Verbindung und unser Gewicht. (Teil 2)

Verbindung in unserem Leben ist essentiell, um gesund und glücklich zu sein.

Wenn wir mit unserer Figur oder dem Gewicht unzufrieden sind, tendieren wir dazu, die  “bösen” Kalorien dafür verantwortlich zu machen. Dieses Ursache-Wirkungs Prinzip klingt plausibel, greift jedoch viel zu kurz. Wir sind keine Maschine, wir sind ein lebendiges System. Ein wichtiger – aber unterschätzter – Einflussfaktor auf unser Essverhalten und das Gewicht ist unsere Verbindung.

Der erste Teil des Artikels (Es geht um viel mehr als Kalorien.) konzentrierte sich auf externe Faktoren, die – weit über Kalorien hinaus – unser Gewicht beeinflussen (wie bspw. Toxine in unserer Umwelt). Heute möchte ich den Fokus darauf legen, wie wir in unsere Umwelt eingebunden sind. Den dritten Teil des Artikels findet ihr HIER.

Verbindung ist ein Grundpfeiler für unsere Gesundheit

Gesundheit & Gewicht sind Symptome

Zentral ist es zu verstehen, dass unser Gewicht ein Symptom dafür ist, ob unser Leben in Balance ist [1]. Gesundheit und Gewicht sind sehr eng miteinander verbunden und werden von zahlreichen in- und externen Faktoren beeinflusst. Auf diese Faktoren werde ich schrittweise im Rahmen dieser Serie eingehen. Wenn es uns gelingt, dies zu verinnerlichen, hören wir auf zu glauben, dass eine Diät unser “Gewichtsproblem” lösen könne.

Verlorene Verbindung

In vielen Bereichen unseres Lebens haben wir – ohne uns dessen bewusst zu sein – die Verbindung verloren, das macht uns krank, dick, einsam und unglücklich. Die Rede ist hier von der Verbindung sowohl nach außen zu Natur und anderen Menschen als auch nach innen, also die Verbindung zu uns selbst. Was das mit Gesundheit und unserem Gewicht zu tun hat, soll Gegenstand der folgenden Abschnitte sein.

Wir haben die Verbindung verloren.
Photo Credit: Pixabay

Verbindung zur Natur

Viele von uns leben in betonierten und asphaltierten Städten. Wir haben wenig Kontakt zu Erde, Wald und Natur. Es kann sein, dass wir monatelang nicht mit unseren Händen oder Füßen einen natürlichen Boden berühren oder uns an wunderbarer Natur erfreuen. Auch der natürliche natürliche Rhythmus der Jahreszeiten sowie von Tag und Nacht (Circadianer Rhythmus) ist durch künstliches Licht, Arbeitszeit spät am Abend oder sogar in der Nacht, Jetlag und Medienkonsum geprägt und weit entfernt von der Lebensweise unserer Vorfahren, an die wir perfekt angepasst sind.

Oftmals ist unser Tages- und Nachtrhythmus start durch künstliche Lichtquellen beeinflusst.
Photo Credit: Pixabay

Die Einflüsse unserer Verbindung zur Natur auf Gesundheit und Gewicht sind vielschichtig und ich möchte sie hier nur kurz anreißen. Zeit in der Natur beeinflusst unsere Stimmung, den Schlaf und die “guten” Bakterien, die unseren Körper trillionenfach besiedeln. Jeder Faktor für sich beeinflusst, wie wir essen, wir wir Nahrung verwerten, worauf wir Hunger haben und wie wir uns fühlen.

Lösungsansatz

Wir sollten, so oft es möglich ist, Zeit in der Natur verbringen, ohne Beschallung und Entertainment. Das kann ein Spaziergang sein, Arbeit im Garten, Joggen in der Morgensonne, Yoga am Abend oder eine Wanderung. Wenn wir uns beim nächsten Mal überlegen, ob wir ins Kino oder in ein Museum gehen, können wir doch statt dessen einfach Zeit an einem See oder im Wald einplanen und die Natur auf uns wirken lassen. Vielleicht brauchen wir dann die abendliche Tafel Schokolade gar nicht, weil wir völlig zufrieden sind.

Verbindung zur Natur ist ein unterschätzter Faktor für Gesundheit, Zufriedenheit und unser Gewicht.

Verbindung zu anderen Menschen

Wir haben hunderte unverbindliche Kontakte. Wer in den sozialen Medien wie Facebook unterwegs ist, kann sogar mehrere tausend “Freunde” haben. Wenn wir zu uns selbst ehrlich sind, stellen wir jedoch fest, dass wir nur wenige echte Freunde haben, denen wir vertrauen. Unter Menschen zu sein (virtuell oder real), wiegt uns gleichermaßen in trügerischer Sicherheit, hervorragend sozial eingebunden zu sein, wie zahlreiche “Likes” und “Gefällt mir” Angaben. Unverbindliche Kontakte sind aber kein Ersatz für tiefe Verbundenheit. Freunde, die uns mögen wie wir sind, mit allen Unsicherheiten und Besonderheiten, sind durch keine Menge an virtuellen Kontakten zu ersetzen.

Einsamkeit macht uns krank und dick.
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Soziale Einsamkeit und Isolation sind zunehmend ein großes Probleme für viele Menschen. Sie machen uns krank und dick. Soziale Einsamkeit ist so schädlich, wie ein Fast-Food Lebensstil oder täglich 15 Zigaretten zu rauchen [Maggie Ney, 2]!

Aber nicht immer sind Beziehungen gesund für uns. So genannte toxische Beziehungen führen dazu, dass wir uns schlecht und unzulänglich fühlen. Sie machen uns psychisch und körperlich krank. Dies muss keineswegs mit körperlicher Gewalt verbunden sein.

Soziale Verbindung und unser Gewicht

Warum unsere Verbundenheit mit Mitmenschen einen Einfluss auf Essverhalten und Gewicht hat beruht auf zahlreichen Zusammenhängen, die ich hier nur kurz anreißen kann: Der Stress von Einsamkeit oder toxischen Beziehungen verändert unseren Stoffwechsel, so dass Verdauung und Reparation dauerhaft zu kurz kommen. Ohne positive Sozialkontakte bilden wir auch nicht ausreichend Botenstoffe wie Oxytocin und Serotonin, die uns zufrieden und glücklich machen. Gleichzeitig ist Essen ein scheinbar einfacher Kompensationsmechanismus, wenn wir unglücklich sind und führt schnell zu Übergewicht.

Essen scheint wirkungsvoll Einsamkeit zu kompensieren.
Photo Credit: Kristina Paukshtite from Pexels

Lösungsansatz

Es kann viele verschiedene Schritte geben, um mehr Verbundenheit in unserem Leben willkommen zu heißen. Ein Weg ist es sicherlich, mehr Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns mögen, wie wir sind. Aber auch dann können Nähe und Verbundenheit nur entstehen, wenn wir unsere Telefone beiseite legen, uns wirklich gegenseitig zuhören und wahrnehmen.

Wenn wir diese Menschen noch nicht gefunden haben, können wir sie an Orten treffen, an denen Menschen ähnliche Wertvorstellungen und Interessen haben, wie wir selbst. Wenn wir Menschen finden, die uns inspirieren und weiterbringen, anstatt den Schwerpunkt auf Klatsch, Tratsch und Konsum zu legen, wird das unsere Zufriedenheit potenzieren.

Prioritäten neu setzen

Dazu müssen wir jedoch unsere Prioritäten mitunter ändern, auch wenn wir uns gerade nicht danach fühlen. Jemanden anzurufen oder zu treffen, anstatt nach der Arbeit auf der Couch oder vor dem PC zu “versumpfen”, kostet erst einmal etwas Überwindung. Wir können nicht erwarten, Freundschaften zu haben oder die Vorteile aus Freundschaften mitzunehmen, ohne uns vorher als Mensch einzubringen [Lesetipp: 3]. Zeit in diese Beziehungen zu investieren wird uns schnell erinnern, wie gut uns menschliche Verbindung tut.

Anwesend sein und wirklich Zuhören ist eine fast vergessene Qualität sozialer Beziehungen.
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Wenn wir in einer toxischen oder missbräuchlichen Beziehung feststecken, kann professionelle Hilfe ein guter Ansatzpunkt sein, um längerfristig eine Veränderung zu erzielen. In diesen Beziehungen länger auszuharren sorgt oft für Schuldgefühle und schadet unserem Selbstbild wie auch der Gesundheit enorm. Am Ende des Artikels liste ich einige Telefonnummern und Webseiten, wo ihr Hilfe bekommen könnt [4].

Verbindung zu unserem Körper

Signale unseres Körpers richtig zu verstehen und ernst zu nehmen, wird in unserer Gesellschaft gern als Schwäche interpretiert. Müde oder traurig zu sein hat in einer Leistungsgesellschaft anscheinend keinen Platz. Vielmehr lernen wir, diese Signale zu ignorieren: Wenn wir müde sind trinken wir Kaffee, wenn wir traurig sind, lenken wir uns ab, wenn wir einsam sind oder uns unwohl fühlen stopfen wir uns mit Süßigkeiten voll und wenn wir Schmerzen haben, nehmen wir einfach Schmerztabletten.

Warnsignale mit Schmerzmitteln zu überdecken, schwächt die Verbindung zu unserem eigenen Körper.

Wir vergessen dabei, dass unser Befinden oder Schmerzen wichtige Informationen und nicht einfach nur “Störgeräusche” sind. Diese Signale zeigen uns, dass wir etwas in unserem Leben verändern sollten, um wieder mehr Balance zu erleben. Sich einsam zu fühlen ist ein Signal, sozialen Kontakt zu suchen. Wenn wir müde sind, brauchen wir vielleicht Ruhe, wenn wir gestresst sind fehlt uns wahrscheinlich Entspannung und wenn wir permanent Hunger haben, ist das vielleicht ein Versuch, uns wenigstens kurzzeitig gut zu fühlen oder uns eine Auszeit zu nehmen, die wir uns sonst nicht zugestehen.

Lösungsansatz

Anstatt vorschnell zu Kaffee, Süßigkeiten, Alkohol, Schmerz- oder Schlaftablette zu greifen lohnt es sich, kurz innezuhalten. Wir haben ein Recht, auch mal sauer oder wütend zu sein. Wir dürfen nach einem anstrengenden Tag oder einer Nacht mit wenig Schlaf müde sein. Einige Fragen an uns selbst können helfen, die Situation besser zu verstehen: “Was ist eigentlich gerade los? Wie fühle ich mich? Was brauche ich jetzt wirklich?”

Diese Strategie funktioniert nicht von heute auf morgen, ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, um die Signale unseres Körpers wieder besser zu verstehen.

Mehr Verbindung in unserem Leben

Wir sind soziale Lebewesen in enger Verbindung mit der Natur und unterschätzen diesen Aspekt und dessen Wirkung auf unser Wohlbefinden dramatisch. Zu schnell ist unser Alltag, zu sehr täuschen virtuelle Kontakte und permanente mediale Unterhaltung darüber hinweg, wie wir uns fühlen oder was wir wirklich brauchen. Wir sind Meister darin, unliebsame Zustände zu übertönen oder zu ignorieren, um uns mit ihnen nicht auseinandersetzen zu müssen. Irgendwann verlernen wir diese Fähigkeit einfach, ohne es gleich zu merken.

Wir sind Meister darin, unsere Bbefindlichkeiten zu übertönen und zu ignorieren.

Von den Wurzeln abgeschnitten

Das scheint einige Zeit zu funktionieren. Wenn wir aber dauerhaft von unseren Wurzeln abgeschnitten sind, verlieren wir den Boden unter den Füßen. Unsere Körperchemie verändert sich, wenn wir unseren natürlichen Rhythmus und die Verbindung zur Natur ignorieren. Das kann beispielsweise dazu führen, dass wir schlecht schlafen, chronisch erkranken, dauerhaft erschöpft sind oder uns depressiv fühlen (jeder einzelne Faktor kann in Übergewicht resultieren).

Die Leere füllen

Uns fehlen echte Menschen und Inspirationen, die uns zutiefst glücklich und zufrieden machen, wenn wir viel Zeit allein oder mit sozialen Medien verbringen. Diese entstandene Leere versuchen wir mit allerlei Entertainment, süßen Kalorien, Alkohol oder Konsum zu füllen. Der Erfolg währt nur kurz und wir brauchen mehr davon.Das eigentliche Problem der sozialen Einsamkeit lösen Konsum und Essen jedoch nicht,

Wir verlernen, unsere biologischen Bedürfnisse zu erkennen, zu verstehen und nach ihnen zu handeln. Das heißt beispielsweise zu essen, wenn wir Hunger haben, Ruhe zu suchen, wenn wir gestresst sind oder uns zu bewegen, wenn wir inaktiv gewesen sind.

Mehr Verbindung suchen

Die Entwicklung zu mehr Verbindung wird nicht von heute auf morgen erfolgen. Ich wünsche mir jedoch, euch zu inspirieren, in Zukunft auf wiederkehrende Situationen einen anderen Blick zu werfen, anstatt automatisch zu reagieren. Vielleicht planst du einfach einen Spaziergang im Wald, rufst einen Freund an oder gönnst dir 15 Minuten Ruhe mit deinem Lieblingsbuch? Das ist ein richtig guter Anfang und trägt maßgeblich dazu bei, Essen immer weniger als Ersatz für reale Verbindung in unserem Leben zu funktionalisieren!


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Anmerkungen, Quellen, Lesetipp:

[1] Der Zusammenhang zwischen Gewicht und Balance in unserem Leben soll jedoch nicht heißen, dass bei schlanken Menschen das Leben in perfekter Balance ist. Jedoch tendieren heute mehr Menschen dazu, übergewichtig zu werden als stark abzunehmen, wenn das Leben aus der Balance ist. Natürlich sind auch dünne Menschen nicht zwangsläudig gesund.

[2] Maggie Ney, Naturopathic Doctor in Broken Brain 2 by Mark Hyman MD (Extended Expert Interview, 2019). Die Serie gibt es hier zu erwerben: https://brokenbrain.com/

[3] Sehr empfehlenswerter Lesetipp: Radha Agrawal (2018): Belong. Find Your People, Create Your Community, and Live a More Connected Life. Workman Publishing (Taschenbuch, Kindle, Audio Book)

[4] Hilfetelefon für Gewalt gegen Frauen: 08000116016, hilfetelefon.de, Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 oder 0800 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/

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