklung unserer Kleinen. Diese Erlebnisse lassen Barbie & Co. förmlich erblassen.

Wenn Kinder spielen, lernen und ausprobieren dürfen, verblassen Barbie & Co.
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Link zum Weiterlesen:


Hier geht es direkt zu den vorigen Teilen der Serie:

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